Samstag, 21. Juni 2008

Nur noch wenige Stunden ...

Bald ist es soweit und wir besteigen das Flugzeug zurueck in die Heimat. In weniger als 24 Stunden sind wir zurueck. An dieser Stelle verzichten wir auf daemliche Sprueche a la "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei", sondern bleiben ganz unsentimental. Eine erlebnisreiche, intensive und interessante Zeit geht ihrem Ende entgegen, die wir auch noch verarbeiten muessen. Aber wir haben zum Glueck noch Sommerferien. Wir werden spaeter noch eine persoenlich gefaerbte Bestenliste veroeffentlichen.

Patrik und Bettina

Mittwoch, 18. Juni 2008

Nordwaerts nach Bangkok

Nach Nordmalaysia war geplant, der Westkueste Thailands entlang nach Bangkok zurueckzureisen. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung und wir aenderten die Plaene. Angefangen hat es eigentlich ganz gut. Von Langkawi fuhren wir mit einem Boot nach Satun auf thailaendischer Seite. Per Bus ging es weiter nach Trang, von wo wir am naechsten Tag nach Koh Lanta fuhren. Bereits bei der Ankunft merkten wir, dass die Saison vorbei ist. Nur zwei "Schlepper" empfingen uns an der Busstation, um uns Flyer von Hotels unter die Nase zu halten. In unserer Preisklasse lagen genau zwei, alle anderen sind geschlossen. Angesichts der beginnenden EURO waehlten wir die Hotelanlage, wo auch die Zimmer mit Ventilator einen Fernseher hatten. Wie alle erlebten wir einen sehr enttaeuschenden Auftakt zur EURO. Auf Koh Lanta konnten wir uns noch auf des Wetter verlassen, der Regen war jeweils nur fuer kurze Dauer. Wie mittlerweilen ueblich mieteten wir uns einen Roller, um die Insel zu erkunden. Dieses Mal hatten wir ein bisschen Pech, denn der Anlasser liess uns im Stich. Als wir einmal hielten, um zu besprechen, wohin wir fahren sollen, konnten wir den Roller nicht mehr starten. Kurz darauf kam ein Thai angefahren und meint lachend "No petrol". Doch dem war nicht der Fall und er konnte uns nicht weiterhelfen. Glueck im Unglueck, nicht weit entfernt fanden wir eine Werkstatt, die zwar geschlossen war, aber ein Nachbar ueberzeugte den Besitzer davon, dass es eine gute Tat sei, uns zu helfen. Er musste einiges ausprobieren, bis er das Problem fand, eine Wackelkontakt beim Anlasser. Dazu nahm er die Verschalung ab, probierte es mit der Batterie eines anderen Motorrades, versuchte den Kickstarter, alles ohne Erfolg. Eigentlich wollten wir darauf das Motorrad umtauschen, aber da es wieder funktionierte und wir noch Benzin hatten, behielten wir es.

Von Koh Lanta ging es weiter nach Krabi, wo wir die restliche Zeit verbringen wollten, da sich dieser Ort gut eignet, um Ausfluege in die Region zu unternehmen oder fuer eine Fahrt nach Koh Phi Phi (Fuer alle, die es noch nicht wissen, im Thailaendischen wird ein "ph" als langes "p" ausgesprochen, also nicht Ko Fi Fi). Rund um Krabi hat es viele malerischen Straende und fantastische Kalksteinfelstuerme, die einen laengeren Aufenthalt erlauben. Nachdem wir aber auf unserem ersten Ausflug dermassen verregnet wurden, aenderten wir die Plaene und fuhren nach Hua Hin an der Ostkueste. Normalerweise ist das Wetter an der Ostkueste (rechts) um diese Zeit besser als an der Westkueste (links), da der Monsun von Westen (links) her kommt. Ansonsten waeren wir kaum nach Hua Hin gefahren, da dieser Ort ein klassischer Badeferienort fuer Pauschaltouristen ist. Als wir ankamen, stellten wir fest, dass an diesem Wochenende das Hua Hin Jazz at the Beach Festival stattfindet. Dies erschwerte die Suche nach einer Unterkunft sehr, weil die guenstigen ausgebucht waren und alle anderen die Preise angehoben hatten. Schliesslich fanden wir ein Zimmer fuer 300 Baht, fuer das wir sonst hoechsten 100 bezahlt haetten. Entschaedigt wurden wir mit einer entspannten Atmosphaere am Strand, wo die Konzerte stattfanden. Das Publikum bestand hauptsaechlich aus Thais, nur wenige westliche Touristen kommen um diese Jahreszeit nach Thailand. Die Thais sind bekannt dafuer, dass sie in der Freizeit dem Alkohol nicht abgeneigt sind und so war der Stand ueberfuellt mit leeren Bierdosen und -flaschen. Einige scheinen gleich am Strand zu schlafen, um sich das Geld fuer eine Unterkunft in fluessige Nahrung investieren zu koennen.

In Hua Hin soll es um die hundert Schneider geben und da diese nichts zu tun haben, lungern sie vor der Tuer herum und quatschen jeden an, der ein bisschen westlich aussieht. Es muss wohl nicht speziell erwaehnt werden, dass es vor allem indische Schneider sind! Da man ausser am Strand liegen nicht viel unternehmen kann, legen wir auf dem Weg nach Bangkok einen Stopp in Petchaburi ein. Laut Reisefuehrer eine "traditionelle, wenig besuchte Stadt mit an die 30 Tempelanlagen. Wer auf Englisch sprechende Guides und europaeisches Essen verzichten kann und kulturell interessiert ist, kann hier einige anregende Tage verbringen." Dies trifft doch voll und ganz auf uns zu! Fuer uns wurden es zwei Tage mit einigen Tempeln, selbst wir schauen uns nicht alle 30 an. An einem Abend hatten wir eine anregende Unterhaltung mit einem Thai, der im Maerz fuer eine Woche in der Schweiz und Frankreich war. Organisiert wurde die Reise von seinem Unternehmen fuer gute thailaendischen Kunden. In der Schweiz waren sie in Luzern, auf dem Rigi, machten eine Schiffsfahrt, besuchten den Rheinfall, etc. Stolz zeigte er uns das Schweizer Taschenmesser mit seinem eingravierten Namen. Von den schweizer Uhren gefallen ihm die von IWC am besten und erstaunt war er, dass beim Uhren-Bucherer in Luzern Mitarbeiter arbeiten, welche urspruenglich aus Thailand, China, Taiwan,... kommen! (Ja, wir Schweizer wissen schon, wie man gute Geschaefte macht! Aber das haben wir ihm nicht so direkt gesagt!) Aus seinem Auto holte er extra den Kugelschreiber des Hotels Schweizerhof (5 Sterne!), wo sie in Luzern uebernachteten, weil ihm der Namen nicht mehr einfiel. Er schwaermte ueber den tollen Service dort, die fantastische Aussicht auf die Berge und war auch sonst voellig begeistert von der Schweiz, so sauber und ruhig, die Leute sind viel entspannter, weniger gestresst als in Frankreich. Weniger angetan war er vom Wetter, er musste immer lange Unterwaesche tragen. Trotzdem liess er es sich nicht nehmen, fuer ein Foto auf dem Rigi neben der Temperaturanzeige ("Minus degree!") mit nacktem Oberkoerper zu posieren. Hier sah er das erste Mal Schnee. Erwaehnt hatte er auch die Schrebergaerten, von denen er meinte, es seien Ferienhaeuser, welche der Staat den Schweizern zur Verfuegung stellt. Frisch gesaehte Kartoffelfelder erregten ebenfalss seine Aufmerksamkeit. Ueber die Bedeutung des Loewendenkmals wusste er zu unserer Schande besser Bescheid als wir. Das Beeftartar erhob er kurzerhand zum schweizer Nationalgericht und auch das Kaesefondue fand er lecker. Natuerlich schmeckte auch die Schweizer Schokolade. Weniger begeistert war er hingegen vom franzoesischen Kaese, diesen musste er mit Wein nach- bzw. runterspuelen. Generell vermisste er in der Woche das scharfe Essen, obwohl sie in Luzern einmal in einem thailaendischen Restaurant waren. Lachend erklaerte er uns, dass er nach der Landung in Bangkok zielstrebig einen Imbissstand ansteuerte, um seine Gelueste nach richtig scharfem Essen zu stillen! Dafuer gefiel ihm die Revue im Lido in Paris, wo die Frauen "no bra" trugen. Auf der Plattform des Eiffelturms und in einem Boot auf der Seine wurde jeweils diniert. Man wollte den Kunden schliesslich etwas bieten.

Fuer uns interessant zu sehen, wie ein Thailaender die Schweiz bzw. was ihm vorgesetzt wird, beurteilt und schliesslich alle Klischees ueber die Schweiz bestaetigt.

Patrik und Bettina

Dienstag, 10. Juni 2008

Pulau Langkawi

Nach ein paar Tagen in Georgetown fuhren wir mit dem Boot auf die Insel (=Pulau) Langkawi, noerdlich von Penang, nahe der thailaendischen Grenze. Ein Kellner auf dem Penang Hill erklaerte uns am Tag zuvor, dass die Ueberfahrt mit der Faehre ziemlich "shaky" sei. So beschlossen wir zum erstes Mal unsere Reisekrankheitstabletten praeventiv einzunehmen. Was aber absolut nicht noetig gewesen waere, da die Ueberfahrt ruhig und komfotabel verlief, obwohl wir sogar einmal durch ein Gewitter fuhren. Das Hauptproblem war eher die Klimaanlage des Bootes, diese kuehlte extrem stark, sodass wir das Gefuehl hatten, in einem fahrenden Kuehlschrank zu sitzen! Spaeter zeigten sich dafuer die Nebenwirkungen der Pillen in vollen Umfang. Die auf dem Beipackzettel erwaehnte Muedigkeit liess uns erstmal nach dem Bezug des Gaesthauszimmer in Pantai Cenang den ganzen Nachmittag tief und fest schlafen!

Nachdem wir in Kuah dem Hauptort von Langkawi angekommen waren, teilten wir uns mit einem anderen Paar ein Taxi zum Stand von Pantai (=Stand) Cenang an der Westkueste der Insel. Eigentlich herrscht hier Nebensaison, da aber die malaysischen Schulkinder immer noch Ferien hatten, verbrachten hier einige einheimische Familie ihre Ferien. Dennoch war der Strand ziemlich menschenleer. Was vielleicht daran liegen mag, dass die Hauptreligion der Islam ist und die Malayen nur beschraenkt "Wasserratten" sind. Sie scheinen dafuer eher Freude am "Abenteuerwassersport" (Jet-Ski u.a...) zu haben, der aber gluecklicherweise fuer uns am suedlichen Strandabschnitt angeboten wurde.

Wir quartierten und bei "Daddy" im sogenannten "Daddy's Guesthouse" ein. Der Besitzer oder eben "Daddy" war ein extrem frohlicher, kontaktfreudiger und gespraechiger Mensch. Auch die Zimmer hatte er sehr persoenlich gestaltet und wir fuehlten uns wie zu Hause, wenn man mal vom Bad absieht, welches ziemlichen malaysischen oder eben asiatischen Stil hatte!!!

Ein einem Nachmittag besuchten wir das Underwaterworld bei uns im Ort. Ein riesiges "Erlebnismuseum" ueber die Welt unter Wasser mit unzaehligen Aquarien, mit unterschiedlichen Fischen und sonstigem "Wassergetier". Leider war die Hauptattatraktion ein riesiges Wasserbecken mit Haien, anderen Fischen und Schildkroeten, welches man durchlaufen kann, leider geschlossen, da irgend ein Tierhasser im letzten November ein Insektizid in das Becken kippte und alle darin lebenden Tiere starben.

