Freitag, 25. April 2008

Indien - ein Reiseland?

Meine dritte, bisher laengste und hoffentlich nicht letzte Indienreise ist bereits wieder Vergangenheit. Dreieinhalb Monate waren wir in Zentral- und Suedindien unterwegs. Am Flughafen stellt sich jeweils eine grosse Erleichterung ein, Indien wieder verlassen zu koennen, aber gleichzeitig auch der Wunsch, zurueckzukehren. Es ist mir bewusst, dies ist eine eigentuemliche Haltung. Aber Indien ist nun mal so, man liebt es und man hasst es und zwar gleichzeitig. Es faellt manchmal schwer, zu sagen, was der Reiz dieses Landes ausmacht. Es ist anders als andere Laender, alles ist extremer, wird von vielen Travellern als Reifepruefung des Reisens betrachtet. Wer in Indien reisen kann, der kann in wohl allen anderen Laender reisen.

Dennoch wuerde ich nicht allen ein Besuch in Indien empfehlen, denn die Sinne werden hier auf die Probe gestellt. Oeffentliche Toiletten verbreiten einen unangenehmen Duft, oft wird der Strassenrand, eine Hauswand, der Strand, die Bahngleise oder was sich sonst gerade findet als Toilette benutzt. Das Essen verwoehnt die Geschmacksnerven mit exotischen Dueften. Das Gehoer wird im Strassenverkehr dauernd auf die Probe gestellt. Statt zu bremsen wird gehupt, es gilt das Recht des Staerkeren, Fussgaenger rangieren natuerlich an unterster Stelle. Alles was faehrt, bewegt sich auf den Strassen, Lastwagen, Busse, Kleinbusse, Autos, Ambassadortaxi, Autorikschas, Fahrradrikschas, Motorraeder, Roller, Fahrraeder, Ochsen- und Zebukarren aber auch Elefanten, nicht zu vergessen die heiligen Kuehe, die mitten auf der Strasse stehen oder liegen. Das Hygienegefuehl wird in vielen Hotels getestet, frische Bettlaken oder Kopfkissen kann man nicht immer erwarten, die Matratzen sind oft so hart oder durchgelegen, dass man kaum darauf schlafen kann. Der Duschkopf ist so verstopft, dass nur ein Ringsal Wasser durchkommt und man den Duschkopf abschrauben muss, um genug Wasser zum Duschen zu bekommen. Nur an wenigen sehr touristischen Orten oder in Grossstaedten wird man nicht staendig angesprochen, sei es von Strassenhaendlern oder einfach freundlichen Menschen (Which country from? What's your name? What's your job?...). Meist sind sie schon gluecklich, wenn man ihnen eine einfache Antwort gibt, andere sind hartnaeckiger und wollen einen fundierten Vergleich zwischen Indien und der Schweiz hoeren. Nach Preisen und Einkommen wird auch gerne gefragt, die Inder kennen einfach keine Hemmungen und sind sehr neugierig. Von den unzaehligen Fotos von uns in indischen Fotoalben wollen wir hier nicht mehr sprechen.

Einer der Reize liegt sicher in der unendlichen Groesse des Landes, man kann jahrelang herumreisen und kommt immer wieder an neue Orte. Waehrend man die Schweiz in beiden Richtungen in vier Stunden mit der Bahn durchqueren kann, sind in Indien vier Stunden manchmal die Wartezeit auf den Zug. Jeder der in Indien reist, bereist ein anderes Indien, erlebt anderes, nimmt es anders wahr. Dies haengt auch mit der Art und Weise zusammen, wie man reist. Bereist man das Land auf die luxurioese Variante, hat man es sicher bequemer und schwitzt weniger, kommt aber ausser mit den Angestellten der Hotels, Taxis oder Flugzeugen nicht mit der lokalen Bevoelkerung in Kontakt und erhaelt nur einen aeusserst oberflachlichen Eindruck vom Land. Da wir hingegen immer auf die oeffentlichen Verkehrsmittel zurueckgriffen und in eher guenstigen Hotels uebernachteten, waren wir staendig in Kontakt mit der lokalen Bevoelkerung. Manchmal wurde es uns zuviel und wir suchten eine Unterkunft oder ein Lokal mit mehr Privatsphaere. Die Inder haben ein anderes Naehegefuehl als wir.

Was den Indern fehlt, ist das Gemeinschaftsgefuehl, jeder schaut nur fuer sich. Sei es beim Draengeln am Schalter oder in den Zug, sei es beim Umgang mit dem Abfall. Alles wird auf die Strasse oder aus dem Fenster geworfen, von der eigenen Haustuer zu der des Nachbarn gewischt. Dies zu verstehen, faellt uns eben manchmal schwer.

Wie gesagt, Indien ist kein einfaches Reiseland, aber wer sich nach Indien wagt, will es entweder am gleichen Tag wieder verlassen oder am liebsten gar nicht mehr. Wer sich auf das Abenteuer Indien einlaesst, wird auf jeden Fall entschaedigt, sei es mit Begegnungen mit netten, interessanten Menschen, sei es mit faszinierenden Landschaften, sei es mit intensiven Farben, sei es mit maerchenhaften Palaesten und Tempeln oder sei es, dass man nach einer Reise in Indien ein neuer Mensch ist.

Namaste

Bergbahnen in Indien

In Indien gibt es noch einige wenige Schmalspurbahnen, die oft als "toy trains" (Spielzeugbahn) bezeichnet werden, insbesondere zu verschiedenen Hillstations. Erst im dritten Anlauf ist es uns gelungen, die gewuenschte Fahrt mit einem Hillstationzug durchzufuehren.

Ende Maerz wollten wir mit der Nilgiri Blue Mountain Railway von Mettupalayam nach Ooty fahren. Die 46 km lange Fahrt geht durch 16 Tunnels, elf Bahnhoefe und ueber 19 Bruecken. Dabei ist man fuenf Stunden unterwegs, an gewissen Stellen ist man nicht schneller als ein Fussgaenger. Einzigartig an dieser Bahn ist der Gebrauch eines Schweizerischen Zahnstangenszstems, das den Lokomotiven ermoeglicht, extreme Steigungen zu bewaeltigen. Wegen des ungewoehnlichen Systems koennen die steilsten Abschnitte nur von Originallokomotiven befahren werden und diese Strecke ist deshalb eine der letzten Dampflokstrecken in Suedasien.

Diesen Erlaeuterungen aus dem Reisefuehrer konnten wir nicht wiederstehen und buchten diesen Zug uebers Internet (Ja, das funktioniert in Indien!). Dazu mussten wir von Coimbatore um 5.15 Uhr nach Mettupalayam fahren. Kein Problem, wozu haben wir einen Wecker. Als wir uns in Mettupalayam erkundigen wollen, wo der Zug nach Ooty faehrt, wird uns kurzerhand mitgeteilt, dass wegen Erdrutschen aufgrund der heftigen Regenfaelle seit gestern und bis auf weiteres kein Zug faehrt. Da wir waren wir einen Moment ganz platt. Der ganze Aufwand und dann dies. Vom Unterbruch ist der spektakulaerste Teil nach Coonor betroffen. Von Coonor nach Ooty faehrt der Zug fahrplanmaessig. Also nichts wie auf nach Coonor mit dem Bus, um wenigsten den fahrbaren Teil erleben zu koennen. Die Fahrt war zwar schoen, aber wie gesagt den interessantesten Teil haben wir leider verpasst. Das ist Indien.

Nach dieser nur halbwegs geglueckten Bahnfahrt schauten wir uns nach weiteren Moeglichkeiten um. Von Elke und Juerg, die wir in Kambodscha kennengelernt haben und in Pondicherry nochmals trafen, erfuhren wir, dass die Fahrt von Neral nach Matheran ebenfalls sehr eindruecklich ist. Also planten wir diesen Ausflug als Abschluss vor dem Rueckflug nach Bangkok ein. Wir buchten einen Nachtzug von Goa nach Mumbai, einen Monat im Voraus, aber wir bekamen die Tickets nur dank der Touristenquote. Der Zug haette in Tivim um zehn vor sieben Uhr fahren sollen. Als wir da waren, warteten Unmengen von Leuten in diesem Provinzbahnhof. Wegen den Schulferien setzt die indische Eisenbahn Sonderzuege auf stark befahrenen Strecken ein und dazu gehoert diejenige von Goa nach Norden (Richtung Mumbai). Auf einer Tafel standen die erwarteten Abfahrtszeiten, bei unserem Zug stand 22.30 Uhr. Tatsaechlich kam der Zug dann um halb zwoelf Uhr. Wenigstens war es nicht kalt, sondern eine angenehm warme Nacht. Aber die Fahrt nach Matheran konnten wir natuerlich vergessen, da wir den Zug fuer zehn am naechsten Tag gebucht hatten. Mumbai erreichten wir dann um halb elf Uhr und von Mumbai nach Neral, wo die Bergbahn startet, sind es nochmals zwei Stunden. Braucht keine grossen Rechenkuenste, um zu sehen, dass wir zu spaet dran waren. Am Reservierungsschalter erhielten wir wenigstens die Haelfte des Ticketpreises zurueck, was sich lohnte, da wir ausnahmsweise erste Klasse gebucht hatten. Mit einem Vorortszug fuhren wir von Mumbai nach Neral. Dieser Zug haelt alle paar Minuten fuer etwa dreissig Sekunden, wer also nicht bereit ist, um auszusteigen hat keine Chance mehr. Normalerweise faehrt man mit leichtem Gepaeck, nicht mit Tramperrucksack hinten und kleinem Rucksack vorne. So machten wir uns nicht viele neue Freunde, weil wir mehr Platz beanspruchten. Da wir wussten, dass der Vorortszug etwa zwei Stunden nach Neral unterwegs ist, orientierten wir uns an der Zeit. Erstaunlicherweise fahren diese Vortortszuege sehr puenktlich und sind schneller als mancher Expresszug. Von Mumbai nach Neral sind es 108 km, das in zwei Stunden, auf dem Rueckweg hatten wir sogar nur eine Stunde vierzig Minuten.

In Neral angekommen, nahmen wir ein Taxi, weil der naechste Zug erst drei Stunden spaeter fuhr. Alle Fahrzeuge stoppen zwei Kilometer vor Matheran, weil die Hill Station verkehrsfrei ist. Es besteht die Moeglichkeit, diese zwei Kilometer auf einem Pferd reitend zurueckzulegen, einen Traeger fuer das Gepaeck zu engagieren oder sich gar tragen zu lassen. Wir entschieden uns fuer die sportliche Variante und trugen das Gepaeck selber. Das ausgewahelte Guesthouse namens Hope Hall (!) liegt am Ende des Dorfes und bis dorthin sind es nochmals gut eineinhalb Kilometer. Da wir fuer diesen Tag genung gelaufen sind, mieteten wir uns zwei Pferde und liessen uns zum Sonnenuntergangspunkt fuehren. Richtig geritten sind wir nicht, weil der Pferdefuehrer die Tiere am Zuegel hielt. Auf dem Rueckweg wurde mein Pferd wegen einer Katze bockig und schlug aus, was mich doch glatt aus dem Sattel hob, in dem ich gluecklicherweise auch wieder landete.

Am naechsten Tag war es endlich soweit, wir standen vor der ersten Fahrt in einer Bergbahn, die wir auch so geplant hatten. Dies stimmt eigentlich auch wieder nicht, weil wir einen Zug frueher fuhren als urspruenglich geplant. Die Luftlinie von Matheran nach Neral betraegt 6,5 km, doch die Bahn schlaengelt sich auf nicht weniger als 21 km ins Tal herunter, die Hoehendifferenz betraegt etwa 750 m. Dabei werden 281 Kurven passiert, die zu den engsten Eisenbahnkurven der Welt gehoeren. Die Fahrt war wirklich ein Erlebnis, dank der ersten Klassebillets hatten wir genug Platz und konnten auf beiden Seiten aus dem Fenster schauen. Das Wetter spielte mit und wir hatten strahlend blauen Himmel. Die Kurven hatten teilweise einen Radius von weniger als zwanzig Metern, aber der Zug faehrt nicht besonders schnell, so dass keine Gefahr besteht, dass er entgleist. Landschaftlich wurde uns auch einiges geboten. Fazit: Der ganze Aufwand mit der Anreise von Mumbai im Lokalzug hat sich allemal gelohnt.