An zwei Tagen mieteten wir uns wieder einmal einen Motorroller, um die Umgebung und die Insel ein bisschen zu erkunden. So fuhren wir zu einsamen Staenden ganz im Norden der Insel. Da wir aber unser Badezeug nicht dabei hatten spazierten wir fuer einmal dem Stand entlang und sammelten Muscheln... (Wobei das Muschelsammeln eher mein Hobby ist denn Patriks! Er denkt da einfach zu praktisch und ans Mehrgewicht des Rucksacks!). Auf der Ostseite der Insel entdeckten wir einen Wasserfall in einer noch recht dschungelartigen Landschaft. An dessem Fusse sich in den natuerlichen Pool einheimische Kinder beim Baden vergnuegeten.

Der Hauptort Kuah im Sueden der Insel ist gepraegt von vielen, zum Teil sehr grossen Hotalanlagen und einigen grossen Shoppingzentren. Denn die Insel ist zollfei und wenn man einen mindestens 48igstuendigen Aufenthalt auf der Insel nachweisen kann, darf man ungehemmt zollfrei shoppen! So hat es viele Malayen, die hier ihre Wochenenden mit Shopping verbringen, was sich am Jetty (Bootshafen) unschwer an den riesigen, vollbepackten Einkaufstaschen erkennen laesst. Vorallem Spiritosen, Heimelektronik, Haushaltbedarf und Schokolade wir hier teilweise hemmungslos eingekauft... Wir beschraenkten uns auf ein essbares Quantum an echter Schweizer Schokolade, was bedeutete, dass wir die 500 Gramm Toblerone wieder ins Regal zuruecklegten!

Auf der Insel gibt es die Moeglichkeit mit einer Seilbahn mit schweizer Technik auf einen Vulkan zu fahren, um die Aussicht von dort ueber die Insel zu geniessen. Von einem Schweizer, der in Pantai Cenang seit 16 Jahren lebt, bekamen wir den Tipp dieses Touristenhighlight auszulassen und anstelle dessen mit dem Motorroller auf den hoechsten Vulkan, den Gunung Raya, zu fahren. Von dort sollte man die gleiche Aussicht haben, bezahlt keinen Eintritt und ist fern vom Touristenrummel. Das toente genau nach unserem Geschmack und so fuhren wir an einem Morgen von Meereshoehe, die kurveinreiche, aber geteerete Strasse hoch bis "Gipfel". Die Strasse schlaengelte sich durch eine dschungelartige Landschaft. An einer Stelle kroch sogar nach eine ueber 2 Meter lange Schlange vor uns ueber die Strasse, auch riesige, tropische Voegel (eine Mischung auf Papagai und Flamingo!) konnten wir entdecken. Vom oben konnten wir ueber einen Teil der Insel bis zum Meer blicken. Ein Securitas erklaerte uns, dass man in der Hochsaison/Trockenzeit bis nach Thailand blicken kann, da der Himmel dann meist wolkenlos sei. Aktuell zeigten sich am Horizont aber bereits die grossen Monsunwolken!

Wir hatten auf Langkawi im grossen und ganzen Wetterglueck. So schien tagsueber meist die Sonne und wir hatten blauen Himmel. Am Abend oder ueber Mittag hatten wir dreimal heftige Gewitter, doch so ploetzlich diese auch begonnen hatten und so kraeftig sie auch waren, hoerten sie doch meist nach 1 bis 2 Stunden wieder auf und die Sonne schien wieder. Fuer uns manchmal unglaublich. Denn wenn es in der Schweiz einmal so regnet, dann regnet es mindestens den ganzen Tag weiter! Bei einem dieser Regenguesse, welchem wir in einem lokalen Strassenrestaurant ueberdauerten, entdeckten wie ein weiteres Highlight der malayischen Fauna. So spazierte ein etwas 2 Meter langer Waran aus dem Dickicht und ueberquerte die Strasse. Es war ein Gefuhel von Interesse, Faszination und auch ein bisschen Grusel, diese so grosse und fremdartige Echse aus unmittelbarer Naehe zu beobachten!



Bettina

Multikulti in der "Perle des Orients" Georgetown


In historischen Zentrum von Georgetown leben Moslems, Christen, Hindus und Buddhisten zusammen. So findet man auf engstem Raum Moscheen, Kirchen, hinduistische, buddhistische und chinesische Tempel. Gleich um die Ecke findet man die herrschaftlichen Palaeste, Gerichts- und Verwaltungsgebaeude der ehemaligen englischen Machthaber.

Ein Bummel durch das quirlige Chinatown, wo man neben allerlei Lebensmitteln sich auch mit chinesischer "Medizin" eindecken kann. Gleich daneben liegt "Little India". Alle paar Meter aendert sich dort die Musik, die aus einem der CD-Shops mit den neusten Bollywoodhits droehnt. Wer will, kann sich mit Sari oder Salwar Kamise einkleiden oder sich in einer indischen Strassenkueche verpflegen. Trotz allem fehlt etwas. Es ist viel zu ruhig und sauber, als dass es als Indien durchgeht. Das typische Gehupe und auch der "Duft" einer indischen Stadt fehlen voellig!

Neben den Briten haben auch die Chinesen deutlich Spuren hinterlassen und praegen die Stadt auch heute noch. Neben den vielen praechtig geschmueckten Tempel besticht Georgetown vor allem durch aussergewoehnliche Familienresidenzen und Clanhaeuser. Das Cheong Fatt Tze Mansion ist eine Familienresidenz aus dem 19. Jahrhundert. Dieses Haus wurde die Feng Shui-Prinzipien vorbildlich umgesetzt. Anscheinend soll ausserhalb Chinas nur noch zwei aehnliche Gebaeude geben. Der Besitzer, der chinesische Vizekonsul Cheong Fatt Tze, wird als einer der letzten chinesischen Mandarine und erster Kapitalist Chinas bezeichnet. Umfangreiche Restaurationsarbeiten waren noetig, um das verfallene Haus zu heutigen Glanz zu bringen. Heute wird das Haus als Hotel genutzt und in den Zimmern stehen alte Moebel und Gebrauchsgegenstaende. Der Film Indochine mit Catherine Deneuve wurde in diesem Haus gedreht, die alten Rikschas davor sind Ueberbleibsel. Das Haus kann in einer einstuendigen Fuehrung besichtigt werden. Da sich die Reisefuehrerin gerne reden hoert und wir nur drei Raeume des rieisgen Hauses ansehen konnten, war der Besuch nur maessig. Zum Glueck war in unserer Gruppe eine Familie, die eines der Zimmer fuer eine Uebernachtung gemietet hat und uns erlaubte, einen Blick in ihre Suite zu werfen.

Die Verehrung der Ahnen nimmt bei den Chinesen einen grossen Raum ein. Familien gleicher Herkunft und gleichen Namens erbauen Clanhaeuser, sofern sie ueber das noetige Vermoegen verfuegen. Das Haus der Familie Khoo zaehlt zu den schoensten Bauwerken Penangs. Die Drachenburghalle fiel so opulent aus, dass manche befuerchteten, dass sich der Kaiser von China kompromitiert fuehlen koennte. Dieses Gebaeude kann man frei besichtigen und wir konnten uns ohne laestige Fuehrung von der Pracht ueberzeugen.

Im Osten von Georgetown befindet sich der Penang Hill, von wo man eine schoene Aussicht auf die Stadt und das nahe Festland hat. Am Tag zuvor war der Ausflug zum Berg wegen eines Platzregens ins Wasser gefallen und so nahmen wir eine ueber zweistuendige Wartezeit in Kauf. Beim Ticketkauf bekommt man gleich die Zeit mitgeteilt, wann man hochfahren kann. Es war Samtag und zudem Schulferien, ein beliebter Ausflug einer malayischen Familie. Ein Fussmarsch auf den 830 m Penang Hill kam wegen den 735 m Hoehenunterschied nicht in Frage. Also warteten wir, bis wir an der Reihe waren. Dieses System muessten sie vermehrt in Indien einfuehren! Bei der Fahrt in der Bergbahn sieht man die Veraenderung der Vegetation und es wird deutlich kuehler. Als wir endlich oben ankamen, war es bereits am Eindunkeln. Aber genau das wollten wir, denn die Aussicht bei Nacht ist deutlich spektakulaerer als bei Tage. Nachteilig war dann, dass kein Bus mehr in die Stadt fuhr und so teilten wir uns mit zwei anderen Touristen ein Taxi.

Mitten im Altstadtviertel steht das KOMTAR-Gebaeude, ein 65-stoeckiger Turm, ziemlich fehl am Platz in einem Quartier mit sonst nur zwei- oder dreistoeckigen Gebaeuden. Dafuer hat man vom Panoramarestaurant im 60. Stockwerk eine tolle Aussicht auf die Altstadt und den Hafem von Georgetown. Ueberraschend trafen wir in Georgetown Irene, eine Arbeitskollegin aus Frauenfeld, die ebenfalls einen unbezahlten Urlaub zum Reisen nutzte, aber bisher auf anderen Kontinenten unterwegs war. Der Zufall wollte es so, dass sich in Georgetown unsere Reiserouten kreuzten.

Ein neues Land bedeutet natuerlich auch eine neue Waehrung. Nachdem wir auf Bali mit den Tausendern nur so um uns geworfen hatten, kam uns Malaysia auf den ersten Blick sehr billig vor. Viele Dinge befanden sich im ein oder zweistelligen Bereich. So kostet die Miete eines Mororrades statt 50'000 Rupia auf Bali nur noch 25 Ringit. Warum kaufen wir uns nicht gleich eines? Die Loesung liegt natuerlich im Wechselkurs. Auf Bali bekamen wir fuer einen harten Schweizer Franken 8'500 Rupias. Eine Umrechnung, die nicht ganz einfach war und einigen (danke Patrik, dass du keine Namen nennst!!!) von uns bis am Schluss Probleme bereitete. Da war der Malaysische Ringit deutlich umrechnungsfreundlicher: durch drei. So rueckte die Motorradmiete in ein voellig neues Licht und wir beliessen es beim Mieten.

Patrik

Dienstag, 3. Juni 2008

Flugplanaenderung: Ankunft in Zuerich am 22. Juni um 19.45 Uhr

Wegen einer ohne uns mit uns abgesprochenen Flugplanaenderung der Qatar Airways kommen wir am 22. Juni erst um 19.45 Uhr, statt um 7.15 Uhr an.

Mittwoch, 28. Mai 2008

Surfing in Kuta

Am Strand von Kuta brechen die Wellen ideal fuer Wellenreiter und so reisen entsprechend viele Surfer aus Australien und Japan hierher. Auch die entsprechenden Shops, ob mit originalen oder nachgemachten Produkten, findet man wie Sand am Meer. Bei unserem ersten Besuch sahen wir den Strand nur einmal kurz zum Sonnenuntergang. Als Abschluss unseres Balibesuchs wollte ich mich beim Wellenreiten versuchen. Vor elf Jahren tat ich dies auf Oahu (Hawaii) bereits einmal, doch ich meldete mich als Neuling an. Die Surfschule war sehr professionell, zu Beginn schauten wir - ein Norweger, eine Russin, ein Englaender und ich - einen Video an, in dem es vor allem um die Sicherheit beim Surfen geht.

Surfen ist eigentlich sehr einfach, da es nur wenige verschiedene Bewegungen gibt. Zu 90% ist Surfen paddeln auf dem Brett und zu 10% Reiten der Welle. Das Entscheidende findet dazwischen statt, naemlich das Aufstehen. Der richtige Zeitpunkt ist auch hier, wie so oft im Leben, entscheidend, das wusste schon der alte chinesische Philosoph Tai-Ming.
Nach ein paar Dehnuebungen am Strand folgten die Trockenuebungen auf dem Brett: Paddeln und auf Kommando aufstehen. Danach ging es ins Meer. Damit wir unsere Kraefte nicht mit Paddeln verpuffen, fanden unsere Surfversuche im stehtiefen Wasser statt und die Surflehrer hielten unsere Boards und gaben die Kommandos: "Paddle, up!" So klappte es immer, nicht immer gleich weit, aber es funktionierte. Als passionierter Snowboarder habe ich auch das Feeling fuers Gleiten, sei es Schnee oder Wasser. Nach etwa 40 Minuten auf dem Wasser legten wir eine Pause ein und nach der Pause versuchten wir es auch einmal auf eigene Faust, ohne Kommando. Und siehe da, es war auf einmal nicht mehr so einfach, die Erfolgsquote sank rapide ab. Nur noch etwa jeder zweite Versuch war erfolgreich, da ich den richtigen Zeitpunkt zum Aufstehen verpasste.

Dank den Fotokuensten von Bettina sind meine Surfversuche auch bildlich verewigt.

Aloha Patrik

Sonntag, 25. Mai 2008

Ubud - Kulturhauptstadt Balis

In und um Ubud scheint jeder Balinese ein Kuenstler zu sein, sei Maler, Taenzer, Gamelanmusiker oder Holzschnitzer. Anders lassen sich die vielen Shops mit Kunsthandwerk und Galerien hier nicht erklaeren. Man kann mit dem Roller in jede Richtung kilometerweit fahren und faehrt staendig an diesen Shops vorbei. Der Name Ubud meint nur eines der acht zusammengebauten Doerfer. Da Ubud von diesen im Zentrum liegt und den am einfachsten zu vermarktenden Namen hat, redet man grosszuegigerweise von Ubud. Kann man sich einfacher merken als Tebesaya oder Penestanan und hoert sich auch noch geheimnisvoll an.

An jedem Wochentag finden auf einer der verschiedenen Buehnen traditionelle balinesische Taenze statt. Hauptsaechlich Legong- und Kecaktaenze. Der Vorteil dieser auf Touristen ausgerichteten Vorstellungen liegt darin, dass sie puenktlich anfangen und nicht laenger als eineinhalb Stunden dauern. Deshalb findet man auch keine Balinesen unter den Zuschauern, sondern ausschliesslich Touristen. Die Balinesen beginnen eine Veranstaltung selten zur festgelegten Stunde, sondern es kann passieren, dass eine Auffuehrung erst in drei Stunden beginnt oder schon laengst begonnen hat, wenn man mit europaeischer Puenktlichkeit erscheint. Diese Veranstaltungen koennen mit Unterbrechungen bis in den fruehen Morgen dauern.

Bei den Touristenveranstaltungen wurzeln die dargebotenen Taenze, ihre Bewegungen und ihre Motive in der Tradition und Religion, wurden aber fuer den Geschmack der Auslaender entworfen. Meist handelt es sich um eine Zusammenfassung von Ausschnitten oder Telen moderner, traditioneller und sakraler Taenze, stark gekuerzt und vereinfacht, dass die Show leicht verstaendlich, aber doch abwechslungsreich bleibt. Da wir noch keine Experten fuer balinesische Taenze sind, ist uns der Unterschied auch nicht so bewusst.

Wir besuchten zwei Veranstaltungen. Da wir in Yogyakarta bereits eine Wayang Kulit Auffuehrung (flache Schattenpuppen aus Leder) sahen (fleissige Leser unseres Blogs werden sich daran erinnern), waehlten wir am ersten Abend eine Legongauffuehrung aus. Dieser Tanz entstand anfangs des 19. Jahrnunderts und wurde urspruenglich nur an den Fuerstenhoefen aufgefuehrt. Der Legong verkoerpert das balineische Ideal weiblicher Schoenheit und ist Inbegriff von Anmut und Grazie. Nur sehr junge, huebsche und zart gebaute Maedchen duerfen ihn tanzen. Mit dem Einsetzen der Menstruation ist die Laufbahn der Taenzerinnen beendet, da die Taenzerinnen die erforderliche "Reinheit" verloren haben. Bei Touristenveranstaltungen sieht man manchmal auch aeltere Taenzerinnen. Fuer eine "Touristentaenzerin" endet die Karriere mit der Heirat. Um freie Sicht auf die Buehne und zum Fotografieren zu haben, muss man mindestens eine halbe Stunde vor Beginn da sein. Begleitet werden die Taenze von einem Gamelanorchester, das sich aus 20-25 Instrumenten zusammensetzt, hauptsaechlich Metallophone, verschiedenen Gongs und Zimbeln, zwei Trommeln und vielleicht noch einer Floete. Fuer unsere Ohren ist diese Musik sehr gewoehnungsbeduerftig und auch anstrengend.

Wir haben den Besuch von Ubud so geplant, um waehrend einer Vollmondnacht hier zu sein. Denn an Voll- und Leermond finden spezielle Tanzveranstaltungen statt. Dieser Kecak ("Affentanz") kommt (zum Glueck) ohne Orchesterbegleitung aus. Die begleitende Musik liefern die etwa 50 nur mit kurzen, scharzweiss karierten Lendentuechern bekleideten Maenner, die waehrend des ganzen Tanzes rhythmische cak-cak-cak-Laute ausstossen, unterbrochen von wilden Kriegsgeschrei, Zischen und Summen sowie einigen melodischen Sequenzen, verstaerkt wird die Dramatik durch ekstatische Bewegungen des Chors, das gleichzeitige Hin- und Her- und Auf- und Abwogen der Koerper, das Schwenken der Arme und das Vibrieren der ausgestreckten Arme. Auf der von ein paar Fackeln beleuchteten Buehne wird ein Ausschnitt aus dem indischen Heldenepos Ramayana aufgefuehrt.

Seit den dreissiger Jahren leben europaeische Maler in der Region Ubud und diese zogen im Laufe der Jahre weitere Kuenster oder Aussteiger an. So etablierten sich hier alternative, vegetarische Restaurants und Baeckereien und Kaffees mit richtigem Brot, was wir besonders schaetzen, bekommt man in den lokalen Shops sonst nur schlabriges Toastbrot. Manchmal ist sogar die "Rinde" des Toastes abgeschnitten. Fuer uns unvorstellbar, wird also nur das "Weisse" einer Tostbrotscheibe gegessen! Endlich hatten wir wiedereinmal die Moeglichkeit, aus verschiedenen vegetarischen Gerichten einer Speisekarte zu waehlen und nicht entweder Nasi goreng vegetarian (gebratener Reis) oder Mie goreng vegetarian (gebratene Nudeln) zu essen.

Ubud eignet sich auch ausgezeichnet als Basis fuer Ausfluege mit dem Roller. An drei Tagen erkundeten wir die Umgebung, vorbei an den terrassierten Reisfeldern, beobachteten die Bauern bei der Ernte, sahen Kinder beim (nackten) Bad im Fluss, spazierten durch Dschungelpfade, ... Konnten einen Blick auf das laendliche Bali werfen. Zufaellig fuhren wir durch ein Dorf, in dem sich die Bewohner fuer eine der vielen im Laufe des Jahres durchgefuehrten religioesen Zeremonien vorbereiteten. Am Schluss liefen die festlich geschmueckten Leute in Gruppen von einem Tempel zu einem anderen Heiligtum, einen Kilometer entfernt. Vorneweg lief das Gamelanorchester, Juenglinge folgten verkeidet wie Gardisten, verschiedene Frauengruppen mit Opfergaben auf dem Kopf, zum Schluss wurden zwei Altare getragen, bevor die restliche, auch tradionell gekleidete Dorfbevoelkerung den Abschluss bildete.

Patrik und Bettina

Dienstag, 20. Mai 2008

Trekking zum Gunung Rinjani

Viele denken bei Bali oder Lombok an "Sun, Fun and nothing to do". Doch dies war beim Trekking auf den Vulkan (Gunung) Rinjani auf Lombok bei weitem nicht der Fall.

Dazu ein paar Fakten:

Tag 1:
Start in Sembalun Lawang, 1156 m
Mittagshalt auf 1800 m
Uebernachtung am Kraterrand auf 2639 m

Tag 2:
Geweckt um 2:30 Uhr, Start 3:15 Uhr
Von 2639 m auf den Gipfel 3726 m
Sonnenaufgang
Zurueck zum ersten Camp auf 2639 m
Weitermarsch zum See auf 2000 m mit Mittagessen
Vom See zum anderen Kraterrand auf 2641 m
Runter zum Basecamp 3 auf 2050 m

Tag 3:
Geweckt 5:30 Uhr, Abmarsch 6:30 Uhr
Von 2050 m nach Semaru auf 601 m

Resultat:
Eindrueckliche Erlebnisse und vier Tage Muskelkater


Als wir planten, Bali/Lombok zu besuchen, stand eigentlich schon fest, dass wir den Gunung Rinjani besteigen wollten. Deshalb tragen wir auch unsere seit mehr als fuenf Monaten nicht mehr gebrauchten Trekkingschuhe und Trekkinghosen immer noch mit herum. Gemaess Reisefuehrer sollen die meisten aber bereits zufrieden sein, den Kratersee zu erreichen und den Gipfel von unten zu bewundern. Auf dem Weg zu den Gili's buchten wir in einer Reiseagentur ein dreitaegiges Trekking zum Gipfel. Bei der Weiterfahrt kamen dann Zweifel auf, einerseits wegen unserer Kondition und andererseits wegen der Organisation. Unsere letzte Wanderaktivitaet in Myanmar lag schon mehr als fuenf Monate zurueck und die wenigen Joggingrunden am Strand von Goa fanden vor mehreren Wochen statt. Der Aufenthalt auf Gili Air konnte auch nicht gerade als Trainingslager angesehen werden. Gebucht haben wir das Trekking in einem Warung (Strassenrestaurant) und alles was wir bekommen haben, ist ein Ticket. Zum Glueck haben wir nur einen Drittel anbezahlt.

Die Organisation klappte mehr oder weniger. Ziemlich chaotisch war jeweils der Transport nach und von Semaru. Das Trekking selber war gut organisiert, wenn auch die Ausruestung leider nicht unserem Standard entsprach. In Semaru trafen wir am Vorabend unseren Guide Ina, der behauptet, 35 Jahre als zu sein, aber eher wie 45 aussieht. Liegt vielleicht an den vielen anstrengen Bergtouren auf den Rinjani. Neben uns kommt der Franzose Xavier mit, der die Tour aber auf vier Tage verteilt.

Mit einem Fahrzeug fahren wir nach Sembalun Lawang, wo das Trekking beginnt. So muessen wir nicht den gleichen Weg hin und zurueck laufen und es sein einfacher von dieser Seite her. Das erste Stueck des Weges fuehrt ueber offenes Feld und die Sonne scheint direkt, aber der Weg ist zum Glueck noch nicht so steil. Nach dem Mittagessen geht es steiler nach oben, dafuer hat es immer wieder Nebelschwaden ueber den Berg. Bis zum Kraterrand haben wir statt den angegebenen drei Stunden nur knapp zwei und muessen auf unseren Guide warten. Neben unserer Gruppe hat es noch weitere Gruppen unterwegs, zwei Franzoesinnen (Mutter und Tochter), drei junge Englaender, ein Deutscher, ein Oesterreicher, ein Chilene und ein irisches Paar. Den Weg kann man nicht verfehlen, so dass man auch ohne Guide laufen kann. Wir trugen nur unsere persoenlichen Sachen und eine Flasche Wasser. Das Essen und die Zeltausruestung wurde von den Portern getragen. Diese sind die Groessten und die wirklichen Helden am Berg! Unglaublich, was sie leisten. Sie tragen auf den Schultern eine dicke Bambusstange, an deren Enden jeweils ein Korb haengt. Laut Guide soll dieses Gepaeck bis zu 45 kg schwer sein! Dazu sind sie barfuss oder tragen Flipflops und ueberholen uns immer wieder im Laufschritt, denn sie legen zwischendurch Rauchpausen ein. Das Rauchen soll ihnen Energie verleihen und wer in Indonesien als Mann nicht raucht ist ein Ladyboy. Andere Laender, andere Sitten.