Patrik

Donnerstag, 24. April 2008

Goa

Die letzten Wochen unserer Reise verbrachten wir im wohl westlichsten Bundesstaat Indiens, in Goa. Die ersten 2 Naechte uebernachteten wir in der Hauptstadt Panjim, welche noch sehr viel kolonialistisch-portugiesisches Flair hat. Dies spiegelte sich in zahlreichen Gebaeuden und Kirchen wieder. Weiter war augenfaellig, dass sich viele Inderinnen westlich kleiden. So trugen juengere Frauen Hose und T-Shirts und aeltere Jupe und Bluse anstelle des Sarees oder des Salwar Kamise (traditionelle Tunika und Pluderhose). Wir sahen auch ein paar aeltere Frauen mit den bei Portugiesinnen beliebten Kurzhaardauerwellenfrisur. Auch kulinarisch ist Goa speziell, so gibt es traditionelle goanische Gerichte mit Rindfleisch, waehrend im restlichen Land die Kuehe ja heilig sind und nicht "gegessen" werden. Wir blieben dennoch beim vegetarischen Essen. Einmal kochte unser Gaestehausbesitzter in Anjuna ein goanisches Gemuesecurry fuer uns. Die goanische Kueche ist laut Goaner weniger scharf als andere indische Kost, was wir aber nicht unbedingt bestaetigen koennen.

In Panjim machten wir unter anderem einen Ausflug nach Old Goa, der ehemaligen Hauptstadt, wo wir einige alte Kirchen besichtigten. Eine dieser Kirchen war riesig und soll laut Reisefuehrer groesser sein als alle Kirchen in Portugal. Mit ihren 15 Altaeren im Innenraum, war sie schon sehr beeindruckend. Eine andere Kirche war der Peterskirche im Vatikan nachempfunden.

Fuer die letzte Reisewoche planten wir nochmals einen Abstecher am Strand ein. Da es in Goa unzaehlige Straende gibt, war die Wahl dann gar nicht so einfach. Auch beschlossen wir, einen Yogakurs zu besuchen, um nicht die ganzen Tage nur auf der "faulen Haut" zu liegen!

Unsere Wahl viel schliesslich auf Anjuna im noerdlichen Teil von Goa. Waehrend der Reisefuehrer den Ort als Partyort beschreibt, stimmt das waehrend der Nebensaison nicht mehr. Bei unserer Ankunft erlebten wir das Dorf als sehr beschaulich, angenehm und ruhig. Dass waehrend der touristischen Hochsaison hier mehr los sein muss, zeigen zahlreiche geschlossene Restaurants und Shops. Leider mussten wir uns auch mit den Tatsachen der Nebensaison abfinden, als naemlich am Mittwoch unser Stammlokal das OASIS, welches von sehr freudlichen Nepalesen gefuhert wurde, die Tueren bis zur naechsten Saison schloss. Dafuer kamen wir auch in anderen Belangen in den Genuss der Nebensaison. So haben wir unser Gastehauszimmer zu einem recht guenstigen Preis bekommen.

Wir wohnten waehrnd ueber Woche in einem sehr familiaeren Gaestehaus. Die Familie war sehr gespaechig und freundlich. Nebst Tipps und Informationen erzaehlte uns der Familienvater einiges ueber das Leben und die Kultur von Goa und seinen Bewohnern. Zudem besassen sie einen alten, kranken Hund und einen sehr uebergewichtigen Dackel, welcher uns am ersten Tag staendig anklaeffte. Schliesslich wurden wir aber doch seine Freunde und schienen zur Familie zu gehoeren, denn er bellte nicht mehr, wenn er uns sah.

Am Montag um 8 Uhr stand jeweils das Yoga auf dem Stundenplan fuer uns. Fuer einmal wieder ein regelmaessiges Ausstehen, war zu Beginn etwas komisch, doch da es um diese Zeit noch angenehm "kuehl" war, genossen wir es auch, so frueh am Morgen bereits unterwegs zu sein. Da wir waehrend dieser Woche einen Motorroller gemietet hatten, fuhren wir damit zum Yogastudio, welches etwas ausserhalb in einer schoenen Gartenanlage lag. Das Yogaprogramm war im Wechsel Hatha- bzw. Ashtangayoga. Generell hat mir das Hathayoga besser gefallen, waehrend Patrik am dymanischeren Ashtanga mehr Gefallen fand. Am Mittwochnachmittag besuchten wir zudem noch einen speziellen Workshop. In diesem Akro-Yoga machten wir viele Gruppen- bezw. Partneruebeungen, bei denen der Humor und das Lachen definitv nicht zu kurz kam! Aber jeder kann sich ja denken, wie lustig es ausgesehen hat, als mich der kleine, rothaariger Norwege Ingwar mit Vollbart auf seinen Fuessen als "Flugzeug" balancierte! Generell hat uns die Atmosphaere an der Yogaschule sehr gut gefallen. So waren die Instruktoren alles aufgestellte, lockere Typen und keine "gspuersch-mi" Asketen.

Gefreut hat es uns auch, dass wir in Anjuna nochmals Elke trafen. Sie und ihren bereits in die Heimat zureuckgeflogenen Freund haben wir in Kambodscha kennengelernt und in Pondicherry an der indischen Ostkueste wiedergesehen. Da kam der bei uns Frauen so beliebte Klatsch und Tratsch bei Kaffee (leider ohne Kuchen) nicht zu kurz.

Die Nachmittage nutzten wir, um mit dem Motorroller die Umgebung etwas zu erkunden oder zu einem benachbarten Strand zu fahren. Am Samstagabend fuhren wir zudem zu einem tollen Nachtmarkt in der Naehe. Dieser "Ingos-Night- Market" wurde von einem Deutschen ins Leben gerufen. Nebst Musik und Staenden mit leckerem Essen kann hier geshoppt werden, was das Herz begehrt und das Portemonnaie zulaesst...

Bettina

Montag, 14. April 2008

Hampi

Es gibt Orte in Indien, die von allen besucht werden und nachher alle begeistert davon schwaermen. Neben Varanasi, den Backwaters in Kerala und Ladakh gehoert auch Hampi dazu.

Die Tempelruinenstadt Vijayanagar (Stadt des Sieges), der Einfachkeit halber nach dem Hauptort Hampi genannt, liegt am kleinen Fluss Tungabhadra und erstreckt sich ueber eine Flaeche von 26 km2. Wir haben schon einige Tempel, Palaeste und Pavillons gesehen und koennen uns ein Urteil erlauben. Die Ruinen von Hampi gehoeren nicht zu den Highlights, viele sind in einem erbaermlichen Zustand und sehen aelter aus als ihre 400 oder 500 Jahre. Das Spezielle an Hampi ist das surreal wirkende Gelaende mit riesigen goldbraunen Felsbrocken inmitten gruener Reisfelder und Bananenplantagen. Die malerische Lage am Fluss und die spezielle Atmosphaere an diesem Ort machen Hampi zu einem der eindruecklichsten Sehenswuerdigkeiten Indiens.

Die beste Reisezeit liegt zwischen Anfangs November und Ende Maerz, wenn die Tagestemperaturen auch lange Fussmaersche erlauben. Wir waren anfangs April, also in der Nebensaison und merkten dies sowohl an den zum Teil geschlossenen Lokalen oder einer reduzierten Speisekarte, aber auch an den Temperaturen. Wir haben schon lange nicht mehr so geschwitzt wie in Hampi, als wir die Ruinen zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkundeten. Vor allem die zweite Fahrradtour bleibt in Erinnerung, weil ich nachdem wir den Fluss mit der Faehre ueberquert haben, nach etwa drei Kilometern einen Platten hatte und wir das Fahrrad etwa zwei Kilometer zurueckstossen mussten, bis wir einen Velohaendler fanden, der auch Reifen flickt. Wir hatten Glueck, eine halbe Stunde spaeter waere er nicht mehr da gewesen, da ein Freund heiratet. So wurde es noch spaeter und entsprechend heisser. Der erste Tempel war ein noch heute benutzter Hanumantempel, zu dem etwa 480 Stufen fuehren, alles in der bruetenden Hitze an der prallen Sonne. Doch die Aussicht (und der bessere Empfang mit dem Mobile!) entschaedigt fuer die Muehen. Der Tempel selber ist wie die meisten noch benutzten Hindutempel fuer uns Nicht-Hindus nichts besonderes. Von hier oben sieht man weit in die Ferne, die Tempelruinen sehen aus wie Spielzeughaeuser und die sonst riesigen Felsbrocken wie Kieselsteine. Nach ausgedehntem Trinkhalt fuhren wir weiter zu den anderen Tempel, einem Durga- und einem Laxmitempel. Beim Durgatempel bekamen wir zusaammen mit einem Mexikaner eine Fuehrung durch einen Sadhu (ein hinduistischer Heiliger ohne Kasten- und Familienbindung) durch das Gebiet um den Tempel herum, wo sich ein altes Fort und einige Hoehlen befinden, in denen es angenehm kuehl war. Am Schluss der Fuehrung brachte er uns vor den Tempel und fragte dann wie so ueblich nach Geld. Eigentlich gingen wir davon aus, dass es Sadhus nicht erlaubt ist, Geld anzunehmen, aber der Wirt unseres Stammlokals meinte, dass sei schon in Ordnung. Sadhus duerfen einfach kein Geld horten, sondern nur fuer den taeglichen Bedarf nutzen. Unser Sadhu wollte mit dem Geld Seife fuer seine Kleider kaufen. Mit unseren Spenden kann es ziemlich viel Seife kaufen. Der Mexikaner nahm ihn dann sogar mit dem Roller bis zum Shop mit.

Natuerlich liessen wir uns den Sonnenauf- und untergang nicht entgehen. Das Timing fuer den Sonnenuntergang war nicht weiter schwierig, wir waren einfach genug frueh da und warteten, bis die Sonnee untergegangen war. So einfach ist das. Um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen, fragten wir im Guesthouse, wann wir etwa losgehen sollen. Sie meinte, dass wir um 5.20 Uhr loslaufen sollen. Da uns dies doch reichlich frueh vorkam, verlegten wir die Startzeit auf halb sechs Uhr. Mit Zeitangaben ist in Indien stets vorsichtig umzugehen, vor allem wenn es ums Laufen geht. Wenn die Inder sagen, es sei nur zwei, drei Minuten, entpuppt sich dies nicht selten als ein
Viertelstunde. Inder gehen selten zu Fuss, jeder der etwas auf sich haelt, hat einen fahrbaren Untersatz. Zurueck zum Sonnenaufgang: Obwohl wir versehentlich den weiteren Weg waehlten, waren wir bereits um sechs Uhr auf dem Matanga Hill, der beste Ort zum Geniessen des Sonnenaufgangs. Neben uns waren nur ein Rudel Affen da, aber nicht wegen der Aussicht, sondern weil sie etws zu essen erhoffen. Mit boesen Blicken und Wurfbewegungen versuchten wir sie von uns fernzuhalten. Spaeter kam eine Gruppe von fuenf Russinnen (den knappen Kleidern an direkt von Goa) mit ihrem Lunch, den sie grosszuegigerweise mit den Affen teilten. Kein Wunder sind diese so frech und greifen nach jeder Wasserflasche, die sie sehen. Die aufgehende Sonne tauchte die Landschaft in schoene warme Farben, langsam wurden die einzelnen Gebaeude voneinander unterscheidbar. Bereits nach wenigen Minuten war die Sonne schon genug stark, um die Felsen aufzuwaermen und trieb uns zurueck ins Dorf in den Schatten.

Waehrend unserer ersten Radtour begegneten wir mehreren indischen Familien, die fuer einmal kein Foto mit uns machen wollten, sondern das Gespraech mit uns suchten. Dabei faellt auch immer die Frage, wie es uns in Indien gefaellt und wie wir die Schweiz und Indien miteinander vergleichen. Das Wetter ist ein einfacher Vergleich und die Inder finden es auch sehr heiss im Moment. Wenn Inder unterwegs sind, dann meist nur eine Woche. In dieser Zeit spulen sie ein grosses Programm ab, legen lange Strecken im Fahrzeug zurueck. Die eine Familie hatte einen Gelaendewagen gemietet, der im Ladebereich auch Sitzbaenke hat. In dieses Fahrzeug stiegen mindestens 12 Personen ein. Das Gepaeck auf dem Dach, gekocht wird unterwegs neben dem Parkplatz, geschlafen wahrscheinlich im Auto oder unter freiem Himmel. Die Inder sind schnell mit Tipps zur Hand, was wir auf unserer Reise noch alles anschauen sollen. Doch meist sind die Interessen der Inder und der westlichen Besucher nicht deckungsgleich und wir bleiben bei unserem Programm.