Vom ersten Camp aus haette man eine tolle Sicht auf den Kratersee und auf den Gipfel, doch die Wolken verhinderten dies teilweise. Nur fuer einen kurzen Moment zeigte sich der See und auch der Gipfel. Da es entsprechend der Hoehe (2639 m) kalt wurde, legten wir uns bald nach dem Essen schlafen. Das Essen war auf der ganzen Tour sehr lecker, wir hatten in manchen richtigen Restaurants schon schlechter gegessen. Erstaunlich mit wie wenig sie ein gutes Essen auf den Tisch zauberten. Die Guides und Porter kochten fuer sich jeweils einen kalten Gemuesesalat mit vielen frischen Chilis und Chilisauce, Reis darf natuerlich nicht fehlen. Die Schaerfe des Chilis gibt ihnen eben auch Energie, belehren sie uns schmunzelnd. So gegen sieben Uhr legten wir uns schlafen, wegen der Kaelte haben wir ausser der Regenjacke die Kleider gleich anbehalten.

Eine lange Nacht wurde es trotzdem nicht, da wir um halb drei Uhr nachts geweckt wurden. Gestaerkt mit Kraeutertee und ein paar Keksen gehts langsam zum Gipfel. Die ersten 45 Minuten geht es steil durch einen Wald, der Weg fuehrt im Zickzack nach oben und ist fest. Danach kommt eine flache Passage mit sandigem Untergrund. Die letzte Stunde war etwas vom anstrengendstem: ein steiler, kiesiger Weg nach dem Motto "two steps up and one step back". Das Ganze mit Stirnlampe und bei Temperaturen im einstelligen Bereich. Es war viel strenger, als im Schnee zu laufen. Wer es ausprobieren moechte, soll einmal in eine Kiesgrube gehen und dort hochlaufen. Zum Glueck hatten wir vom Guide je zwei Wanderstoecke schnitzen lassen. Die waren Gold wert. Um Viertel vor Sechs erreichten wir den Gipfel, nur der Chilene war vor uns oben, obwohl wir nach den meisten anderen gestartet waren. Aber alle ausser einem der Englaender erreichten den Gipfel rechtzeitig zu Sonnenaufgang. Der Gipfel ist ziemlich schmal, knapp zwei Meter breit und es befanden sich etwa 15 Personen hier oben. Im lockeren Plauderton erklaerte der Guide, dass vor ein paar Jahren ein Tourist zu Tode gestuerzt ist, als er zum Fotografieren einen Schritt in die falsche Richtung machte. Wer hier hier runterstuerzt, fuer den gibt es keine Rettung mehr. Es ist viel zu steil und nur nackter Felsen weit und breit.

Der Sonnenaufgang bot ein faszinierendes Farbenspiel. Doch hier sagen Bilder mehr als tausend Worte:


Fuer den Rueckweg zum ersten Camp hatten wir knapp eineinhalb Stunden. Durch das Kies konnten man rutschen, was zum Teil sogar Spass machte. Erst jetzt sahen wir den Weg, den wir hochgegangen sind. Zum Glueck erst jetzt, denn sonst waeren wir vielleicht wieder umgekehrt. Immer wieder hat es im Weg Loecher oder tiefe Spalten, die wir im Dunkel gar nicht sahen. Der Hunger machte sich langsam bemerkbar, die paar Kekse haben wir schon lange wieder verbrannt. Der Rinjani zeigt sich zum Sonnenaufgang jeweils von seiner schoensten Seite, doch bereits zwei Stunden spaeter ist der Gipfel wieder in Wolken gehuellt.

Die naechste Etappe nach dem Fruehstueck fuehrte uns zum Kratersee auf 2000 m. Die erste halbe Stunde war sehr steil und kraefteraubend. Erneut waren die Wanderstoecke ein grosse Hilfe. Zum Teil ging es ueber Felsbrocken fast senkrecht hinunter.Letzte Woche stuerzte hier ein Tourist und brach sich das Bein. Die Traeger bauten aus ihren Bambusstangen ein Trage und trugen den Patienten so nach Sembalun Lawang. In unserer Gruppe erreichten zum Glueck alle Heil den See. Auf jeden Fall waren wir froh, als der Weg flacher wurde oder es gar aufwaerts ging. Einheimische campieren beim See, um zu fischen. Die Guides nutzten die Gelegenheit, um frischen Fisch fuers Mittagessen zu kaufen. Trotz der heissen Quelle waren wir froh, diesen feuchtkalten Ort wieder verlassen zu koennen, zumal es angefangen hat zu regnen. Hier trennten sich die Wege der einzelnen Gruppen, die beiden Franzoesinnen und das irische Paar machte sich wie wir auf den Weg zum naechsten Camp, waehrend die anderen hier uebernachteten. Wir hatten uns fuer die anstrengendere Tour entschieden, weil wir am naechsten Tag noch mit der Faehre nach Bali zurueck wollten. Von Senaru sind es mit dem Auto etwa drei Stunden bis nach Lembar und von dort mit der Faehre vier bis fuenf Stunden nach Padang Bai auf Bali. Aus diesem Grund wollten wir am zweiten Tag so weit wie moeglich kommen.

Der Weg fuehrt zuerst entlang des Sees, bevor es dann entlang einer Felswand steil nach oben geht. An wenigen Stellen ist der Weg hier mit Seilen oder Stangen gesichert, an denen man sich hochziehen kann. Ansonsten liegt die Sicherheit sehr im Argen. Ein Wunder, dass nicht noch mehr Unfaelle passieren. Immer wieder mussten wir uns an Steinen oder Baeumen hochziehen. Erschwerend kommt ein unangenehmer Nieselregen dazu, so dass die Steine auch noch rutschig wurden. Die Erleichtung war gross, als wir endlich den Kraterrand erreichten. Von hier geht es nur noch runter. Zum Glueck nicht mehr so steil, sondern mehr oder weniger angenehm. Die Beine schmerzen bei jedem Schritt nach unten. Obwohl wir nach jeder Etappe die Muskeln gedehnt haben, spuerten wir bereits den Muskelkater in den Beinen. Zu allem Elend ist uns auch noch der Tigerbalsam ausgegangen.

Nach dem Nachtessen legten wir uns gleich ins Zelt und schliefen schon bald ein. Die Nacht wurde nicht mehr so kalt wie im ersten Camp, dafuer war es feuchter, weil wir in einem Wald uebernachteten. Der dritte Tag war von der Strecke her der einfachste, es war nicht besonders steil und der Weg fuehrte durch einen Wald. Dieser Teil des Weges ist alle 500 m mit Distanzpfaehlen markiert, so dass wir uns auf das Ende geistig vorbereiten konnten. Je naeher wir Senaru kamen, umso heisser wurde es. Als wir spaeter im Office der Trekkingorganisation unsere nassen Kleider aufhaengten, waren sie innert Minuten trocken.

Der Ruecktransport nach Bali klappte nicht reibungslos. Ganz erstaunt fragte der Beifahrer (es ist neben dem Fahrer immer ein Beifahrer dabei, der englisch spricht und damit sich die beiden unterhalten koennen), ob wir wirklich zum Faehrhafen von Lembar wollen. Dies fuehrte zu ein paar hektischen Telefongespraechen, nach denen uns mitgeteilt wurde, dass wir in der Hauptstadt Mataram in ein anderes Fahrzeug steigen muessen. Da wir dort auf den Fahrer mehr als eine halbe Stunde warten mussten, fuehrte dies zu ein paar boesen Worten von uns. Doch wir erreichten die zwei Uhr Faehre noch rechtzeitig. Der Fahrer drueckte uns zwei schon gebraucht aussehende Tickets fuer das Boot in die Hand, doch wir konnten die Kontrolle ungehindert passieren. Erschoepft erreichten wir vier Stunden spaeter Padang Bai.

Gute Nacht

Donnerstag, 15. Mai 2008

Die Gili's, drei paradiesische Inseln vor Lombok

Bevor wir nach Lombok fuhren, erkundeten wir von Kuestenort Candi Dasa aus den Osten der Insel Bali auf eigene Faust mit einem gemieteten Motorroller. Nach 2 Tagstouren durch die faszinierende Landschaft mit ihren terrassierten Reisfelder, einsamen Tempelanlagen am Fuss von Vulkanbergen, farbenfrohen Fischerbooten an schwarzen Sandstraenden,... fuhren wir am dritten Tag mit einem lokalen Bemo (Minibus) nach Padang Bai, dem Hafen fuer die Faehre nach Lombok.

Der Fahrer des Bemos fuhr uns "freundlicherweise" direkt vor eine kleine Mini-Reisebueroagentur und nicht zum lokalen Ticketschalter. Dort kauften wir in letzter Minuten noch ein Ticket fuer die Faehre, welche einige Minuten spaeter ablegte. Waehrend wir mit "Sack und Pack" zur Fahre rannten, fuhr der Reisebueromitarbeiter mit dem Motorrad voraus, um die Faehrleute auf unser Eintreffen aufmerksam zu machen. Im Wissen, dass die wir fuer die Tickets den ueberhoehten Touristenpreis bezahlt hatten, waren wir doch froh, die Faehre noch erwischt zu haben und nicht eineinhalb Stunden warten zu muessen. Die Ueberfahrt mit der Faehre dauerte rund fuenf Stunden, welche wir lesend oder i-Pod hoerend verbrachten. Am Hafen von Lembar herrschte dann die uebliche geschaeftige Hektik, wie wir sie von Bahn- und Busbahnhoefen kennen. Ueberall freundliche "Helfer", die sich um die ankommenden Touristen bemuehen. Da wir noch kein Ticket fuer die Weiterfahrt hatten, wurden wir natuerlich besonders umzingelt... Schliesslich setzte man uns in einen Bus und wir fuhren mit anderen Touristen in einem Minibus los.

Irgendwo auf der Strecke hielt der Bus nochmals und der "Reisebegleiter" wies uns darauf hin, nochmals bei einem ATM Geld abzuheben, da es auf den Gili keine Automaten gibt, was auch stimmt und in jedem Reisefuehrer steht. Der Hauptgrund des Stopps war aber, dass der geschaeftige Mann noch Rueckfahrtstickets verkaufen wollte, da es auf den Gili eben keine Reisebueros etc... gebe, was natuerlich nicht stimmt. So buchten dann alle schnell ihre Rueckfahrten, waehrend wir vor dem Warung rumluemmelten. Schliesslich sprach der Mann auch uns an, wir gaben uns zuerst etwas wortkarg, erklaerten ihm dann, das wir nicht vorhaben gleich wiederzurueckzufahren sondern noch ein Trekking zum Gunung (=Vulkan) Rinjani machen wollen. Der Mann war ob unserer Idee sehr begeistert und verkaufte uns natuerlich gleich das 3-tages Trekking. Auf der Weiterfahrt, waren zur uns zuerst nicht sicher ob wir vielleicht etwas ueberstuerzt gehandelt hatten, so ganz ohne Preisvergleich verschiedener Agenturen. Im Nachhinein hatten wir aber wirklich ein gutes Angebot erhalten, als wir es mit anderen "Abenteurern" auf der Tour verglichen, die alle mehr als wir bezahlt hatten, fuer die gleiche oder sogar weniger Leistung. Auch hatte sich der Agent noch um 200'000 Rupien zu seinen ungunsten verrechnet, was etwa 22 CHF sind. Patrik meinte nur, wer in der Schule das rechnen nicht gelernt hat ist selber schuld...