Wenn wir einmal keine Lust auf sportliche Aktivitaeten hatten, setzten wir uns an den Fluss und schautem dem Tempelelefanten beim taegliche Bad zu. Wobei Bad ziemlich harmlos ausgedrueckt ist. Der Mahout (Elefantenfuehrer) schruppte die Haut des Elefanten mit einem Stein. Doch der Elefant liess sich das ohne weiteres gefallen, es schien ihm sogar zu gefallen. Am liebsten hatte er es, wenn ihn der Mahout mit Wasser abspritzte. Des weiteren fuhren wir mit den runden Coracleboote auf dem Fluss. Diese aus Bambusrohren geflochtenen Boote werden hier seit mehr als fuenfhundert Jahren benutzt.

Der Muskelkater und die Rose

In Gokarna hatten wir den ersten richtigen Kontakt mit einem indischen Strand, absolut fantastisch, feiner Sandstrand und kaum Leute. Ausser wenigen Restaurants, die meist auch kleine Huetten vermieten, war gar nichts. Keine nervigen Sarong-, Sonnenbrillen oder Trommelverkaeufer. Dafuer jede Menge Kuehe und Zebus, die auch schon mal in ein Restaurant spazieren. Diese Einsamkeit haben wir genutzt, um uns wieder einmal sportlich zu betaetigen, jeweils am Abend drehten wir eine Joggingrunde auf dem Sand. Das zu kurz gekommene Dehnen raechte sich mit einem laestigen Muskalkater.

In Panjim, die Hauptstadt von Goa, fuenf Busstunden von Gokarna entfernt, war unsere naechste Station. Als wir am Abend essen gehen wollten, kamen wir an der laut Reisefuehrer besten Adresse der traditionellen Mughlaikueche von Goa vorbei. Der Sicherheitsbeamte und der als Maharadscha verkleidete Tuersteher deuteten darauf hin, dass es sich um ein gediegenes Lokal handelt. Da wir aber nicht mehr weit gehen wollten (Muskelkater) und sie uns hineinbaten, gingen wir trotz Bedenken wegen unserer Kleidung hinein. Denn wir waren mit Flipflops und verwaschenem T-Shirt hoffnungslos underdressed. Davon liess sich keiner der Kellner beeindrucken und wir wurden bedient wie die Koenige. Jeder Kellner war nur fuer einen Tische zustaendig, so wurde uns sofort nachgeschoepft oder -geschenkt. Waehrnd dem Essen kam ein Kellner mit einer Kamera vorbei und machte eine Foto von uns, die uns als Ausdruck uebergeben wurde. Die Rechnung wurde mit einer Rose fuer die Dame ueberbracht. Fuer den fuer unsere Verhaeltnisse exquisiten Abend bezahlten wir inklusive Nachspeise 855 Rs, wobei wir selbstverstaendlich auf 1000 Rs. aufrundeten. Dies sind etwa 30 Fr., ein eigentlich laecherlicher Betrag. Wenn man aber bedenkt, dass wir sonst in indischen Lokalen 150 bis 200 Rs. bezahlen oder schon fuer 1000 Rs. einen ganzen Tag mit Uebernachtung gelebt haben, sieht es wieder anders aus. Doch es war's wert.

Noch erwaehnenswert war die Toilette. Eine eigens fuer die Toilette angestellte Person betreute einem. Reichte Kosmetik-, Handtuechlein oder Ohrenstaebchen, oeffnete den sich mit einem Sensor oeffnenden Eimer. Dass es sich um die sauberste und am besten ausgestattete Toilette in Indien handelt, muss wohl nicht extra erwaehnt werden.

Dienstag, 8. April 2008

Kathakali in Kerala

Nebst den Backwaters gehoert der Besuch einer Kathakalivorstellung zu den herausragenden Ereignissen einer Keralareise. Wir besuchten zweimal eine solche Vorstellung, um etwas ueber dieses fuer uns so fremde und doch sehr faszinierende, uralte, ritualisierte Tanztheater zu erfahren.

Das Tanzdrama Kathakali meint woertlich "katha" = story und "kali" = play, was "Geschichten spielen" meint. Urspruenglich stammt diese Form von Theater oder Tanz aus dem 17. Jahrhundert und ist heute zu einem Markenzeichen von Kerala geworden. Das Bild vom traditionellen Kathakalidarsteller in prachtvollem Kostuem mit riesiger Goldkrone und befremdlicher Maske findet sich auf allen moeglichen Produkten wieder - von der Streicholzschachtel bis zum TV Werbespot fuer Waschmittel.

Die Themen der gespielten Geschichten handeln von traditionellen, hinduistischen Epen und kreisen vorwiegend um goettliche Helden. So gibt es so gut wie keine naturalistischen Elemente, denn im Mittelpunkt der Darstellung steht die Welt der Goetter und der Daemone. Sowohl die maennlichen als auch die weiblichen Rollen werden von Maennern gespielt.

Waehrend traditionelle Vorstellungen so gegen 22 Uhr beginnen und vor einem Tempel gespielt werden und bis zum Morgengrauen andauern, besuchten wir Touristenvorstellungen in extra dafuer gebauten Theater, wo die Vorstellung nur eineinhalb Stunden dauerte.

Vor der eigentlichen Vorstellung hatten wie jeweils die Gelegenheit, dem Schminken der aufwaendigen Masken beizuwohnen. Die Farben stammen fast ausschliesslich auf Mineralien von umterschiedlichen Gesteinen und werden mit Kokosnussoel angeruehrt. Die Gestaltung der Maske wird von den Taenzern selbst vorgenommen oder von speziell ausgebildeten Kuenstlern uebernommen. Die Schminke ist sehr wichtig, versinnbildlichen ihre Farben doch die einzelnen Charaktere: "gruen" meint "rein" und es handelt sich bei der Figur immer um einen Gott oder einen edlen Menschen. "Rot" beispielsweise meint "Leidenschaft" oder "Aggression", "schwarz" bedeutet "Dunkelheit" oder "negative Einstellung" und "weiss" schliesslich versinnbildlicht "Licht" und "Intellekt". Nach der Fertigstellung der Maske werden den Taenzern aufwaendig gestaltete Roecke um die Hueften gebunden. Als Unterock werden alte Reissaecke verwendet, um dem eigentlichen Rock die noetige Fuelle zu geben. Verzierungen aus Silber und Gold werden hinzugefuegt. Zum Abschluss wird eine bis zur Huefte reichende Peruecke angezogen und die grosse Krone aufgesetzt. Die unglaubliche Verwandlung des feingliedrigen, schmalhueftigen jungen Mannes zu einem stolzen Taenzer war fuer alle Zuschauer bereits ein erstes Highlight vor der eigentlichen Vorstellung. Wenn man weiss, dass das Gewicht des ganzen Kostuems 40 kg oder mehr ist, umso unfassbarer war die Leistung der Taenzer fuer uns.

Die Darsteller sprechen waehrend der Vorstellung nicht und geben auch sonst keine Geraeusche von sich, abgesehen von dem einen oder anderen sonderbaren Schrei. Erzaehlt wir die Geschichte einzig mit Mimik, Gesten und Gebaerden. Das Erlernen der komplizierten Handbewegungen und Augenbewegungen, die so aussagekraeftig und praziese sind wie jegliche Zeichensprache, erfordert eine harte Ausbildung, die manchmal bereits im Alter von acht Jahren beginnt und bis zu zehn Jahre dauert. Vor Vorstellungsbeginn demonstierte uns einer der Taenzer die 24 ueblichen Mudras (=Handzeichen/ -bewegungen) und demonstierte Theaterelemente wie Liebe, Hass, Lotusblume, Hirsch,... Wir waren absolut fasziniert von der totalen Koeperbeherschung und Praezision des Ausdrucksweise nur mit dem Koerper. Etwas erschocken waren zur zu Beginn ob der roten Augen der Taenzer. Die roten Augen der Taenzer haben ebenfalls eine rituelle Bedeutung und werden mittels einem Pflanzensamen erzeugt, der vor der Vorstellung ins Auge gegeben und nach der Vorstellung wieder entfernt wird.

Begleitet wir das Spiel vom mindestens zwei Trommlern. Der eine spielt mit schmalen, leicht gebogenen Stoecken eine senkrecht stehende Trommel. Der Andere spielt eine horizontale, fassfoermige Handtrommel. Die Trommler behalten die Darsteller stets im Auge und verstaerken jede einzelne Geste mit ihrem Instrumenten- von der sanftesten Umarmung der Geliebten bis zum blutigen Aufschlitzen des Feindes...

Bettina




Sonntag, 6. April 2008

Kalaripayattu

Hinter dem Zungenbrecher "Kalaripayattu" (Malayalam Kampfplatzuebung) verbirgt sich eine Kampfkunst, die der Legende nach seit 3000 Jahren in Kerala betrieben wird. Die Anhaenger des Kalaripayattu bezeichnen es als die Mutter aller Kampfkuenste. So fuehren beispielsweise die Spuren des bekannten Shaolin Kung Fu's zu buddhistischen Moenchen in Indien.

Gemaess Ueberlieferungen liessen altindischer Kriegsführer, um unnötiges Blutvergießen ihrer Armeen zu vermeiden, zwei Kalarippayat-Kämpfer gegeneinander antreten, die für ihre Herrscher ein Duell auf Leben und Tod austrugen. Die Krieger stellten die Elite-Leibgarde der Maharajas. Kalarippayat-Krieger galten als besonders furchtlos und ihren Herrschern ergeben und verwickelten während der britischen Eroberung die Kolonialmacht erfolgreich in einige Auseinandersetzungen.

Man vermutet, dass das Kalarippayat eine rein indische Kriegskunst ohne äußere Einflüsse ist. Man findet ähnliche Formen der Bewegungen im klassischen indischen Tanz. Ein Meister und Lehrer (Gurukal) des Kalarippayat ist in seinem Dorf nicht nur Meister der Kampfkünste, sondern auch der Dorfarzt. Besonders im Behandeln von Knochenbrüchen, Quetschungen, Stauchungen und in der indischen Ayurveda-Heilkunst sind sie sehr gefragt.

Im Kalaripayattu wird sowohl ohne wie auch mit Waffen gekaempft, wobei die Waffen (Schwert, Bambusstab, Metallpeitsche, Messer,...) als Verlaengerung des Koerpers verstanden werden.

In Kochi besuchten wir eine Kalaripayattuvorstellung, neben uns waren nur noch fuenf weitere Zuschauer anwesend. Ein weiterer Beweis, wie schwer es Kampfkunst in der heutigen Zeit hat. Doch die Kaempfer liessen sich von der bescheidenen Kulisse nicht beeindrucken und demonstrierten ihr Koennen. Die einzelnen Bereiche wurde einleitend erklaert. Es begann mit Aufwaermuebungen in Form einer Kata (Pflicht), dann folgten Geschicklichkeitsuebungen mit einem und mit zwei langen Bambusstaeben. Bekannt ist Kalaripayattu vor allem durch das Bild von zwei aufeinander zuspringenden Schwertkaempfern, die im Sprung mit ihren Schwertern und Schildern aufeinanderprallen. Dieser einstudierte Schwertkampf folgte als naechstes. Der dunkle Raum und der Sprung stellte meine Kamera leider vor zu grosse Hindernisse. Entweder war das Bild zu dunkel oder es fand sich ein unbedeutender Ausschnitt auf dem Bild. Beim Kampf mit dem Schwert ohne Schild spruehten bei den Hieben die Funken und die Kante der Schwerter waren schon ganz gezackt. Die Abwehr von Angriffen mit einem Holzstab oder Messer erinnerte stark an die entsprechenden Verteidigungen im Judo oder Jiu. Nur dass Kalaripayattu nicht auf weichen Matten, sondern auf nacktem Betonboden stattfindet. Zum Schluss demonstrierten die Kaempfer die Handhabung einer etwa zwei Meter langen doppelten Metallpeitsche. Frueher gab es noch laengere Peitschen mit bis zu vier Riemen, die als Gurt unauffaellig um die Huefte geschlungen wurde. Mit dieser Waffe konnte ein Kaempfer gleichzeitig mehrere Gegner in Schach halten. Erst bei der Vorstellung der Kaempfer zum Schluss sahen wir, dass einer von ihnen als Kind unter Polio litt. Das linke Bein zeigte eine Missbildung (verkuerzte Sehnen, weniger Muskulatur, asymmetrische Haltung). Dank jahrelangem hartem Training gelang es dem Mann dieses Handicap zu kompensieren. Umso erstaunlicher ist seine Leistung einzuschaetzen.