Die Bootsanlegestelle in Bangsal erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang. Dort herrschte nochmals das uebliche Gedraenge beim Einsteigen auf das kleine Faehrboot, das uns nach Gili Air bringen sollte. Da es keinen Steg fuers Einsteigen gab, mussten alle "mit Sack und Pack" durchs knietiefe Wasser waten. Da waren wir beiden "Langzeit-Traveller" mit Tevasandalen und Rucksaecken definitiv den Pauschalurlaubern mit Turnschuhen, Ballerinaschuehchen und Socken und ihren grossen Schalenkoffern im Vorteil. Auf der Ueberfahrt kamen wir mit Adi, einem Einheimischen ins Gespraech. Adi, ist natuerlich nicht sein richtiger Name, doch die meisten Indonesier, welche in der Tourismusbranche arbeiten, haben einen einfachen Rufnamen fuer Touristen. Im Dunkeln erreichen wir Gili Air. Dankbar folgen wir Adi zu seinem Arbeitsort im LEGEND-COTTAGES ganz im Norden der Insel. Dort beziehen wir einen einfachen Bambusbungalow mit Palmdach. Von der unmittelbaren und fantastischen Lage direkt am Meer sehen wir natuerlich (noch) nichts. Nach dem tradtionellen Nationalgericht "Nasi goreng" (Nasi= Reis, goreng=gebraten und fuer uns Vegetarier gibts es noch ein telur= Spiegelei oben drauf!) gehen wir schon frueh ins Bett und verpassen somit die ultimative Mittwochsparty. Von der Musik hoeren wir nur noch in den Traeumen!

Am naechsten Morgen haben wir ein paradisisches Erwachen, als wir unsere Umgebung das erste Mal bei Tageslicht sehen. Das Meer ist glasklar und tuerkisblau, der Himmel ist stahlblau ohne ein Woelkchen und aus dem Boxen in der Bar toent "Ferienmusik". Wir geniessen ein langes Fruesstueck unterm schattigen Palmdach, plaudern mit den Angestellten des LEGEND die alle sehr nett und aufgestellt sind. Gegen Mittag beschliessen wir die Insel einmal zu Fuss zu umrunden, was laut Reisefuehrer rund zwei Stdunden dauern soll. Gemuetlich spazieren wir los... Wie uns bereits die Mitarbeiter im LEGEND gesagt haben, herrscht immer noch Nebensaison und entsprechend ruhig ist es hier und in den meisten Bungalowanlagen oder Restaurants sehen wir nur wenige Gaeste. Gili Air bleibt aber auch in der Hochsaison ziemlich beschaulich und hat den Uebernamen Honey-Moon-Island oder auch Relaxing-Island. Die groessere Nachbarinsel Gili Trawangan hat den Uebernamen Party-Island, schmunzelnd erklaerten uns die juengeren Einheimischen auch noch einen weiteren Uebernamen, Condom-Island.

Auf der Insel bietet fast jede Unterkunft auch Schnorchelausfluege an. Daneben gibt es zwei offizielle PADI Tauchschulen. Obwohl fuer uns beide das Tauchen hier auf Gili keine Fortsetzung findet, interessiert uns vorallem die deutsch gefuehrte Tauchschule. Denn wir vermuten hier Quinti (ist natuerlich auch ein Uebername!), einen Freund meines Brunders, der auf Gili seit sieben Monaten als Tauchlehrer arbeitet. Spontan fragen wir einen der Angestellen, der gemuetlich auf der Veranda der Tauchschule sitzt und wie (fast) alle Taucher genuesslich an einer Zigarette "saugt", nach dem "swiss diving instructor". Als er dann aufsteht, merke ich sofort, dass es keine weiteren Erklaerungen mehr bedarf, da es sich um Quinti handelt. Doch das asiatische Essen machte auch ihn ein paar Kilos leichter und die Haare sind auf Grund des tropischen Klimas angemessen kurz, sodass ich ihn erst auf den zweiten Blick wiedererkannt habe. So verbringen wir gemuetlich den ganzen Nachmittag auf der Terrasse der Tauchschule und tauschen Reisegeschichten, Erlebnisse aus Indonesien und Neuigkeiten aus der Schweiz aus. Wobei unsere News bezueglich der Schweiz auch nicht mehr wirklich up to date sind! Quinti erzaehlt uns seinerseits natuerlich von seinem Job, der Unterwasserwelt und dem Inselleben.

So setzten wir dann erst am Abend unseren Inselrundgang fort, erreichten aber unser voruebergehendes Zuhause noch vor Sonnenuntergang. Auf der Terrasse schlueften wir dann einen Happy-hour Sun-set Drink und liessen unsere Seelen einmal mehr baumeln...



Nach einem Tag Nichtstun verspuerten wir am naechsten Tag bereits wieder "Abenteuerlust" und wollten etwas unternehmen. Da die Gilis zu klein sind, um an Land etwas zu unternehmen, muss man dies eben im Wasser suchen. So entschieden wir uns fuer einen Schnorchelausflug, nachdem das Tauchen definitiv nicht zu unserer Praeferenz gehoert.

Mit einem sogenannten "glas bottom" Boot mit Bambusauslegern fuhren wir los. Das bedeutet soviel, als dass ein Teil des Schiffsbodens aus einer Glasscheibe besteht. So konnten wir durch dieses Fenster die Korallen und zum Teil auch Fische trockenen Fusses im Riff beobachten. An einer geeigneten Stelle vor der Nachbarinsel Gili Meno verteilte unser Guide ein erstes Mal Schorchel, Flossen und Taucherbrillen und wir stuerzten uns ins angenehm warme Nass.

Ziemlich schnell gewoehnten wir uns an die Ausruestung und die Schnorchelatmung!!! sodass wir die herrliche Unterwasserlandschaft auch wirklich geniessen konnten. Die Korallen war herrlich und wir sahen viele, verschiedene Fische in allen Farben und Groessen. Das Highlight waren aber die grossen Wasserschildkroeten, welche wir an zwei unterschiedlichen Schnorchelplaetzen sahen.

Auch waren die Gilis kulinarisch fuer mich eine Neuentdeckung und ich wurde meinem Grundsatz als Vegetarierin untreu. Bereits einmal habe ich in Indien Fisch gegessen, welcher mir wirklich lecker schmeckte. Jeden Abend wird in allen Restaurants auf Gili Air Fisch-Barbeque angeboten. Da ich ja von Grund auf ein neugieriger Mensch bin und gerne ungewohntes ausprobiere, gabs dann ein zweites Mal Fisch fuer mich auf dem Teller. An den Namen des Fisches kann ich mich leider nicht mehr erinnern, doch waehlte ich nicht jenen farbig gestreiften "Nemo", den ich am Nachmittag noch beim Schnorcheln beobachtet habe, dass haette mir dann doch das Herz gebrochen...

Bettina

Klungkung - What do you want there?

Nachdem wir die ersten beiden Tage auf Bali in Kuta verbrachten, einem ehemaligen Fischerdorf, dessen Strand mittlerweilen kilometerweit zugebaut ist und vor allem bei australischen und japanischen Surfern beliebt ist, wollten wir auf unsere Art und Weise Bali entdeckten. So fragten wir nach einem Bus nach Klungkung. Dieses Ansinnen stiess auf Verwunderung und zur Frage, was wir dort wollen. Dieser Ort scheint nur eingefleischten Balikennern ein Begriff zu sein. Es ist nicht so ueblich, in Bali herumzureisen, sondern an einem Ort pauschal zu naechtigen und von dort aus zwischendurch Ausfluege zu unternehmen. Doch schliesslich fand sich ein Weg, uns nach Klungkung zu fahren. Als wir dort ankamen, war das eine Hotel im Reisefuehrer nicht mehr in Betrieb, so dass wir im Losmen gleich daneben abstiegen. Losmen sind einfache, meist von einer Familie gefuehrte Unterkuenfte. So hatte das Zimmer keine Dusche, sondern ein Mandi. Beim Mandi schoepft man mit einer Plastikschuessel Wasser aus einem Becken und giesst sich dieses ueber den Koerper. Mandis sind besser als viele Duschen, die wir in den letzten Monaten hatten, aus denen das Wasser nur in einem duennen Rinnsal kam.

Viele Gaeste scheint dieses Losmen nicht mehr zu haben. Am Abend waren wir fuer die Kinder der Familie die Attraktion und wir unterhielten uns mit ihnen soweit es ihre Englischkenntnisse zuliessen. Der fuenfzehnjaehrige Sohn, der bei uns als elf- oder zwoelfjaehriger durchgegangen waere, ist ein fanatischer Fussballfan und fragte uns nach den besten schweizer Fussballern. Da kamen wir gehoerig ins Gruebeln, welcher unserer Kicker auf Bali ein Begriff ist. Wir versuchten es mit Alex Frei. Volltreffer! Oh, Alexander Frei, rief der Junge, is from Switzerland. Dann versuchten wir es mit Philippe Senderos und wieder waren wir erfolgreich. Er wusste sogar, dass er bei Arsenal spielt. Das fuenfjaehrige Maedchen hatte ihre Freude daran, immer wieder unsere Namen zu rufen.

In Klungkung befindet sich die Kerta Gosa, eine Gerichtshalle aus dem 18. Jahrhundert, mit sehr eindruecklichen Deckenmalereien, welche die Strafen fuer die Verbrecher zeigen. Als wir am Eingang fragten, ob es im Ort ein Restaurant gibt, meinten sie, dass es vier Kilometer noerdlich der Stadt eines hat. Dies sei schon ein bisschen weit zu Fuss. Als wir dann sagten, dass wir im Ort uebernachten, schauten sie uns entgeistert an. Waehrend den zwei Tagen mussten wir uns nicht vom Supermarkt ernaehren, denn es hat wie in jedem Ort auf Bali Warungs, das sind kleine Restaurants mit einer beschraenkten Auswahl an Gerichten. Doch wir haben in den Warungs schon besser gegessen als in manchem Restaurant, vor allem preiswerter. Ebenfalls hat es in Klungkung einen Nachtmarkt mit vielen Essensstaenden. Von unserer ersten Reise nach Java wissen wir noch, was vegetarisch auf Indonesisch heisst. Die Leute beim Eingang zur Kerta Gosa meinten wohl, wir wollen Pizza oder Schnitzel Pommes rotweiss essen.

Nachdem wir in Goa den Komfort eines eigenen Rollers schaetzen gelernt hatten, wollten wir Bali auch mit dem eigenen Fahrzeug und nicht mit gefuehrten Touren erkunden. An mehreren Orten fragten wir in Klungkung, wer einen Roller vermietet. Doch im Land der Motorraeder und Roller (selbst kleine Knirpse sieht man auf dem Roller) liess sich niemand finden, der uns einen vermietet. So aenderten wir unsere Plaene und uebernachten seither in Touristenorten, wo wir sicher einen Roller oder ein Auto mieten koennen und es auch Restaurants hat.

Suedlich von Klungkung befindet sich im Dorf Kamasan das Zentrum der traditionellen Malerei Balis. Auf dem Weg dorthin begann es leicht zu regnen und ploetzlich stoppte ein Wagen neben uns und ein alter Mann fragte uns, ob wir mitfahren moechten. Zufaelligerweise war der Mann Maler und zeigte uns stolz zuerst seine Werkstatt und dann seinen Verkaufsraum. Eigentlich hatten wir nicht vor, an diesem Tag ein Bild zu kaufen, aber wenn sich die Gelegenheit so aufdraengt, warum auch nicht. Schliesslch konnten wir uns das Bild eines Balinesichen Kalenders einigen. Dieser Kalender ist eine Art Geburtshoroskop, wobei es auf den Tag der Geburt ankommt. Doch die Balinesen kennen fuer jedem Tag fuenf verschiedene Unterteilungen und es ist sehr kompliziert, von unserem Geburtstag auf die richtige Untergruppe zu schliessen. Wie auch immer, das Bild gefaellt uns. Danach fragte uns der Mann, ob er uns zurueckfahren soll. Ein Angebot, das wir gerne annahmen. Doch er fuhr uns nicht direkt nach Klungkung zurueck, sondern wollte uns den Strand zeigen, ein schwarzer Sandstrand. Touristen verirren sich sonst nie hierher, wegen der starken Wellen ist es unmoeglich zu baden und die Wellen brechen fuer Surfer viel zu nah am Ufer. Als der Mann, der fuer seinen Gelaendewagen eigentlich viel zu klein ist, gerade ueber eine Kreuzung faehrt, betaetigt er den Warnblicker. Er faehrt ja weder nach links noch nach rechts, also blinkt er fuer beide Seiten. Logisch, oder? Wie auch immer, stolz zeigte er uns den Strand und wartete geduldig auf uns, als wir uns laenger als er umschauten. Er liess es sich dann nicht nehmen, uns direkt vor dem Hotel in Klungkung auszuladen. Diese Unterkunft steht nicht in unserem Reisefuehrer und es war fast nicht moeglich, ihm verstaendlich zu machen, dass es fuer uns kein Problem sei, zu unserem Losmen zu laufen, da wir so gleichzeitig noch was einkaufen koennen. Die Balinesen sind einfach zu freundlich.

Patrik

Freitag, 25. April 2008

Indien - ein Reiseland?

Meine dritte, bisher laengste und hoffentlich nicht letzte Indienreise ist bereits wieder Vergangenheit. Dreieinhalb Monate waren wir in Zentral- und Suedindien unterwegs. Am Flughafen stellt sich jeweils eine grosse Erleichterung ein, Indien wieder verlassen zu koennen, aber gleichzeitig auch der Wunsch, zurueckzukehren. Es ist mir bewusst, dies ist eine eigentuemliche Haltung. Aber Indien ist nun mal so, man liebt es und man hasst es und zwar gleichzeitig. Es faellt manchmal schwer, zu sagen, was der Reiz dieses Landes ausmacht. Es ist anders als andere Laender, alles ist extremer, wird von vielen Travellern als Reifepruefung des Reisens betrachtet. Wer in Indien reisen kann, der kann in wohl allen anderen Laender reisen.

Dennoch wuerde ich nicht allen ein Besuch in Indien empfehlen, denn die Sinne werden hier auf die Probe gestellt. Oeffentliche Toiletten verbreiten einen unangenehmen Duft, oft wird der Strassenrand, eine Hauswand, der Strand, die Bahngleise oder was sich sonst gerade findet als Toilette benutzt. Das Essen verwoehnt die Geschmacksnerven mit exotischen Dueften. Das Gehoer wird im Strassenverkehr dauernd auf die Probe gestellt. Statt zu bremsen wird gehupt, es gilt das Recht des Staerkeren, Fussgaenger rangieren natuerlich an unterster Stelle. Alles was faehrt, bewegt sich auf den Strassen, Lastwagen, Busse, Kleinbusse, Autos, Ambassadortaxi, Autorikschas, Fahrradrikschas, Motorraeder, Roller, Fahrraeder, Ochsen- und Zebukarren aber auch Elefanten, nicht zu vergessen die heiligen Kuehe, die mitten auf der Strasse stehen oder liegen. Das Hygienegefuehl wird in vielen Hotels getestet, frische Bettlaken oder Kopfkissen kann man nicht immer erwarten, die Matratzen sind oft so hart oder durchgelegen, dass man kaum darauf schlafen kann. Der Duschkopf ist so verstopft, dass nur ein Ringsal Wasser durchkommt und man den Duschkopf abschrauben muss, um genug Wasser zum Duschen zu bekommen. Nur an wenigen sehr touristischen Orten oder in Grossstaedten wird man nicht staendig angesprochen, sei es von Strassenhaendlern oder einfach freundlichen Menschen (Which country from? What's your name? What's your job?...). Meist sind sie schon gluecklich, wenn man ihnen eine einfache Antwort gibt, andere sind hartnaeckiger und wollen einen fundierten Vergleich zwischen Indien und der Schweiz hoeren. Nach Preisen und Einkommen wird auch gerne gefragt, die Inder kennen einfach keine Hemmungen und sind sehr neugierig. Von den unzaehligen Fotos von uns in indischen Fotoalben wollen wir hier nicht mehr sprechen.

Einer der Reize liegt sicher in der unendlichen Groesse des Landes, man kann jahrelang herumreisen und kommt immer wieder an neue Orte. Waehrend man die Schweiz in beiden Richtungen in vier Stunden mit der Bahn durchqueren kann, sind in Indien vier Stunden manchmal die Wartezeit auf den Zug. Jeder der in Indien reist, bereist ein anderes Indien, erlebt anderes, nimmt es anders wahr. Dies haengt auch mit der Art und Weise zusammen, wie man reist. Bereist man das Land auf die luxurioese Variante, hat man es sicher bequemer und schwitzt weniger, kommt aber ausser mit den Angestellten der Hotels, Taxis oder Flugzeugen nicht mit der lokalen Bevoelkerung in Kontakt und erhaelt nur einen aeusserst oberflachlichen Eindruck vom Land. Da wir hingegen immer auf die oeffentlichen Verkehrsmittel zurueckgriffen und in eher guenstigen Hotels uebernachteten, waren wir staendig in Kontakt mit der lokalen Bevoelkerung. Manchmal wurde es uns zuviel und wir suchten eine Unterkunft oder ein Lokal mit mehr Privatsphaere. Die Inder haben ein anderes Naehegefuehl als wir.

Was den Indern fehlt, ist das Gemeinschaftsgefuehl, jeder schaut nur fuer sich. Sei es beim Draengeln am Schalter oder in den Zug, sei es beim Umgang mit dem Abfall. Alles wird auf die Strasse oder aus dem Fenster geworfen, von der eigenen Haustuer zu der des Nachbarn gewischt. Dies zu verstehen, faellt uns eben manchmal schwer.

Wie gesagt, Indien ist kein einfaches Reiseland, aber wer sich nach Indien wagt, will es entweder am gleichen Tag wieder verlassen oder am liebsten gar nicht mehr. Wer sich auf das Abenteuer Indien einlaesst, wird auf jeden Fall entschaedigt, sei es mit Begegnungen mit netten, interessanten Menschen, sei es mit faszinierenden Landschaften, sei es mit intensiven Farben, sei es mit maerchenhaften Palaesten und Tempeln oder sei es, dass man nach einer Reise in Indien ein neuer Mensch ist.

Namaste

Bergbahnen in Indien

In Indien gibt es noch einige wenige Schmalspurbahnen, die oft als "toy trains" (Spielzeugbahn) bezeichnet werden, insbesondere zu verschiedenen Hillstations. Erst im dritten Anlauf ist es uns gelungen, die gewuenschte Fahrt mit einem Hillstationzug durchzufuehren.

Ende Maerz wollten wir mit der Nilgiri Blue Mountain Railway von Mettupalayam nach Ooty fahren. Die 46 km lange Fahrt geht durch 16 Tunnels, elf Bahnhoefe und ueber 19 Bruecken. Dabei ist man fuenf Stunden unterwegs, an gewissen Stellen ist man nicht schneller als ein Fussgaenger. Einzigartig an dieser Bahn ist der Gebrauch eines Schweizerischen Zahnstangenszstems, das den Lokomotiven ermoeglicht, extreme Steigungen zu bewaeltigen. Wegen des ungewoehnlichen Systems koennen die steilsten Abschnitte nur von Originallokomotiven befahren werden und diese Strecke ist deshalb eine der letzten Dampflokstrecken in Suedasien.

Diesen Erlaeuterungen aus dem Reisefuehrer konnten wir nicht wiederstehen und buchten diesen Zug uebers Internet (Ja, das funktioniert in Indien!). Dazu mussten wir von Coimbatore um 5.15 Uhr nach Mettupalayam fahren. Kein Problem, wozu haben wir einen Wecker. Als wir uns in Mettupalayam erkundigen wollen, wo der Zug nach Ooty faehrt, wird uns kurzerhand mitgeteilt, dass wegen Erdrutschen aufgrund der heftigen Regenfaelle seit gestern und bis auf weiteres kein Zug faehrt. Da wir waren wir einen Moment ganz platt. Der ganze Aufwand und dann dies. Vom Unterbruch ist der spektakulaerste Teil nach Coonor betroffen. Von Coonor nach Ooty faehrt der Zug fahrplanmaessig. Also nichts wie auf nach Coonor mit dem Bus, um wenigsten den fahrbaren Teil erleben zu koennen. Die Fahrt war zwar schoen, aber wie gesagt den interessantesten Teil haben wir leider verpasst. Das ist Indien.

Nach dieser nur halbwegs geglueckten Bahnfahrt schauten wir uns nach weiteren Moeglichkeiten um. Von Elke und Juerg, die wir in Kambodscha kennengelernt haben und in Pondicherry nochmals trafen, erfuhren wir, dass die Fahrt von Neral nach Matheran ebenfalls sehr eindruecklich ist. Also planten wir diesen Ausflug als Abschluss vor dem Rueckflug nach Bangkok ein. Wir buchten einen Nachtzug von Goa nach Mumbai, einen Monat im Voraus, aber wir bekamen die Tickets nur dank der Touristenquote. Der Zug haette in Tivim um zehn vor sieben Uhr fahren sollen. Als wir da waren, warteten Unmengen von Leuten in diesem Provinzbahnhof. Wegen den Schulferien setzt die indische Eisenbahn Sonderzuege auf stark befahrenen Strecken ein und dazu gehoert diejenige von Goa nach Norden (Richtung Mumbai). Auf einer Tafel standen die erwarteten Abfahrtszeiten, bei unserem Zug stand 22.30 Uhr. Tatsaechlich kam der Zug dann um halb zwoelf Uhr. Wenigstens war es nicht kalt, sondern eine angenehm warme Nacht. Aber die Fahrt nach Matheran konnten wir natuerlich vergessen, da wir den Zug fuer zehn am naechsten Tag gebucht hatten. Mumbai erreichten wir dann um halb elf Uhr und von Mumbai nach Neral, wo die Bergbahn startet, sind es nochmals zwei Stunden. Braucht keine grossen Rechenkuenste, um zu sehen, dass wir zu spaet dran waren. Am Reservierungsschalter erhielten wir wenigstens die Haelfte des Ticketpreises zurueck, was sich lohnte, da wir ausnahmsweise erste Klasse gebucht hatten. Mit einem Vorortszug fuhren wir von Mumbai nach Neral. Dieser Zug haelt alle paar Minuten fuer etwa dreissig Sekunden, wer also nicht bereit ist, um auszusteigen hat keine Chance mehr. Normalerweise faehrt man mit leichtem Gepaeck, nicht mit Tramperrucksack hinten und kleinem Rucksack vorne. So machten wir uns nicht viele neue Freunde, weil wir mehr Platz beanspruchten. Da wir wussten, dass der Vorortszug etwa zwei Stunden nach Neral unterwegs ist, orientierten wir uns an der Zeit. Erstaunlicherweise fahren diese Vortortszuege sehr puenktlich und sind schneller als mancher Expresszug. Von Mumbai nach Neral sind es 108 km, das in zwei Stunden, auf dem Rueckweg hatten wir sogar nur eine Stunde vierzig Minuten.