Samstag, 29. März 2008

Fotos

Immer wieder hoerten wir, dass mehr Fotos von uns auf der Fotoseite gewuenscht sind. So wie bei den Indern, sie selber vor dem Tempel, neben der Statue, mit den Backwaters im Hintergrund, am liebsten mit Auslaendern daneben. Aber dies ist eben nicht mein Style. Zwischendurch einmal ist ok, aber nicht dauernd. Dass es sich auch ausbezahlt, habe ich erst kuerzlich erfahren, als ich angefragt wurde, ob eines meiner Fotos fuer ein Buch verwendet werden darf. Nach ausfuehrlichen Recherchen habe ich dem zugestimmt. Wahrscheinlich wird es kein Millionenseller werden, aber immerhin. Das Buch handelt von Tierornamente in Indien. Wer mehr ueber dieses aeusserst spannende Projekt erfahren moechte, kann unter

http://users.uoa.gr/~geeraae/animalsinart.html

nachschauen.

Donnerstag, 27. März 2008

Kerala

Ziemlich grossspurig kommt die Werbung des staatlichen Tourismusbueros daher: God's own country! Sicher gehoert Kerala zu den am meisten besuchten Bundesstaaten Indiens, aber sie haben doch ziemlich dick aufgetragen. Eines der Highlights in Kerala sind die Backwaters. Dieses Gebiet namens Kuttanad erstreckt sich ueber 75 km von Kollam bis nach Kochi im Norden, zwischen dem Meer auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite. Das Labyrinth von Wasserflaechen - Seen, Kanaelen, Fluesse und Baeche - wird von tropischer Vegetation gesaeumt. Was man hier zu sehen bekommt, ist von der Strasse voellig unsichtbar. Bestimmte Haeuser sind nur auf dem Wasserweg zu erreichen, immer wieder blitzen zwischen den Baeumen und Palmen Haeuser, Farmen, Kirchen oder Tempel auf. Blaue Eisvoegel sitzen fuer einen Augenblick auf einem Ast, bevor sei weiterfliegen. Fischadler schauen nach Beute Ausschau.

Das taegliche Leben spielt sich hier auf dem Wasser sowie an den von Palmen gesaeumten Uferstreifen ab. Die Familien leben auf winzigen Landflecken, baden und waschen die Waesche im seichten Wasser. Auf Langbooten werden Sand, aber auch Waren transportiert. An anderen Stellen wird nach Muscheln getaucht. Fischer fischen von Ruderbooten aus oder in Ufernaehe mit rieisigen Fischernetzen, im Malayalam cheena vala genannt. Mindestens vier Mann sind noetig, um die an gebogenen Hoelzern befestigten und mit Zugschnueren und Gewichten zu bewegenden Netzen zu bedienen.

Wir selber waren vier Mal auf den Backwaters. Den ersten Kontakt hatten wir waehrend einer Halbtagestour zur Insel Munroe in der Naehe von Kollam. Da wir die einzigen Gaeste waren, hatten wir eine Privatfuehrung. Unser Guide konnte viel ueber das Leben in den Backwaters erzaehlen, doch irgendwann kamen wir darauf, dass er auch Christ ist. Weil er in ein paar Wochen heiraten wird (eine Liebesheirat gegen den Willen der Eltern, weil die Frau aus einer aermeren Familie stammt, doch weil er die Hochzeit selber bezahlt, haben die Eltern doch zugestimmt), drehte sich das Gespraech hauptsaechlich darum. In Kerala leben drei Religionen (Christen, Muslims und Hindus) fliedlich nebeneinander, doch geheiratet wird vor allem innerhalb der eigenen Religion. So wurden die faszinierenden Backwaters zum Nebenschauplatz. Von Kollam aus fuhren mit einem Tourenboot in knapp acht Stunden nach Alappuzha, diese Fahrt gehoert zu den begehrtesten Ganztagetouren. Diese Fahrt haben wir auch sehr genossen, war sie doch sehr abwechslungsreich und wir trafen auf dem Boot nette Leute. Weil bereits Nebensaison war, fuellte sich das Boot nicht ganz und wir konnten uns frei auf dem Boot bewegen. Die eindruecklichste Fahrt war jedoch die Faehre von Alappuzha nach Kottayam. Fuer die Einheimischen ist diese Faehre ihr Bus. Sie fahren damit einkaufen, in die Schule, zur Arbeit oder sonstwohin. Alle paar Minuten haelt die Faehre an, Passagiere steigen zu, andere gehen von Bord. Jeweils ein paar auslaendische Touristen fahren auch mit dieser Faehre und sitzen in der Regel vorn im Schiff, um alles mit Fotoapparat oder Videokamera festzuhalten. Fuer die Bewohner der Backwaters ein alltaegliches Bild, fuer uns eine der fantastischen Landschaften ueberhaupt. Gegen Ende der Fahrt wurde das Fahrwasser immer schmaler und wir passierten mehrere schmale Zugbruecken, die ein Brueckenwaerter hochzog. Unsere letzte Tour fuehrte von Kochi aus zu den Backwaters. Leider spielte das Wetter hier nicht so mit, am Morgen regnete es immer wieder und der Himmel war bedeckt. Viel Neues sahen wir hier nicht mehr, dafuer hatten wir eine angeregte Unterhaltung mit einem indischen Paar, das schon ziemlich westlich eingestellt ist. Beide trugen Jeans, zum Fruehstueck gibt es Toast oder Cerealien, getrunken wird Flaschenwasser. Doch wir hatten sogar noch Glueck mit dem Wetter, denn am naechsten Tag regnete es wie aus Kuebeln und so verbrachten wir den halben Tag in unserem Lieblingslokal in Kochi, dem Teapot.

Patrik

Samstag, 15. März 2008

Gewuerztour im suedlichen Hochland

Nachdem wie die Backwaters in Kerala mit verschiedenen Booten erkundigt hatten, folgt ein Abstecher ins Hinterland Keralas. Mit einem Bus fuhren wir zuerst nach Kumily auf rund 1000 Meter ueber Meer. Obwohl ich eigentlich nichts mehr ueber Busfahren schreiben wollte, erlebten wir erneut noch nie Dagewesenes... Zum Einen fuhr der Fahrer ueber die schmale und kurvenreiche Strasse, als saesse ihm der Teufel im Nacken. Zum Anderen war die hintere Tuer des Busses total durchgerostet. Dass niemand waehrend der Fahrt verloren gehen konnte, hat man die Tuer einfach mit Stoffstreifen an den Fensterverstrebungen des vorderen und ruckwaertigen Sitzes befestigt.


Waehrend wir in Kottayam, dem Ausganspunkt der Fahrt noch ueber 30ig Grad hatten und schwitzten, kuehlte sich die Luft im Verlauf immer mehr ab und wir begannen langsam zu froestelen. Irgendwann setzte auch noch ein Nieselregen ein und wir fuhren in der Folge durch mystische Nebelschwaden. Die "bergige" Landschaft ist fuer den Tee und Gewuerzanbau bekannt. Die Huegel um uns erschienen uns teilweise als einzige, riesige Teeplantage!

In Kumily naechtigten wir in einem sogenannten Home Stay. So wohnten wir bei einer Familie im Anbau ihres Hauses. Wir waren also fuer 2 Tage Hausbesitzer! Bobbi (sein vollstaendiger Namen kann sich eben niemand merken), der Sohn der Familie nahm sich sehr viel Zeit fuer uns. Mit einem Freund zusammen, betreibt er zudem noch ein open-air Restaurant mit Musik in der Naehe. Wobei man sich das Restaurant als Tische mit Plasitkstuehlen und einem Dach aus Palmblaettern vorstellen muss. Auch bei den beiden Freunden herrschte traditionell-indische Arbeitsteilung. Der eine war der Kellner, der andere der Koch. Spezialisiert haben sie sich auf Pizza und Pasta, wobei sie sich wirklich mit manchem Italiener messen koennten! Am ersten Abend waren unsere Pizzen aber etwas verpfeffert, aber dafuer waren wir selber Schuld. Denn im "Land wo der Pfeffer waechst" hat er einen deutlich intensiveren Geschmack, als nach monatelangen Transporten bis ins Gestell von MIGROS oder coop!

Auf Grund der andauernden "tiefen" Temperaturen und des gelegentlichen Nieselregens, entschlossen wir uns am naechsten Tag, auf eine Tee- und Gewuertour zu gehen, statt auf Tigerpirsch im nahegelegenen Nationalpark. Mit Bobbi als Guide und einem befreundeten Rikshaw-Fahrer fuhren wir zuerst zu einer Teefabrik.

Das Gebauede der Fabrik stammt aus dem Jahre 1941 und hatte viel britisches, kolonialistisches Flair. In der Fabrik konnten wir die Produktionsschritte des Tee, vom gepflueckten Blatt bis zum fertigen Tee 1 zu 1 mitverfolgen und Bobbi erklaerte uns die einzelnen Schritte nochmals sehr informativ.


Auf der Teeplantage sahen wie die Teepflueckerinnen, es sind ausschliesslich Frauen, bei der Arbeit. Damit sich die Frauen nicht die Haut aufkratzen, wickeln sie Streifen aus alten Reissaecken um Taille und Beine. In Kumily wird der Tee mit einer Art Schere gerntet und nicht von Hand. Aus den Teeblaettern wird nur "Pulver" fuer Teebeutel oder auch den traditionellen indischen Chai hergestellt. Chai hat nicht viel mit unserem westlichen Verstaendnis von Tee gemeinsam, denn er wird mit viel Milch und noch vieeeeel mehr Zucker getrunken. Der bei uns in Mode gekommene Gruentee gilt hier in Indien als Medizin und wird in keinem Restaurant oder Teelokal ausgeschenkt.


Nach dem Besuch der Teeplantage fuehrte uns Bobbi noch durch einen grossen Gewuerzgarten. Interessant war fuer uns, Maenner bei der Pfefferernte zu beobachten. Mit einem Pfluecksack auf dem Ruecken wird der Pfeffer, der als eine Art Efeu um einen Baum waechst, geerntet. Spektakulaer war weniger die Ernte, sondern vielmehr der Bambuspfahl, der als Leiter diente! Bobbi seinerseits machte sich den Spass, uns bei jeder Pflanze, bei jedem Strauch oder Baum nach dem entsprechenden Gewuerz zu fragen. Teilweise hatten wir wirklich keine Ahnung und wir waren total ueberrascht. Bei anderen Pflanzen verriet der Geruch das Gewuerz. Zum Schluss der Tour rochen unsere Haende aber so stark, dass es immer schwieriger wurde, etwas differenziert wahrzunehmen.


Zum Abschluss dieser lehrreichen Tour, besuchten wir noch den Gewuezshop von Bobbis Bruder. Es lockte uns schon sehr, von all diesen herrlich duftenden und frischen Gewuerzen etwas zu kaufen. Da wir aber noch laenger unterwegs sind, war dies leider nicht moeglich. So entschieden wir und fuer die Home-made Chocolate. Auf Grund der zahlreich vorhandenen Kakaobaeume in der Region produziert fast jedes Geschaeft eigene Schokolade, welche zum Teil mit heimischen Mandeln oder Cashewnuessen angereichert werden. Sie schmeckte wirklich sehr lecker und so brachten wir es ueber die Ostertage auf stolze 300 Gramm Schokolade innert 12 Stunden!


Bettina

Donnerstag, 13. März 2008

"Made in India"

Bereits sind wir mehr als ein halbes Jahr unterwegs, haben unterschiedliche Kulturen und Menschen kennengelernt. Die indische Mentalitaet ist aber fuer uns Europaer immer wieder speziell, manchmal auch herausfordernd. Manchmal hassen wir die Art der Inder im gleichen Augenblick wie wir sie lieben oder uns darueber amuesieren.

Zum Einen mussten wir uns an die nonverbale Audruckweise gewoehnen. Das leichte seitliche "Kopfwackeln" bedeutet soviel wie Ja. Als wir in Bhopal ein erstes Mal an einem Nicht-Touristenschalter am Bahnhof ein Billet loesten und die Frau auf unsere Fragen nach der genauen Abfahrtszeit und dem Gleis jeweils mit diesen seitlichen Kopfwackler antwortete, schauten wir uns zuerst nur unglaeubig an. Was nun: "ja oder nein!?" Das Lachen konnten wir uns zum Glueck verkneifen, bis wir die Schalterhalle verlassen hatten.

Ein "Nein" wir hier in Indien oft mit einem Hin- und Herbewegen der flachen Hand angezeigt. In der Schweiz benutzen wir die Geste, um ein "vielleicht" auszudruecken. Man stellt sich nun uns vor unserer ersten Busfahrt am Busbahnhof vor, wenn wir nach einem Bus nach XY fragen und diese Antwort spontan als vielleicht interpretierten, wobei aber natuerlich "nein" gemeint war.

Beim Reisen mit Bus und Zug kommen wir uns manchmal vor wie auf einer Schulreise oder einer Fahrt ins Klassenlager. Denn die Inder draengeln beim Ein- bzw. Aussteigen jeweils so, wie wir es von Primarschuelern kennen. Das Anstehen haben sie von den Englaendern waehrend der Kolonialzeit nicht gelernt. Aber bei mehr als 1,1 Milliarden Menschen, die in diesem Land leben, ist die Angst, vergessen zu gehen oder nicht an die Reihe zu kommen, wohl "genetisch" veranlagt. Um auch einmal einsteigen zu koennen, muessen wir uns einfach in den Weg stellen oder sie unfreundlich mit unseren Rucksaecken wegdruecken. Da wir groesser sind als die meisten Inder, gelingt uns dies meist recht gut. Wir haben sozusagen das Draengeln wieder gelernt- also doch "Bildungsreise"!

Wie in den meisten Laendern auf unserer Reise wird auch in Indien aller Abfall auf den Boden oder aus dem Fenster geworfen. Der Boden der Zuege wird von Zeit zu Zeit von "Wischern" auf den Knien gefegt, die nachher die Passagiere um einen Lohn bitten. Bei den Auslaendern bleiben sie viel laenger und hartnaeckiger stehen und warten oft sehr unangenehm fuer uns auf ein Entgeld. Obwohl die Auslaender wohl jene sind, die am wenigsten Muell produzieren und diesen immer sammeln und mitnehmen!

Auch verhungern oder verdursten muss niemand in einem indischen Zug, alle paar Minuten kommt ein Tee-/Kaffeeverkaeufer und preist mit schriller Stimme seinen Chai oder Kofi (=Kaffee, oder zumindest etwas aehnliches wie...!) an. Auch Verkaeufer mit Bauchladen (Schokolade, Zigaretten, Seifenmuster, Reisezahnbuersten, abgepackte Betelnuesse,...) oder mit indischen Snacks kommen regelmaessig vorbei. Auch Spielsachen werden auf diesem Weg verkauft. Bei den Auslaendern geben sich alle Verkauefer besonders Muehe und paesentieren ihre Waren oft sehr theatralisch, als sei es fuer sie ein Prestigeerfolg, einem "Farang" etwas verkaufen zu koennen oder ihm eben ein Schmunzeln zu entlocken.

Wie schon oefters gesagt, ist das indische Verstaendnis von Hygiene nicht vergleichbar mit unserem. Weil viele Inder zu Hause keine Toilette haben, benutzen sie dazu einfach die Natur oder was sie gerade finden. So sahen wir einmal ein Maedchen, das vor einer der Hoehle von Ajanta, immerhin ein Weltkuturerbe, auf den Boden pinkelte. Dabei hatte es eine offizielle Toilette gar nicht so weit weg. In Puri, einem Ort an der Ostkueste, befindet sich ganz in der Naehe ein Fischerdorf, das mit nur mit Vorsicht zu besuchen ist. Denn die Fischersleute erledigen ihre "Geschaefte" am Strand, ein Haeufchen neben dem anderen. Ansonsten war es sehr interessant, das Treiben in diesem Fischerdorf zu beobachten. Ein andermal reisten wir mit einer vierkoepfingen Famlilie im gleichen Abteil im Zug. Als der Kleine, kanpp vierjaehrige, zur Toilette musste, ging das ebenfalls ganz unkompliziert. Einfach Hose runter und aus dem offenen Zugsfenster pinkeln. Wahrend ihn der Vater an den Hueften festhaelt, dass der Junge nicht noch aus dem Zug faellt. Man lernt ebenfalls als Tourist, sich nie aus dem Fenster eines Zuges zu lehnen!

Das Einkaufen in Indien ist fuer uns natuerlich auch immer ein Erlebnis und dass schon in einem gewoehnlichen Supermarkt wir MIGROS oder coop. Immer kann man dort verschiedene Sorten von Linsen oder Reis offen kaufen. Hier gibt es keine Waage, als Masseinheit dient eine leere Konservenbuechse. Es gibt auch keine strenge Verkaeuferin die daneben steht und Kinder mahnt, welche aus Freude in diesen Tonnen oder Saecken einfach nur rumwuehlen ohne zu kaufen, dann die Erwachsenen machen es hier ebenso!

In Baeckereien oder in Obst- und Gemueselaeden ist der Einkauf jeweils ein wirkliches Erlebnis und wir mussten das Prozedere erst lernen. So waehlt man an der Theke das gewunschte Gebaeck aus und zeigt es der Verkauferin an. Diese nimmt die Produkte aus der Auslage und packt umstaendlich jedes Sueck separat in ein einzelnes Plastiksaecklein. Eine andere Person fuellt dann an der "Produktkasse" oder Waage eine Art Quittung aus. Mit dieser Quittung geht man Richtung Geschaeftsausgang, bzw. -eingang. Dort gibt man den Quittungsbeleg dem Kassier und bezahlt dort die Waren. Nach dem Bezahlen wir die Quittung abgestempelt. Danach geht man mit dem gestempelten Beleg wieder zurueck zur Verkaufstheke im hinteren Bereich des Ladens. Dort gibt man den Beleg der entsprechenden Verkauferin, was wiederum ein andere Person ist, als jene die die Waren einpacken und die erste Quittung aushaendigt! Ihr Job ist es die Quittung erneut abzustempeln und die Waren mit einem Laecheln auszuhaendigen. So arbeiten pro Verkaufstheke immer 3 Personen plus ein Kassier pro Geschaeft. Bei einem Laden mit 3 Theken arbeiten also 10 Personen! Als (ergo)therapeutischer finde ich diese Art von Arbeitsaufteilung natuerlich sehr interessant und auch bewundernswert. Waehrend es im "Reisealltag" aber oft umstaendlich ist. So wird das Einkaufen von 4 Orangen beispielsweise zum fast 20minuetigen "Shoppingerlebnis"!

Da wir in Mumbai als Statisten in einem Film mitwirkten, hatten wir bereits ein erstes Bollywood- Erlebnis. Leider haben wir es bis jetzt noch nie geschafft, in ein Kino zu gehen, um uns einen klassischen Bollywoodfilm anzusehen. Einmal machten wir einen Kinobesuch, sahen uns aber einen westlichen Film in englischer Sprache an. Der Film mit dem Titel "10 000 Jahre bevor Christus" waere normalerweise nicht unser Geschmack. Da wir aber einfach Lust auf indisches Kino hatten und der Eintritt mit 35 Rs (ca. 1 CHF) pro Ticket aeusserst preiswert war (und das fuer ein Balkonticket!), ueberlegten wir nicht zweimal und packten wir die Gelegenheit. Die "Handlung" war natuerlich sehr einfach "gestrickt". Wir haben uns denn auch mehr ab unseren Mitzuschauern amuesiert, denn ob der Handlung. Als der Hauptdarsteller, mutig und spektarulaer mit einem Speer aus Knochen, ein Mammut erlegte, haben die Zuschauer auf den billigeren Plaetzen (= im Parterre, war wirklich so!!!) applaudiert!

Bettina

Sonntag, 9. März 2008

Suedindien

Ueber Suedindien hoerten wir auf unserer Reise nur gutes, alle schwaermten davon, dass die Leute viel freundlicher und das Reisen viel angenehmer sei als im Norden. Tatsaechlich, seit wir im Sueden unterwegs sind, werden wir deutlich weniger belaestigt, die Verkaeufer in den Shops sind weniger aggressiv, die Menschen sind einfach freundlicher und herzlicher. Klar hatten wir auch weniger schoene Erlebnisse, als uns zum Beispiel ein Busschaffner aus dem Bus warf, weil wir zuviel Gepaeck hatten. Doch ein Mann, der das sah, kam uns zu Hilfe und wollte vermitteln. Schliesslich fanden wir einen Bus, der uns trotz Gepaeck mitnahm. Dies war bisher noch nie ein Problem. Was besonders auffaellt, sind die vielen Frauen auf der Strasse. Sei es alleine, in einer Gruppe oder mit ihrem Mann. Im Norden sah man kaum Frauen, hoechstens mit ihrem Mann zusammen. Doch hier sind die Frauen selbstbewusster. Wie im ganzen Land tragen die Frauen einen Sari oder Salwar kamise (langes Oberteil und weite, knoechellange Hosen). Die Maenner tragen vor allem westliche Kleidung, Bundfaltenhosen oder Jeans, dazu ein Hemd, aber man sieht hier auch viele Maenner im traditionellen Wickelrock, Lunghi (bunt) oder Dhoti (weiss).

In den letzten Tagen besuchten wir so bekannte Orte wie Kumbakonam, Kanniyakumari oder Thiruvananthapuram. In Kumbakonam erlebten wir das indische Leben hautnah. Als wir ankamen, regnete es und die Hotels in unserer Preisklasse waren voll, bis wir auf das V.R.P. Hotel stiessen, das von einem schwerhoerigen Mann gefuehrt wird. Das Zimmer war guenstig und mehr oder weniger sauber, wenn man von den zwei Kakerlaken absieht, die ihren Besuch aber nicht ueberlebten. Der Grund fuer unseren Stopp hier waren verschiedene Tempel im und um den Ort. Kulinarisch erlebten wir keine Hoehenfluege, sondern indischen Alltag. Essen in einem Lokal ist primaer Nahrungsaufnahme (Die "Slow Food" Welle ist hier in Indien noch unbekannt!). Unser Reisefuehrer empfahl ein Restaurant, das wir auch aufsuchten. Speisekarte gibt es keine, laut Kellner kann man waehlen zwischen Dosa , Iddly (=gedaempfte Reiskuchen, aehnlich wie Polenta mit "Dipp-saucen") und Puri (=duennes, frittiertes Brot mit "Dipp-Saucen"). Unsere Wahl fiel auf Masala Dosa (eine Art knuspriger Pfannkuchen mit einer Kartoffel-Gemuesefuellung), das ohne Besteck serviert wurde, eben Indianstyle. Der Traum von jedem Kind, essen ohne Besteck. Wobei die Inder natuerlich ausschlieslich und problemlos mit der rechten Hand essen, was uns mehr oder weniger gut gelingt. Meist muessen wir mit der linken Hand nachhelfen. Am zweiten Abend fanden wir dann ein Restaurant mit Speisekarte und Besteck.

Kanniyakumari befindet sich an der Suedspitze Indiens. Hier treffen das arabische Meer, der indische Ozean sowie Golf von Bengalen aufeinander. Der Tsunami 2004 brachte verheerende Zerstoerungen ueber Kanniyakumari, mehrere tausend Menschen starben, vor allem Pilger. Der Uferbereich wurde vollstaendig verwuestet, aber die 40 m hohe Statue des tamilischen Heiligen Thirvalluva auf einer winzigen Insel lag weit genug vor der Kueste, um den riesigen Wellen standzuhalten. Im Gegensatz zu Pangandaran auf Indonesien sieht man keine Spuren der Zerstoerung mehr. Groesste Attraktion einer Reise nach Kanniyakumari ist das Betrachten des Sonnenauf- und untergangs. Leider verhinderten Wolken einen spektakulaeren Sonnenuntergang, aber es war ein spezielles Erlebnis, mit tausenden von indischen Pilgern an den Ufern der Meere zu stehen und mitzuerleben, wie die Sonne langsam untergeht. Der Sonnenaufgang war dann einiges aufregender. Erneut war das Ufer gesaeumt von Pilgern, was uns doch ziemlich ueberraschte. Es waren sogar mehr als beim Untergang. Beim Auftauchen der Sonne am Horizont hoerte man aus manchen Kehlen einen Schrei der Entzueckung. Einzelne Pilger nutzten das Meer fuer rituelle Waschungen.