In Neral angekommen, nahmen wir ein Taxi, weil der naechste Zug erst drei Stunden spaeter fuhr. Alle Fahrzeuge stoppen zwei Kilometer vor Matheran, weil die Hill Station verkehrsfrei ist. Es besteht die Moeglichkeit, diese zwei Kilometer auf einem Pferd reitend zurueckzulegen, einen Traeger fuer das Gepaeck zu engagieren oder sich gar tragen zu lassen. Wir entschieden uns fuer die sportliche Variante und trugen das Gepaeck selber. Das ausgewahelte Guesthouse namens Hope Hall (!) liegt am Ende des Dorfes und bis dorthin sind es nochmals gut eineinhalb Kilometer. Da wir fuer diesen Tag genung gelaufen sind, mieteten wir uns zwei Pferde und liessen uns zum Sonnenuntergangspunkt fuehren. Richtig geritten sind wir nicht, weil der Pferdefuehrer die Tiere am Zuegel hielt. Auf dem Rueckweg wurde mein Pferd wegen einer Katze bockig und schlug aus, was mich doch glatt aus dem Sattel hob, in dem ich gluecklicherweise auch wieder landete.

Am naechsten Tag war es endlich soweit, wir standen vor der ersten Fahrt in einer Bergbahn, die wir auch so geplant hatten. Dies stimmt eigentlich auch wieder nicht, weil wir einen Zug frueher fuhren als urspruenglich geplant. Die Luftlinie von Matheran nach Neral betraegt 6,5 km, doch die Bahn schlaengelt sich auf nicht weniger als 21 km ins Tal herunter, die Hoehendifferenz betraegt etwa 750 m. Dabei werden 281 Kurven passiert, die zu den engsten Eisenbahnkurven der Welt gehoeren. Die Fahrt war wirklich ein Erlebnis, dank der ersten Klassebillets hatten wir genug Platz und konnten auf beiden Seiten aus dem Fenster schauen. Das Wetter spielte mit und wir hatten strahlend blauen Himmel. Die Kurven hatten teilweise einen Radius von weniger als zwanzig Metern, aber der Zug faehrt nicht besonders schnell, so dass keine Gefahr besteht, dass er entgleist. Landschaftlich wurde uns auch einiges geboten. Fazit: Der ganze Aufwand mit der Anreise von Mumbai im Lokalzug hat sich allemal gelohnt.

Patrik

Donnerstag, 24. April 2008

Goa

Die letzten Wochen unserer Reise verbrachten wir im wohl westlichsten Bundesstaat Indiens, in Goa. Die ersten 2 Naechte uebernachteten wir in der Hauptstadt Panjim, welche noch sehr viel kolonialistisch-portugiesisches Flair hat. Dies spiegelte sich in zahlreichen Gebaeuden und Kirchen wieder. Weiter war augenfaellig, dass sich viele Inderinnen westlich kleiden. So trugen juengere Frauen Hose und T-Shirts und aeltere Jupe und Bluse anstelle des Sarees oder des Salwar Kamise (traditionelle Tunika und Pluderhose). Wir sahen auch ein paar aeltere Frauen mit den bei Portugiesinnen beliebten Kurzhaardauerwellenfrisur. Auch kulinarisch ist Goa speziell, so gibt es traditionelle goanische Gerichte mit Rindfleisch, waehrend im restlichen Land die Kuehe ja heilig sind und nicht "gegessen" werden. Wir blieben dennoch beim vegetarischen Essen. Einmal kochte unser Gaestehausbesitzter in Anjuna ein goanisches Gemuesecurry fuer uns. Die goanische Kueche ist laut Goaner weniger scharf als andere indische Kost, was wir aber nicht unbedingt bestaetigen koennen.

In Panjim machten wir unter anderem einen Ausflug nach Old Goa, der ehemaligen Hauptstadt, wo wir einige alte Kirchen besichtigten. Eine dieser Kirchen war riesig und soll laut Reisefuehrer groesser sein als alle Kirchen in Portugal. Mit ihren 15 Altaeren im Innenraum, war sie schon sehr beeindruckend. Eine andere Kirche war der Peterskirche im Vatikan nachempfunden.

Fuer die letzte Reisewoche planten wir nochmals einen Abstecher am Strand ein. Da es in Goa unzaehlige Straende gibt, war die Wahl dann gar nicht so einfach. Auch beschlossen wir, einen Yogakurs zu besuchen, um nicht die ganzen Tage nur auf der "faulen Haut" zu liegen!

Unsere Wahl viel schliesslich auf Anjuna im noerdlichen Teil von Goa. Waehrend der Reisefuehrer den Ort als Partyort beschreibt, stimmt das waehrend der Nebensaison nicht mehr. Bei unserer Ankunft erlebten wir das Dorf als sehr beschaulich, angenehm und ruhig. Dass waehrend der touristischen Hochsaison hier mehr los sein muss, zeigen zahlreiche geschlossene Restaurants und Shops. Leider mussten wir uns auch mit den Tatsachen der Nebensaison abfinden, als naemlich am Mittwoch unser Stammlokal das OASIS, welches von sehr freudlichen Nepalesen gefuhert wurde, die Tueren bis zur naechsten Saison schloss. Dafuer kamen wir auch in anderen Belangen in den Genuss der Nebensaison. So haben wir unser Gastehauszimmer zu einem recht guenstigen Preis bekommen.

Wir wohnten waehrnd ueber Woche in einem sehr familiaeren Gaestehaus. Die Familie war sehr gespaechig und freundlich. Nebst Tipps und Informationen erzaehlte uns der Familienvater einiges ueber das Leben und die Kultur von Goa und seinen Bewohnern. Zudem besassen sie einen alten, kranken Hund und einen sehr uebergewichtigen Dackel, welcher uns am ersten Tag staendig anklaeffte. Schliesslich wurden wir aber doch seine Freunde und schienen zur Familie zu gehoeren, denn er bellte nicht mehr, wenn er uns sah.

Am Montag um 8 Uhr stand jeweils das Yoga auf dem Stundenplan fuer uns. Fuer einmal wieder ein regelmaessiges Ausstehen, war zu Beginn etwas komisch, doch da es um diese Zeit noch angenehm "kuehl" war, genossen wir es auch, so frueh am Morgen bereits unterwegs zu sein. Da wir waehrend dieser Woche einen Motorroller gemietet hatten, fuhren wir damit zum Yogastudio, welches etwas ausserhalb in einer schoenen Gartenanlage lag. Das Yogaprogramm war im Wechsel Hatha- bzw. Ashtangayoga. Generell hat mir das Hathayoga besser gefallen, waehrend Patrik am dymanischeren Ashtanga mehr Gefallen fand. Am Mittwochnachmittag besuchten wir zudem noch einen speziellen Workshop. In diesem Akro-Yoga machten wir viele Gruppen- bezw. Partneruebeungen, bei denen der Humor und das Lachen definitv nicht zu kurz kam! Aber jeder kann sich ja denken, wie lustig es ausgesehen hat, als mich der kleine, rothaariger Norwege Ingwar mit Vollbart auf seinen Fuessen als "Flugzeug" balancierte! Generell hat uns die Atmosphaere an der Yogaschule sehr gut gefallen. So waren die Instruktoren alles aufgestellte, lockere Typen und keine "gspuersch-mi" Asketen.

Gefreut hat es uns auch, dass wir in Anjuna nochmals Elke trafen. Sie und ihren bereits in die Heimat zureuckgeflogenen Freund haben wir in Kambodscha kennengelernt und in Pondicherry an der indischen Ostkueste wiedergesehen. Da kam der bei uns Frauen so beliebte Klatsch und Tratsch bei Kaffee (leider ohne Kuchen) nicht zu kurz.

Die Nachmittage nutzten wir, um mit dem Motorroller die Umgebung etwas zu erkunden oder zu einem benachbarten Strand zu fahren. Am Samstagabend fuhren wir zudem zu einem tollen Nachtmarkt in der Naehe. Dieser "Ingos-Night- Market" wurde von einem Deutschen ins Leben gerufen. Nebst Musik und Staenden mit leckerem Essen kann hier geshoppt werden, was das Herz begehrt und das Portemonnaie zulaesst...

Bettina

Montag, 14. April 2008

Hampi

Es gibt Orte in Indien, die von allen besucht werden und nachher alle begeistert davon schwaermen. Neben Varanasi, den Backwaters in Kerala und Ladakh gehoert auch Hampi dazu.

Die Tempelruinenstadt Vijayanagar (Stadt des Sieges), der Einfachkeit halber nach dem Hauptort Hampi genannt, liegt am kleinen Fluss Tungabhadra und erstreckt sich ueber eine Flaeche von 26 km2. Wir haben schon einige Tempel, Palaeste und Pavillons gesehen und koennen uns ein Urteil erlauben. Die Ruinen von Hampi gehoeren nicht zu den Highlights, viele sind in einem erbaermlichen Zustand und sehen aelter aus als ihre 400 oder 500 Jahre. Das Spezielle an Hampi ist das surreal wirkende Gelaende mit riesigen goldbraunen Felsbrocken inmitten gruener Reisfelder und Bananenplantagen. Die malerische Lage am Fluss und die spezielle Atmosphaere an diesem Ort machen Hampi zu einem der eindruecklichsten Sehenswuerdigkeiten Indiens.

Die beste Reisezeit liegt zwischen Anfangs November und Ende Maerz, wenn die Tagestemperaturen auch lange Fussmaersche erlauben. Wir waren anfangs April, also in der Nebensaison und merkten dies sowohl an den zum Teil geschlossenen Lokalen oder einer reduzierten Speisekarte, aber auch an den Temperaturen. Wir haben schon lange nicht mehr so geschwitzt wie in Hampi, als wir die Ruinen zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkundeten. Vor allem die zweite Fahrradtour bleibt in Erinnerung, weil ich nachdem wir den Fluss mit der Faehre ueberquert haben, nach etwa drei Kilometern einen Platten hatte und wir das Fahrrad etwa zwei Kilometer zurueckstossen mussten, bis wir einen Velohaendler fanden, der auch Reifen flickt. Wir hatten Glueck, eine halbe Stunde spaeter waere er nicht mehr da gewesen, da ein Freund heiratet. So wurde es noch spaeter und entsprechend heisser. Der erste Tempel war ein noch heute benutzter Hanumantempel, zu dem etwa 480 Stufen fuehren, alles in der bruetenden Hitze an der prallen Sonne. Doch die Aussicht (und der bessere Empfang mit dem Mobile!) entschaedigt fuer die Muehen. Der Tempel selber ist wie die meisten noch benutzten Hindutempel fuer uns Nicht-Hindus nichts besonderes. Von hier oben sieht man weit in die Ferne, die Tempelruinen sehen aus wie Spielzeughaeuser und die sonst riesigen Felsbrocken wie Kieselsteine. Nach ausgedehntem Trinkhalt fuhren wir weiter zu den anderen Tempel, einem Durga- und einem Laxmitempel. Beim Durgatempel bekamen wir zusaammen mit einem Mexikaner eine Fuehrung durch einen Sadhu (ein hinduistischer Heiliger ohne Kasten- und Familienbindung) durch das Gebiet um den Tempel herum, wo sich ein altes Fort und einige Hoehlen befinden, in denen es angenehm kuehl war. Am Schluss der Fuehrung brachte er uns vor den Tempel und fragte dann wie so ueblich nach Geld. Eigentlich gingen wir davon aus, dass es Sadhus nicht erlaubt ist, Geld anzunehmen, aber der Wirt unseres Stammlokals meinte, dass sei schon in Ordnung. Sadhus duerfen einfach kein Geld horten, sondern nur fuer den taeglichen Bedarf nutzen. Unser Sadhu wollte mit dem Geld Seife fuer seine Kleider kaufen. Mit unseren Spenden kann es ziemlich viel Seife kaufen. Der Mexikaner nahm ihn dann sogar mit dem Roller bis zum Shop mit.