Thiruvananthapuram (zehn Mal schnell hintereinander aussagen! und dann auswenig nach einer halbem Stunde!), auch bekannt unter dem namen Trivandrum, ist die Hauptstadt des Bundesstaates Kerala. Die Bewohner von Kerala sind stolz darauf, dass hier der erste kommunistische Ministerpraesident der Welt vom Volk gewaehlt wurde. Kommunisten werden ja sonst nicht gewaehlt. In den Strassen sieht man immer Hammer und Sichel, sei es auf Fahnen oder (legal) aufgesprueht an Hauswaenden. Auch Plakate mit dem Konterfei von Che Guevara waren allgegenwertig, weil gerade eine Konferenz der kommunistischen Partei stattfand. In Kerala sind ein Drittel der Bevoelkerung Christen, nur in Goa hat es prozentual mehr Christen. Hier fanden wir wieder einmal einen Supermarkt nach westlicher Art. Dies nutzten wir zu einem ausgiebigen Shopping und erstanden unter anderem einen halben Liter Glace, den wir uns wegen der Hitze umgehend auf der Treppe vor dem Geschaeft genehmigten. Ansonsten hat die Stadt Thiruvananthapuram selber nicht sehr viel zu bieten, sondern ist ein Sprungbrett zu schoenen Straenden in Varkala und Kovalam oder zum dem, was einem bei Kerala als erstes einfaellt, den Backwaters.

Davon berichten wir spaeter.

Patrik

Samstag, 23. Februar 2008

Zwei Schweizer auf Pilgerreise

Von Puri fuhren wir mit einem Tages-Nachtzug nach Tirupati, einem Wallfahrtsort der Hindus. Insgesamt waren wir gut 28 Stunden unterwegs, mit einer laeppischen Verspaetung von einer halben Stunde. Fuer die 1231 km lange Fahrt bezahlten wir den Spottpreis von 1062 Rs. (etwa 30 Fr.). Eigentlich wurde uns beschieden, dass der Zug ausgebucht sei, aber es gibt da noch verschiedene Quoten, von denen wir profitieren konnten. Da gibt es einmal die tourist quota, hier werden Sitzplaetze und Betten fuer Touristen zurueckgehalten. Wir dagegen griffen auf die Tatkal-Tickets zurueck. Der Haken an dieser Regelung ist, dass man den ganzen Ticketpreis bezahlen muss sowie einen Zuschlag von 150 Rs. Fuer uns genau richtig, da wir sowieso die ganze Strecke fahren. Was uns ein bisschen stutzig machte war der Umstand, dass diese Tickets erst am Abfahrtstag ausgegeben werden koennen. Geht der Zuschlag wohl in die Tasche des Schalterbeamten? Uns egal, waren wir froh die Nahkampfzone Bahnschalter mit Erfolg verlassen zu koennen.

In Konark, knapp 33 km von Puri entfernt, fand waehrend unserer Anwesenheit ein Dance & Music Festival statt. Bzw. wir aenderten unsere Plaene so, dass wir den ersten Tag mitverfolgen konnten. Dies hat sich absolut gelohnt, denn die Taenze in Orissa gehoeren klar zu den Highlights kultureller Veranstaltungen. Organisatorisch hatte die Veranstaltung zwischendurch das Niveau einer Schuelerauffuehrung, aber kuenstlerisch war es erste Klasse. Als wir zwei Stunden vor Beginn auf dem Gelaende aufkreuzten, wurden gerade die Ornamente am Eingangsbogen festgeklebt. Auch ueber die Anfangszeit gab es grosses Raetselraten. Offiziell hiess es 6.45 pm, doch wir hoerten auch 5.30 pm oder 7 pm. Die Laenge der Auffuehrungen wurde mit 2 Stunden angegeben, tatsaechlich dauerte es dann knapp dreieinhalb Stunden. Die Ehrungen der Organisatoren und Goenner mit Schals, Gedenktafeln und einer Blume in Glitzerfolie nahm viel Zeit in Anspruch. Die Taenzerinnen und Taenzer waren sehr ausdrucksstark, anmutig, aber auch sehr dynamisch und athletisch. Auch ein Tablaspieler zeigte uns einen kleinen Einblick in sein Repertoire. Eher in die Abteilung Pausenunterhaltung gehoerten die Dankesreden der Kuenstler auf Englisch.

Wie wir gelesen haben, gilt Tirupati als groesster Pilgerort der Welt. So zieht er beispielsweise mehr Glaeubige an als der Vatikan oder der muslimische Pilgerort Mekka. Jeden Tag treffen mehrere 10'000 Hindus ein, welche zum Venkateshvara Tempel (auch Sri Vari genannt) auf den Tirumala Hill pilgern.

Bereits am Bahnhof fielen uns die vielen Menschen auf, die schlafend, doesend oder sitzend mit "Sack und Pack", "Kind und Kegel" auf einen Zug warteten. Soeben angekommene Pilger hasteten mit ihrem Gepaeck meist zu einem Bus, der sie direkt zu einer Pilgerherberge auf dem Tirumala bringt. Auf Grund unserer Erfahrungen in Pilgerherbergen vor drei Jahren in Amritsar entschlossen wir uns, ein Hotel im Ort zu suchen. Dies war wiederum gar nicht so einfach, obwohl es ein sehr grosses Angebot an Unterkuenften in Tirupati gibt. Aber fuer uns Westler etwas passendes aus dem Angebot von spartanischem, feuchtem "Kellerloch" ohne Fenster, ueber Schmuddelzimmer, wo die Bettwaesche wahrscheinlich nur einmal im Monat gewechselt wird bis hin zu teuren Luxushotel mit Privatbutler auszuwaehlen, war wirklich gar nicht so einfach.

Noch am Abend wollten wir uns ueber die Besucherbestimmungen fuer den Tempel erkundigen, da die Angaben im Reisefuehrer fuer einmal minimal waren. Dies war wiederum ein spezielles Unterfangen, in einer Stadt, wo die meisten Menschen nur einen indischen Dialekt und die Nationalsprache Hindi sprechen. Schliesslich fanden wir in einer riesigen Pilgerherberge einen Angestellten, der uns das System des Dasham Ticket verstaendlich erklaeren konnte. Mit diesem Ticket kann man ein stundenlanges Anstehen vor dem Haupttempel vermeiden. Der Haken an diesem Ticket ist nicht sein Preis (50 Rs), sondern die Ausgabe. An drei Orten in der Stadt kann das Ticket ab fuenf Uhr morgens erworben werden. Wenn die etwa 10'000 Tickets weg sind, gibt es fuer diesen Tag keine weiteren mehr. Wie bei einem Konzert. Normalerweise sei dies so gegen 8.00 Uhr der Fall. Auf dem Rueckweg zum Hotel wollten wir uns den Schalter beim Bushof anschauen, damit wir ihn auch schlaftrunken finden.

Der Weckdienst im Hotel funktionierte, um halb fuenf haemmerte es an unsere Tuer, so als wollte er gleich das ganze Hotel wecken. Als wir fuenf Minuten spaeter immer noch im Zimmer waren, wurde erneut gegen die Tuer gehaemmert. Kurz vor fuenf Uhr erreichten wir den Ticketschalter und reihten uns ein. Lange bewegte sich nichts, zehn Minuten, fuenfzehn, zwanzig, die ersten Pilger verlassen die Schlange und versuchen ihr Glueck an einem der anderen zwei Schalter, fuenfunzwanzig Minuten, eine halbe Stunde. Ein Offizieller kommt aus dem Buero und sagt etwas. Da ich nur das Wort Computer verstehe, fragen wir unsere Nachbarn vor uns. Sie haetten ein Computerproblem, die Ticketausgabe verzoegert sich noch. So gegen sechs Uhr kam Bewegung in die Schlange und es ging vorwaerts. Doch bis wir unsere Tickets in den Haenden hatten, dauerte es nochmals einen gute Stunde. Einige der Pilger hatten schon beim Betrachten des Tickets einen seeligen Blick. Wohl so aehnlich, wie Teenager beim erfolgreichen Kauf eines Tokio Hotel Tickets oder die ein bisschen aelteren fuer ein Robbie Williams Konzert. Beim uns stellte sich beim Betrachten des Papieres kein spezielles Gefuehl ein, am ehesten noch Erleichterung, dass wir nun fruehstuecken koennen. Bei der Ausgabe wird man fotografiert und haelt die Spitze des Zeigefingers auf ein blinkendes Kaestchen. Fuer was das gut sein soll?

Tirumala, das man entweder mit dem Bus oder ueber den vierstuendigen Pilgerweg erreicht, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer eigenen Stadt mit Hotels, Pilgerherbergen, Restaurants, Shops mit allem moeglichen Pilgerbedarf. Aber auch eine Schule und ein Spital hat es dort. Besonders eifrige Pilger lassen sich den Kopf scheren, weil dies ein Zeichen von Froemmigkeit ist. Was uns besonders ueberraschte war, dass sich auch Frauen den Kopf scheren lassen. Ein spezielles Bild, eine indische Frau ohne ihr praechtiges schwarzes Haar, sondern mit einer Glatze. Aber auch die Haare von Kindern mussten dran glauben. Dass es die Friseure mit dem Rasieren nicht so genau nehmen, bezeugen die vielen Wunden an den Koepfen. Kein Wunder haben die Hut- und Kappenverkaeufer die groessten Staende.

Auf dem Ticket steht die Zeit, wann man sich beim Tempel einfinden soll. Eine Stunde vor dieser Zeit kann man herein, nicht frueher, wie wir feststellen mussten. Um den Tempel betreten zu koennen, muss man alle elektronischen Geraete und auch die Schuhe abgeben. Als wir die Kamera und Mobiles abgeben wollten, fummelte der am Schalter in meiner Kameratasche herum. Aus Reflex klopfte ich ihm auf die Finger und er arbeitete dann weiter, wie wenn nichts geschehen waere. Ist also ueblich so und ich musste mich nicht entschuldigen. Barfuss gings dann weiter Richtung Tempel. Zuerst einmal durch eine Slalomabschrankung, bevor wir nochmals abgetastet wurden, erst danach erreichten wir den Tempel. Wobei es vorlaeufig einmal durch verwinkelte Gaenge ging, die auf der Seite mit Gittern abtrennt waren. Wir fuehlten uns wie Tiger die in die Zirkusmange gefuehrt werden. Sicher nichts fuer Leute mit Klaustrophobie. Nach etwa zehn Minuten wurde unsere Schlange, in der sich die meisten anstaendig benahmen und nicht draengelten mit einer anderen Menschenschlange zusammengefuehrt, die wohl ohne Ticket anstanden. In dieser Schlange wurde deutlich mehr gedrueckt und geschoben. Zusammen ging es Treppen rauf, dann wieder runter (immer noch im "Gitterkanal"!), vorbei an fliegenden Haendlern mit Getraenken (guter Geschaeftssinn), alle Gepaeckstuecke wurde nochmals geroengt (doch niemand schaute auf die Monitore), erst dann erreichten wir den eigentlichen Tempel. Bereits vor dem Anblick der Vishnustatue im zentralen Heiligtum waren einige Pilger um uns herum der Extase nahe. Doch Tempeldiener verhinderten, dass Glaeubige zu lange vor der Statue verharren und zerren uns an den Armen weiter. Danach haetten wir noch weitere Tempel besichtigen koennen, doch wir hatten fuer heute genug. Der Weg zum Ausgang fuehrt noch an den Spendenschalter vorbei. Welche moderner ausgeruestet waren als so manche Bank! Auch hat Tirumala wohl die hoechste Dichte an Bankomaten von ganz Indien. Auch auf das "Abendmal" und die abschliessende Gratismahlzeit, was allen Pilgern abgegeben wird, verzichteten hoeflich. Wobei wir einen Teil des Abendmals an unseren Fuessen klebend mit ins Hotel nahmen. Denn das Haeufchen des suessen Ginger-Klebreises, war wohl nicht jedes Pilgers Geschmackssache, sodass die naechsten 20 Meter nach der Ausgabe eine ziemlich klebrige Angelegenheit waren.

Die Vishnufigur im Venkateshvaratempel sieht ein bisschen aus wie Darth Vader aus Star Wars. Bereits fuer die Figuren von South Park holte sich Hollywood die Inspiration in Indien, naehmlich beim schwarzgesichtigen Gott Jagannath und seinen Geschwistern Balabhadra und Subhadra, die besonders in Orissa sehr beliebt sind.

Patrik und Bettina

Montag, 11. Februar 2008

Varanasi - heilige Stadt am Ganga

Varanasi, die heiligste Stadt der Hindus, ist Ziel vieler Pilger, um an den steinernen Ghats (Treppen) ihre rituellen Waschungen im Gangeswasser durchzufuehren. Die Stadt ist eine der aeltesten ununterbrochen bewohnten Staedte der Welt. Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. steht sie im Mittelpunkt der hinduistischen Glaubenswelt. Der Fluss Ganges wird als wohltaetige Goettin Ganga personifiziert. Der Ganges gilt als amrita, jenes Elixier, das den Lebenden Reinheit und den Toten Erloesung bringt. Hier zu sterben und verbrannt zu werden, eroeffnet Zugang zum svarga (Himmel) und bringt Erloesung vom Kreislauf der Wiedergeburt. Deshalb kommen viele aeltere Menschen zum Sterben hierher. Doch die vielen Schwermetalle lassen ein Bad keinesfalls ratsam erscheinen. Dazu kommen die menschlichen Ausscheidungen und die ungeklaerten Abwaesser weiter flussaufwaerts gelegener Fabriken. Ob sterilisiertes Gangeswasser noch die Kraft hat, von Suenden zu reinigen, ist umstritten. Derzeit ueberwiegt die Meinung, dass Abkochen zulaessig ist, nicht jedoch eine chemische Behandlung.

Varanasi ist der einzige Ort, den wir in Indien besuchen werden, welchen ich bereits auf meiner ersten Indienreise vor elf Jahren bereiste. Es gibt wohl kaum einen vergleichbaren Ort auf der Welt. Das Gewuehl in der Altstadt mit seinen schmalen Gassen, wo man sich an Kuehe vorbeidraengen muss, das rege Treiben an den Ghats und die internationales Atmosphaere in den Hotels und Restaurants. Wir sind im gleichen Hotel bzw. Rest House abgestiegen wie vor elf Jahren. Es ist wie eine ruhige Oase hoch ueber den Ghats mit einem schoenen Innenhof und Dachterrasse. Ein guter Ort, um sich von der Hektik zu erholen.

In der Altstadt sind die Gassen etwa eineinhalb, manchmal etwas schmaler oder breiter. Klar, dass Rikschas in diesem Bereich nicht erlaubt sind. Weniger klar ist aber fuer uns, warum Fahrraeder und sogar Motorraeder erlaubt sind. Immer wieder hoert man ein Hupen hinter sich, weil ein Motorrad ueberholen moechte. Dies ist gar nicht so einfach, da man als Fussgaenger darauf achten muss, nicht in einen der vielen Kuhflaeden zu treten. In keiner Stadt hat es wohl so viele Kuehe, Stiere und Wasserbueffel wie hier. Da von den Kuehen viele schwanger sind, ist das Passieren der Tiere doppelt schwierig. Auch gilt es auf allfaellige unerwartete Bewegungen des Kopfes zu achten. Doch die Tiere sind viel ruhiger als unsere Kuehe, da sie nur das Leben in der Stadt kennen. Dank ihnen gibt es hier kaum Ratten, denn sie fressen alle organischen und manchmal andere Abfaelle. In diesen Gassen befinden sich unzaehlige kleine Shops, an denen vor allem Bettina ihre Freude hat. Im Gegensatz zu unseren Erwartungen sind viele Besitzer gar nicht aufdringlich und lassen einem mehr oder weniger in Ruhe herumstoebern. Schon mehrmals sind wir aus Shops oder von Staenden davongelaufen, als die Besitzer zu aufdringlich wurden.

Entlang des Ganga befinden sich unterhalb der Villen, Palaeste und Tempel aus dem 18. und 19. Jahrhundert die Ghats. Jede der etwa 100 kleineren oder groesseren ghats besitzt einen Lingam (Phallussymbol, mit dem Shiva identifiziert wird). Jedes Ghat hat fuer die Glaeubigen eine spezielle Bedeutung. Manche sind im Zerfall begriffen, andere geniessen regen Zulauf. Neben den Pilgern saeumen auch Dhobiwallahs (Waescher) die Ghats. Wer schon einmal einem indischen Waescher zugeschaut hat, ueberlegt sich zweimal, ob er seine Waesche wirklich einem Dhobiwallah anvertrauen soll. Zuerst wird die Waesche im Gangeswasser aufgeweicht, dann mit Seife eingeschaeumt und wieder ausgewaschen. Danach wird die Waesche im wahrsten Sinne des Wortes weichgeklopft:mit Schwung wird das gute Teil auf einen grossen, flachen Stein geknallt, um den Dreck herauszuschleudern. Zum Trocknen wird die nasse Waesche auf die Treppen, ein Gelaender oder die "Wiese" gelegt. Ein Buegler versieht jedes Teil mit messerscharfen Buegelfalten. Dazu benutzen sie teilweise um allfaelligen Stromausfaellen zu trotzen Buegeleisen mit heissen Kohlen.

Das wichtigste Krematorium Varanasis ist das Manikarnika Ghat. Normalerweise liegen Verbrennungsstaetten vorborgen am Stadtrand, nicht so in Varanasi. An der Ghat finden rund um die Uhr Einaescherungszeremonien statt, durchschnittlich 200 pro Tag. Doms, die unberuehrbaren Totenwaechter, bauen einen Scheiterhaufen auf. Je nach Vermoegen des Verstorbenen ist dieser mehr oder weniger hoch. Auf einer Bahre wird der in einem Leinentuch verpackte Leichnam, geschmueckt mit Goldfolie und orangen Ringelblumen, zum Ganges getragen, um ins heiligen Wasser getaucht zu werden. Der aelteste Sohn hat sich den Kopf und Schnauz (fast alle Maenner tragen einen Schnauz, der traditionellerweise erst nach dem Tod der Eltern rasiert wird) rasieren lassen und ein weisses Leinentuch um die Huefte und die Schultern angezogen. Ihm gebuehrt die Ehre, den Scheiterhaufen mit heiligem Feuer aus einem Shivatempel in Brand zu stecken. Nach drei Stunden ist der Leichnam verbrannt und die Asche wird in einem weiteren Ritual dem Ganges uebergeben. Am Ghat gehen noch weitere Maenner ihren fuer uns kaum vorstellbaren Berufen nach: sie durchsuchen die Asche des Scheiterhaufens nach (Zahn-) Gold und Silber. Kinder, schwangere Frauen und arme Menschen werden nicht verbrannt, sondern in einem mit Steinen beschwerten Sack direkt dem Fluss uebergeben. Manchmal reichen die Steine nicht aus, um den Leichnam absinken zu lassen.

Neben den Ghats bietet Varanasi eigentlich keine touristichen "Highlights". Im Sueden der Stadt liegt das Fort Ramnagar, das ein typisch indisches Museum beherbergt. Lieder war es nicht erlaubt, zu fotografieren. Nicht, dass die Ausstellungsstuecke besonders erwaehnenswert waeren, interessant ist der Zustand der Objekte. Zu Beginn des Rundgangs standen ein paar Kutschen und Oldtimer, von den Besuchern durch ein Gitter abgetrennt. Sie waren voller Staub, in einer Windschutzscheibe sah man einen Durchschuss von einer Kugel, ein Hinterreifen war platt, bei einem der alten Auto fehlte der Kuehlergrill und die Scheiben der Frontlichter. Den groessten Teil der Sammlung nimmt wie ueblich die Waffenausstellung ein. Gewehre, Duellpistolen, Dolche, Saebel, Lanzen, ein Mann in Uniform mit Gasmaske, ... waren zu betrachten. Aus unserer Sicht der Hoehepunkt waren die ausgestopften Tiere: ein Krokodil, ein Tigerfell und ein asiatischer Baer. Der Panzer des Krokodils blaetterte am Ruecken ab, das Tigerfell hatte bedenklichen Haarausfall und der Baer hatte an den Vorderbeinen ueberhaupt keinen Pelz mehr. Den Schluss bildeten Gemaelde der Maharadschas. Da die Inder alles anfassen, sind die Bilder hinter Glas, wobei sie Restenglas benutzten, auf dem die Markierungen der Glasfabrik noch sichtbar waren.

Da der Fussmarsch zurueck zu unserem Hotel ueber eine lange Bruecke und dann ueber eine Kuhweide fuehrt, wollten wir mit einem Boot zurueckfahren. Nachdem wir den Preis ausgehandelt hatten, wurde uns ein alter, zerbrechlicher Mann mit einem Boot fuer 20 Personen zugewiesen. Oft fuehrt an Rikscha- oder eben Bootsstaenden der einzige, der Englisch spricht die Verhandlung und teilt dann zu. Schon bald stellten wir mit Entsetzen fest, dass der alte Mann viel zu wenig Kraft fuer das grosse Boot hat, zumal es gegen die Stroemung ging. Er griff nicht zu den Rudern, sondern nahm eine lange Stange und versuchte uns am Ufer entlang stossend fortzubewegen. Dies ginge eigentlich noch, wenn nicht sein Stoehnen gewesen waere, das sich wie die letzten Atemzuege anhoerten. Zum Glueck fanden sich dann ein Mann (schwarze und verfaulte Zaehne!) und ein Knabe (strahlend weisse Zaehne!), welche die Hauptarbeit uebernahmen, waehrend sich der Alte (keine Zaehne!) am Heck sitzend aufs Steuern beschraenkte. Wir taten auch unseren Teil, um die Ruderer zu erloesen und nannten ein naeheres Ziel. Selbstverstaendlich gaben wir den vereinbarten Preis sowie ein Bakschisch. Auf dem Rueckweg entlang der Ghats wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir ein Boot mieten moechten, doch unser Bedarf fuer den Tag war mehr als gedeckt.

In Varanasi findet man allerlei kulinarische Leckerbissen, vor allem wurde unsere Sehnsucht nach Kaese ein bisschen gestillt. In der Braown Bread Bakery hatten wir sogar ein Kaesefondue! Das mit einheimischem Kaese zubereitete Fondue schmeckte uns besser als manches Fondue, das wir in der Schweiz hatten. Diese Baeckerei hat ueber 30 Kaesesorten im Angebot, alles einheimische Produkte, jeodch mit internationalen Namen. Die Schweiz war mit Emmentaler, Gruyere und Swissly (war Tilsiter) vertreten. Beim Emmentaler fehlten jedoch die Loecher! Das Fondue kostete den stolzen Betrag von 150 Rs. pro Person. Sind zwar nur knapp 6 Fr., doch dafuer koennen wir in einem guenstigen indischen Lokal beide mit Vorspeise und Getraenken essen. Auch sonst haben wir in keiner indischen Stadt so gut gegessen wie in Varanasi, ebenso konnte der Koffeinspeicher (Espresso, Latte Macchiato,...) wieder einmal nachgefuellt werden.

An unserem Abreisetag fand eines der zahlreichen Hinufestivals statt. Bereits vorher wurden in einigen der Gassen Puppen aus Pepiermache einer Goettin aufgestellt und reich verziert. Unter dem Klang von Trommeln trugen meist junge Maenner die Puppen zum Fluss, wo sie auf ein Boot verladen wurde. Dabei brachen bei der einen oder anderen Figur schon einmal eine Verzierung ab. Gleichzeitig liessen sich viele Paare an diesem Tag vermaelen. Der Braeutigum trug, wenn er es sich leisten konnte, die Kleidung eines Maharadjas. Den entsprechenden Turban trugen auch die anderen Heiratswilligen. Die Braut war reich geschmueckt, mit Henna bemalten Haenden und Fuessen, versteckte ihr Gesicht gern hinter einem Schleicher. Auffallend war bei einigen Paaren der Altersunterschied zwischen Braeutigam und Braut. Wegen der Festlichkeiten hatten wir dann Muehe, aus der Altstadt zum Bahnhof zu kommen, da die Strassen noch verstopfter waren als sonst. Doch unsere Aufregung war umsonst, weil unser Zug mit dreistuendiger Verspaetung eintraf, die wir frierend auf dem Perron verbrachten. Unser Ziel erreichten wir zwanzig Stunden spaeter, mit fuenf Stunden Verspaetung. That's India!

Patrik

Montag, 4. Februar 2008

Englisch fuer Anfaenger...

Eigentlich wollte ich ja waehrend unserer Reise auch meine Englischkenntnisse verbessern. Wenn wir nicht gerade mit Schweizern, Deutschen oder Oesterreichern unterwegs sind, bietet sich fuer uns wirklich die Gelegenheit dazu. Waehrend dies mit der einheimischen Bevoelkerung der Laender, die wir bis anhin bereisten, nur selten wirklich moeglich ist. Hier paktizieren wir Drei- bis Vierwortsatz Englisch, welche oft fern von jeden grammatischen Regeln und Grundsaezten ist. So vesteht das korrekte "How long does it takes to..." niemand. Wenn wir aber mit "How many hours to..." fragen bekommen wir meist die richtige Antwort. Generell ist es fast besser, wenn man begrenzte Englischkenntnisse hat, um mit den Einheimischen zu sprechen, da man einfachere Woerter und Redewendungen benutzt, welche sie besser verstehen koennen.