Natuerlich liessen wir uns den Sonnenauf- und untergang nicht entgehen. Das Timing fuer den Sonnenuntergang war nicht weiter schwierig, wir waren einfach genug frueh da und warteten, bis die Sonnee untergegangen war. So einfach ist das. Um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen, fragten wir im Guesthouse, wann wir etwa losgehen sollen. Sie meinte, dass wir um 5.20 Uhr loslaufen sollen. Da uns dies doch reichlich frueh vorkam, verlegten wir die Startzeit auf halb sechs Uhr. Mit Zeitangaben ist in Indien stets vorsichtig umzugehen, vor allem wenn es ums Laufen geht. Wenn die Inder sagen, es sei nur zwei, drei Minuten, entpuppt sich dies nicht selten als ein
Viertelstunde. Inder gehen selten zu Fuss, jeder der etwas auf sich haelt, hat einen fahrbaren Untersatz. Zurueck zum Sonnenaufgang: Obwohl wir versehentlich den weiteren Weg waehlten, waren wir bereits um sechs Uhr auf dem Matanga Hill, der beste Ort zum Geniessen des Sonnenaufgangs. Neben uns waren nur ein Rudel Affen da, aber nicht wegen der Aussicht, sondern weil sie etws zu essen erhoffen. Mit boesen Blicken und Wurfbewegungen versuchten wir sie von uns fernzuhalten. Spaeter kam eine Gruppe von fuenf Russinnen (den knappen Kleidern an direkt von Goa) mit ihrem Lunch, den sie grosszuegigerweise mit den Affen teilten. Kein Wunder sind diese so frech und greifen nach jeder Wasserflasche, die sie sehen. Die aufgehende Sonne tauchte die Landschaft in schoene warme Farben, langsam wurden die einzelnen Gebaeude voneinander unterscheidbar. Bereits nach wenigen Minuten war die Sonne schon genug stark, um die Felsen aufzuwaermen und trieb uns zurueck ins Dorf in den Schatten.

Waehrend unserer ersten Radtour begegneten wir mehreren indischen Familien, die fuer einmal kein Foto mit uns machen wollten, sondern das Gespraech mit uns suchten. Dabei faellt auch immer die Frage, wie es uns in Indien gefaellt und wie wir die Schweiz und Indien miteinander vergleichen. Das Wetter ist ein einfacher Vergleich und die Inder finden es auch sehr heiss im Moment. Wenn Inder unterwegs sind, dann meist nur eine Woche. In dieser Zeit spulen sie ein grosses Programm ab, legen lange Strecken im Fahrzeug zurueck. Die eine Familie hatte einen Gelaendewagen gemietet, der im Ladebereich auch Sitzbaenke hat. In dieses Fahrzeug stiegen mindestens 12 Personen ein. Das Gepaeck auf dem Dach, gekocht wird unterwegs neben dem Parkplatz, geschlafen wahrscheinlich im Auto oder unter freiem Himmel. Die Inder sind schnell mit Tipps zur Hand, was wir auf unserer Reise noch alles anschauen sollen. Doch meist sind die Interessen der Inder und der westlichen Besucher nicht deckungsgleich und wir bleiben bei unserem Programm.

Wenn wir einmal keine Lust auf sportliche Aktivitaeten hatten, setzten wir uns an den Fluss und schautem dem Tempelelefanten beim taegliche Bad zu. Wobei Bad ziemlich harmlos ausgedrueckt ist. Der Mahout (Elefantenfuehrer) schruppte die Haut des Elefanten mit einem Stein. Doch der Elefant liess sich das ohne weiteres gefallen, es schien ihm sogar zu gefallen. Am liebsten hatte er es, wenn ihn der Mahout mit Wasser abspritzte. Des weiteren fuhren wir mit den runden Coracleboote auf dem Fluss. Diese aus Bambusrohren geflochtenen Boote werden hier seit mehr als fuenfhundert Jahren benutzt.

Der Muskelkater und die Rose

In Gokarna hatten wir den ersten richtigen Kontakt mit einem indischen Strand, absolut fantastisch, feiner Sandstrand und kaum Leute. Ausser wenigen Restaurants, die meist auch kleine Huetten vermieten, war gar nichts. Keine nervigen Sarong-, Sonnenbrillen oder Trommelverkaeufer. Dafuer jede Menge Kuehe und Zebus, die auch schon mal in ein Restaurant spazieren. Diese Einsamkeit haben wir genutzt, um uns wieder einmal sportlich zu betaetigen, jeweils am Abend drehten wir eine Joggingrunde auf dem Sand. Das zu kurz gekommene Dehnen raechte sich mit einem laestigen Muskalkater.

In Panjim, die Hauptstadt von Goa, fuenf Busstunden von Gokarna entfernt, war unsere naechste Station. Als wir am Abend essen gehen wollten, kamen wir an der laut Reisefuehrer besten Adresse der traditionellen Mughlaikueche von Goa vorbei. Der Sicherheitsbeamte und der als Maharadscha verkleidete Tuersteher deuteten darauf hin, dass es sich um ein gediegenes Lokal handelt. Da wir aber nicht mehr weit gehen wollten (Muskelkater) und sie uns hineinbaten, gingen wir trotz Bedenken wegen unserer Kleidung hinein. Denn wir waren mit Flipflops und verwaschenem T-Shirt hoffnungslos underdressed. Davon liess sich keiner der Kellner beeindrucken und wir wurden bedient wie die Koenige. Jeder Kellner war nur fuer einen Tische zustaendig, so wurde uns sofort nachgeschoepft oder -geschenkt. Waehrnd dem Essen kam ein Kellner mit einer Kamera vorbei und machte eine Foto von uns, die uns als Ausdruck uebergeben wurde. Die Rechnung wurde mit einer Rose fuer die Dame ueberbracht. Fuer den fuer unsere Verhaeltnisse exquisiten Abend bezahlten wir inklusive Nachspeise 855 Rs, wobei wir selbstverstaendlich auf 1000 Rs. aufrundeten. Dies sind etwa 30 Fr., ein eigentlich laecherlicher Betrag. Wenn man aber bedenkt, dass wir sonst in indischen Lokalen 150 bis 200 Rs. bezahlen oder schon fuer 1000 Rs. einen ganzen Tag mit Uebernachtung gelebt haben, sieht es wieder anders aus. Doch es war's wert.

Noch erwaehnenswert war die Toilette. Eine eigens fuer die Toilette angestellte Person betreute einem. Reichte Kosmetik-, Handtuechlein oder Ohrenstaebchen, oeffnete den sich mit einem Sensor oeffnenden Eimer. Dass es sich um die sauberste und am besten ausgestattete Toilette in Indien handelt, muss wohl nicht extra erwaehnt werden.

Dienstag, 8. April 2008

Kathakali in Kerala

Nebst den Backwaters gehoert der Besuch einer Kathakalivorstellung zu den herausragenden Ereignissen einer Keralareise. Wir besuchten zweimal eine solche Vorstellung, um etwas ueber dieses fuer uns so fremde und doch sehr faszinierende, uralte, ritualisierte Tanztheater zu erfahren.

Das Tanzdrama Kathakali meint woertlich "katha" = story und "kali" = play, was "Geschichten spielen" meint. Urspruenglich stammt diese Form von Theater oder Tanz aus dem 17. Jahrhundert und ist heute zu einem Markenzeichen von Kerala geworden. Das Bild vom traditionellen Kathakalidarsteller in prachtvollem Kostuem mit riesiger Goldkrone und befremdlicher Maske findet sich auf allen moeglichen Produkten wieder - von der Streicholzschachtel bis zum TV Werbespot fuer Waschmittel.

Die Themen der gespielten Geschichten handeln von traditionellen, hinduistischen Epen und kreisen vorwiegend um goettliche Helden. So gibt es so gut wie keine naturalistischen Elemente, denn im Mittelpunkt der Darstellung steht die Welt der Goetter und der Daemone. Sowohl die maennlichen als auch die weiblichen Rollen werden von Maennern gespielt.

Waehrend traditionelle Vorstellungen so gegen 22 Uhr beginnen und vor einem Tempel gespielt werden und bis zum Morgengrauen andauern, besuchten wir Touristenvorstellungen in extra dafuer gebauten Theater, wo die Vorstellung nur eineinhalb Stunden dauerte.

Vor der eigentlichen Vorstellung hatten wie jeweils die Gelegenheit, dem Schminken der aufwaendigen Masken beizuwohnen. Die Farben stammen fast ausschliesslich auf Mineralien von umterschiedlichen Gesteinen und werden mit Kokosnussoel angeruehrt. Die Gestaltung der Maske wird von den Taenzern selbst vorgenommen oder von speziell ausgebildeten Kuenstlern uebernommen. Die Schminke ist sehr wichtig, versinnbildlichen ihre Farben doch die einzelnen Charaktere: "gruen" meint "rein" und es handelt sich bei der Figur immer um einen Gott oder einen edlen Menschen. "Rot" beispielsweise meint "Leidenschaft" oder "Aggression", "schwarz" bedeutet "Dunkelheit" oder "negative Einstellung" und "weiss" schliesslich versinnbildlicht "Licht" und "Intellekt". Nach der Fertigstellung der Maske werden den Taenzern aufwaendig gestaltete Roecke um die Hueften gebunden. Als Unterock werden alte Reissaecke verwendet, um dem eigentlichen Rock die noetige Fuelle zu geben. Verzierungen aus Silber und Gold werden hinzugefuegt. Zum Abschluss wird eine bis zur Huefte reichende Peruecke angezogen und die grosse Krone aufgesetzt. Die unglaubliche Verwandlung des feingliedrigen, schmalhueftigen jungen Mannes zu einem stolzen Taenzer war fuer alle Zuschauer bereits ein erstes Highlight vor der eigentlichen Vorstellung. Wenn man weiss, dass das Gewicht des ganzen Kostuems 40 kg oder mehr ist, umso unfassbarer war die Leistung der Taenzer fuer uns.

Die Darsteller sprechen waehrend der Vorstellung nicht und geben auch sonst keine Geraeusche von sich, abgesehen von dem einen oder anderen sonderbaren Schrei. Erzaehlt wir die Geschichte einzig mit Mimik, Gesten und Gebaerden. Das Erlernen der komplizierten Handbewegungen und Augenbewegungen, die so aussagekraeftig und praziese sind wie jegliche Zeichensprache, erfordert eine harte Ausbildung, die manchmal bereits im Alter von acht Jahren beginnt und bis zu zehn Jahre dauert. Vor Vorstellungsbeginn demonstierte uns einer der Taenzer die 24 ueblichen Mudras (=Handzeichen/ -bewegungen) und demonstierte Theaterelemente wie Liebe, Hass, Lotusblume, Hirsch,... Wir waren absolut fasziniert von der totalen Koeperbeherschung und Praezision des Ausdrucksweise nur mit dem Koerper. Etwas erschocken waren zur zu Beginn ob der roten Augen der Taenzer. Die roten Augen der Taenzer haben ebenfalls eine rituelle Bedeutung und werden mittels einem Pflanzensamen erzeugt, der vor der Vorstellung ins Auge gegeben und nach der Vorstellung wieder entfernt wird.

Begleitet wir das Spiel vom mindestens zwei Trommlern. Der eine spielt mit schmalen, leicht gebogenen Stoecken eine senkrecht stehende Trommel. Der Andere spielt eine horizontale, fassfoermige Handtrommel. Die Trommler behalten die Darsteller stets im Auge und verstaerken jede einzelne Geste mit ihrem Instrumenten- von der sanftesten Umarmung der Geliebten bis zum blutigen Aufschlitzen des Feindes...

Bettina