Im Norden Thailand trafen wir ein anderes schweizer Paar. Mit ihnen machten wir am naechsten Tag einen Ausflug mit einem gemieteten Taxis. Nach einigen Minuten Fahrt wollte Fabienne dem Fahrer erklaeren, dass er bei naechster Gelegeheit anhalten soll, da sie zur Toilette muesse. Der Fahrer verstand "Bahnhof" und schaute sie immer wieder unglaeubig an, waehrend sie ihre "Notlage" immer weiter erklaerte. Schliesslich sagte ich zum Fahrer "Stop-toilet-please!" Der Fahrer verstand sofort und nickte freundlich "Oh, yes,yes".

Das indische Englisch, dass hier von vielen Indern in Hotels oder Restaurants praktiziert wird, kommt oft sehr foermlich daher. So sprechen uns die Inder oft mit "Sir" oder "Mam" an. Wir kommen uns dabei extrem alt vor! Auch treffen wir hier praktisch staendig auf Leute, die mit uns ins Gespraech kommen moechten und es meist sehr direkt mit "Hello my friend" oder Patriks geliebten "Hello brother" versuchen. Meist kommt danach die Aufforderung in einem Geschaeft etwas zu kaufen, eine Rikshaw zu nehmen o.ae. Generell sind die Inder einfach neugierig und spontan. So fragen sie meist nach der Begruessung nach dem Herkunftsland ("Which country from?" oder aehnlich), nach dem Beruf, dem Einkommen und dem Familienstand. Es mag wohl fuer viele sehr aufdringlich klingen, was es fuer uns manchmal auch ist, Unbekannte so direkt anzusprechen. Doch die Inder versuchen mit diesen Fragen, den fuer sie wichtigen, gesellschaftlichen Stand des Gegenuebers zu bestimmen.

Auch das geschriebene Englisch der Speisekarten in den Restaurants ist oft sehr amuesant. Machmal muessen wir auch raten, was wirklich gemeint ist. Oft koennen die Restaurantbesitzer kein Englisch und irgendjemand schreibt ihnen die Namen die Gerichte dann handschriftlich vor und dies wird dann abgeschreiben. So kommen es dann vor, dass ein unschoenes a als d interpretiert wird usw... Hier ein paar spezielle Menuevorschlaege oder "Snaxs":
- Peene with overgien
- Peene Napalitana
- Meacroni Creemi Cheese Souce
- Race Plate
- Pienapel
- Potototamato Curry

oder wie waere es mit folgenden Drinks oder eben "Cock Tails"
- Manago Saka
- Gin Fix
- Long is Land Tea

Alles klar...?!?
und guten Appetit wuenscht Bettina

Busfahren in Indien

Eigentlich wollten wir nichts mehr uebers Busfahren scheiben, da wir uns diesbezueglich schon ein paar Mal berichtet haben. Doch auch hier in Indien gibt es immer wieder Neues und zum Teil Amuesantes zu berichten. Die oeffentlichen Busse hier sind hier ohne Ausnahme uralt. Doch solange der Motor laeuft, ist das Fahrzeig einsatzfaehig. Eine zerbrochene Heckscheibe wird einfach mit einem Tuch repariert. Fehlende Steitenfenster sind an der Tagesordnung. Das Gepaeck wird oft auf dem Dach transportiert, da die Gepaecksfaecher durchgerostet sind, sodass das Gepaeck auf die Strasse fallen wuerde.

Meist setzen wir uns ganz hinten in den Bus auf die letzte Sitzreihe. Die Inder draengeln sich meist um die vordersten Sitzplaetze. Manchmal fuehlen wir uns ob dieser Mentalitaet oft wie auf einer Schulreise! Zu hinterst im Bus hat man meist am laengsten bequem Platz. Einmal wurden uns aber explizit die vordersten zwei Sitze hinter dem Fahrer angeboten. Dies hatte in der Folge auch seine Berechtigung, welche wir bei der naechsten Haltestelle feststellen konnten. Da es der letzte Bus am Tag war, musste er einfach alle wartenden Fahrgaeste mitnehmen. Als der Bus nach etwa 20 Minuten weiterfuhr, waere der Ausdruch "Sardinenbuechse" passender gewesen. Mit nur einigen Fingern hielten sich die Menschen zum Teil an einer Stange, am Nachbarn,... fest um nicht aus dem Bus zu fallen...

Ein andermal erlebten wir einen Gefangenentransport mit. Denn Polizeiautos scheint es auf dem Land nicht zu geben, so nimmt man eben auch den Bus. Ein etwas korpulenter Polizist in Uniform stieg mit einem Gefangenen in Handschellen in den Bus und setzte sich auf die Bank neben uns. An den Handschellen war ein dickes Hanfseil geknotet, so hatte der Polizist den Gefangenen buchstaeblich an der Leine. Waehrend der Gefangene die Busfahrt verschlief, betrachtete der Polizist interessiert die Bilder in unserem Reisefuehrer...

A propos Polizei: Heute haben wir in der Zeitung gelesen, dass auf einen Polizeiposten sechs Gewehre gestohlen wurden. Dies war moeglich, da die fuenf diensthabenden Beamten zu dieser Zeit geschlafen hatten! So viel zum Thema Stress bei der Arbeit!

Offizielle Toilettenstopps von Bussen gibt es hier in Indien nicht. Muss der Bus aus irgend einem Grund halten, wird einfach ausgestiegen und das entsprechende "Geschaeft" erledigt. Es wird nicht noch lange nach einem Baum oder Gebuesch gesucht. Diesbezueglich haben die Inder keine Hemmungen. Uns "Westlern" bleiben da eigentlich nur zwei Moeglichkeiten, zum Einen jede Hemmungen verlieren oder seine Blasenmuskulatur zu trainieren.

Bettina

Freitag, 1. Februar 2008

Kaeltewelle in Indien

Nordindien wird im Moment von einer Kaeltewelle heimgesucht und wir stecken mitten drin. In Mumbai wurden die tiefsten Temperaturen gemessen seit 45 Jahren und in Delhi bekamen die Schueler schulfrei. Kaeltefrei statt hitzfrei!

Eigentlich wollten wir gar nicht so weit in den Norden reisen, doch als wir auf der Karte sahen, dass er nur 500 km nach Agra sind, entschieden wir uns dafuer, den 2005 wegen gesundheitlichen Problemen verschobenen Ausflug nach Fatehpur Sikri nachzuholen. So buchten wir von Bhopal einen Nachtzug nach Agra, um von dort mit einem Lokalbus nach Fatehpur Sikri zu fahren. Bereits in Bhopal war es nach Sonnenuntergang ziemlich kalt, waehrend des Tages lagen die Temperaturen im angenehmen Bereich. Abends waren lange Hosen, Socken, Schuhe und Jacke angesagt! Das in Zentralindien, wer haette das gedacht. Eigentlich wollte ich meine langen Hosen nach dem Trekking in Myanmar verschenken, was ich jetzt bitter bereut haette. Der Zug fuhr puenktlich ab, da Bhopal der Startbahnhof ist. Indiens Bahn besteht groesstenteils aus Breitspurlinien und so sind auch die Wagen breiter als bei uns. In einem Schlafwagen hat es pro Abteil wie bei uns drei Betten uebereinander, daneben hat es auf der Stirnseite nochmals zwei Betten, die aber ein bisschen kuerzer sind. Dies waren uebrigens unsere zwei Betten. Etwas habe ich noch nicht erwaehnt, was wichtig ist: der ganze Wagen ist offen. Das heisst, die Abteile sind nicht voneinander abgetrennt! So hoert man das Schnarchen oder die lauten Abwinde der 71 Mitreisenden die ganze Nacht. Decken oder Kissen muss jeder selber mitbringen, so machten die Wolldecken mehr als die Haelfte des Gepaecks der indischen Passagiere aus. In unserem Wagen waren wir die einzigen westlichen Touristen.

Der Zug haette um 4.35 Uhr in Agra ankommen sollen. Als wir mit Sack und Pack um halb fuenf Uhr dem Ausgang zusteuerten, sahen wir auf dem Bahnhofsschild Gwalior stehen und nicht Agra. Einer der hereinkommenden Fahrgaeste meinte, dass wir Agra in eineinhalb bis zwei Stunden erreichen wuerden . Wenn wir das gewusst haetten, waere es eine laengere Nacht geworden. Aber so sassen wir frierend auf unseren Betten, hofften, bald in Agra anzukommen. Die Fenster lassen sich nicht ganz schliessen und auch sonst zieht es durch viele Ritzen. Zum Glueck kam niemand auf die Idee, die Ventilatoren einzuschalten.

Ziemlich durchgefroren erreichten wir dann zwei Stunden spaeter Agra, fuhren mit einer Autorikscha zum Bushof, wo ein klappriger Bus nach Fatehpur Sikri auf uns wartete. Dieser Bus hat mindestens schon zwei Busleben hinter sich. Fuer die 40 km brauchte er etwa eineinviertel Stunden, was recht schnell ist. Mehrmals fuhren wir so ueber Bodenwellen oder durch Schlagloecher, dass es uns von den Sitzen hob.

Die Geisterstadt Fatehpur Sikri war Hauptstadt unter dem Mogulskaiser Akbar, erbaut zwischen 1569 und 1585. Als sich 1600 herausstellte, dass die Wasserversorgung nicht ausreichend war, verlegte Akbar den Hof und seither ist die Stadt verlassen. Dank unfangreichen Restaurierungsarbeiten der Briten vor der Unabhaengigkeit ist die Anlage gut erhalten. So richtig waermten wir uns an dem Tag nicht auf, denn die Sonne hatte grosse Muehe, sich gegen den Nebel und die Wolken durchzusetzen. Ausnahmsweise hielten sich die indischen und westlichen Touristen die Waage. Den Indern war es wohl zu kalt. So wurden wir den ganzen Tag nur einmal um ein Foto gebeten. Welche Wohltat.

Neben dem Palast befindet sich eine grosse Moschee, die Jami Masjid (viele Moscheen heissen so, das bedeutet Freitagsmoschee). Dort wurden wir viel staerker belaestigt, vor allem die "Schuhhueter" wollten uns nicht ohne Tipp gehen lassen. Erst nach den Hinweisen, dass die Inder auch nicht zahlen und "No ticket, no money", liessen sie uns zaehneknirschend ziehen. Auch Bettler sind Auslaendern gegenueber viel hartnaeckiger als zu ihren Landsleuten. Oft sind es Kinder, die uns regelrecht verfolgen.

In unserem Hotel fand an diesem Tag die Ringzeremonie, Teil einer Hochzeitsfeier, statt. Wir waehlten wohl einen unguenstigen Zeitpunkt fuer unsere Rueckkehr, denn wir wurden sogleich vom Hotelmanager zu unserem Zimmer gefuehrt. Da es im Zimmer kaelter war als draussen, spazierten wir durch den Markt, wo wir natuerlich freudig begruesst wurden. Auf dem Rueckweg spuerten wir sogar ein paar Regentropfen. Jetzt auch noch Regen, das wird ja immer besser! Vorlaeufig blieb es bei ein paar Tropfen, spaeter sollte es noch richtig regnen. Also fluechteten wir in ein gedecktes Dachrestaurant, von wo wir einen tollen Blick auf das Marktgeschehen hatten.

Die Feierlichkeiten im Hotel waren noch nicht zu Ende, doch der wichtige Teil war anscheinend vorueber, denn wir konnten ungehindert passieren. Auf einer Leinwand wurde zuerst ein Film gezeigt und dann ein Cricketspiel zwischen den beiden Erzrivalen Indien und Pakistan. Es ist natuerlich klar, dass sie ein Spiel (ab DVD) zeigen, in dem Indien seinen Nachbarn besiegt. Nach dem Abendessen bekamen wir noch Reste vom Dessertbuffet zum Kosten, in Milch gekochte Karotten mit viiieeel Zucker und kandierten Fruechten. Sehr suess und "nahrhaft" (Kalorienbombe!!!). So ueberstanden wir die kalte Nacht, bevor wir am naechsten Tag wieder Richtung Sueden reisten.

Patrik