Samstag, 29. März 2008

Fotos

Immer wieder hoerten wir, dass mehr Fotos von uns auf der Fotoseite gewuenscht sind. So wie bei den Indern, sie selber vor dem Tempel, neben der Statue, mit den Backwaters im Hintergrund, am liebsten mit Auslaendern daneben. Aber dies ist eben nicht mein Style. Zwischendurch einmal ist ok, aber nicht dauernd. Dass es sich auch ausbezahlt, habe ich erst kuerzlich erfahren, als ich angefragt wurde, ob eines meiner Fotos fuer ein Buch verwendet werden darf. Nach ausfuehrlichen Recherchen habe ich dem zugestimmt. Wahrscheinlich wird es kein Millionenseller werden, aber immerhin. Das Buch handelt von Tierornamente in Indien. Wer mehr ueber dieses aeusserst spannende Projekt erfahren moechte, kann unter

http://users.uoa.gr/~geeraae/animalsinart.html

nachschauen.

Donnerstag, 27. März 2008

Kerala

Ziemlich grossspurig kommt die Werbung des staatlichen Tourismusbueros daher: God's own country! Sicher gehoert Kerala zu den am meisten besuchten Bundesstaaten Indiens, aber sie haben doch ziemlich dick aufgetragen. Eines der Highlights in Kerala sind die Backwaters. Dieses Gebiet namens Kuttanad erstreckt sich ueber 75 km von Kollam bis nach Kochi im Norden, zwischen dem Meer auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite. Das Labyrinth von Wasserflaechen - Seen, Kanaelen, Fluesse und Baeche - wird von tropischer Vegetation gesaeumt. Was man hier zu sehen bekommt, ist von der Strasse voellig unsichtbar. Bestimmte Haeuser sind nur auf dem Wasserweg zu erreichen, immer wieder blitzen zwischen den Baeumen und Palmen Haeuser, Farmen, Kirchen oder Tempel auf. Blaue Eisvoegel sitzen fuer einen Augenblick auf einem Ast, bevor sei weiterfliegen. Fischadler schauen nach Beute Ausschau.

Das taegliche Leben spielt sich hier auf dem Wasser sowie an den von Palmen gesaeumten Uferstreifen ab. Die Familien leben auf winzigen Landflecken, baden und waschen die Waesche im seichten Wasser. Auf Langbooten werden Sand, aber auch Waren transportiert. An anderen Stellen wird nach Muscheln getaucht. Fischer fischen von Ruderbooten aus oder in Ufernaehe mit rieisigen Fischernetzen, im Malayalam cheena vala genannt. Mindestens vier Mann sind noetig, um die an gebogenen Hoelzern befestigten und mit Zugschnueren und Gewichten zu bewegenden Netzen zu bedienen.

Wir selber waren vier Mal auf den Backwaters. Den ersten Kontakt hatten wir waehrend einer Halbtagestour zur Insel Munroe in der Naehe von Kollam. Da wir die einzigen Gaeste waren, hatten wir eine Privatfuehrung. Unser Guide konnte viel ueber das Leben in den Backwaters erzaehlen, doch irgendwann kamen wir darauf, dass er auch Christ ist. Weil er in ein paar Wochen heiraten wird (eine Liebesheirat gegen den Willen der Eltern, weil die Frau aus einer aermeren Familie stammt, doch weil er die Hochzeit selber bezahlt, haben die Eltern doch zugestimmt), drehte sich das Gespraech hauptsaechlich darum. In Kerala leben drei Religionen (Christen, Muslims und Hindus) fliedlich nebeneinander, doch geheiratet wird vor allem innerhalb der eigenen Religion. So wurden die faszinierenden Backwaters zum Nebenschauplatz. Von Kollam aus fuhren mit einem Tourenboot in knapp acht Stunden nach Alappuzha, diese Fahrt gehoert zu den begehrtesten Ganztagetouren. Diese Fahrt haben wir auch sehr genossen, war sie doch sehr abwechslungsreich und wir trafen auf dem Boot nette Leute. Weil bereits Nebensaison war, fuellte sich das Boot nicht ganz und wir konnten uns frei auf dem Boot bewegen. Die eindruecklichste Fahrt war jedoch die Faehre von Alappuzha nach Kottayam. Fuer die Einheimischen ist diese Faehre ihr Bus. Sie fahren damit einkaufen, in die Schule, zur Arbeit oder sonstwohin. Alle paar Minuten haelt die Faehre an, Passagiere steigen zu, andere gehen von Bord. Jeweils ein paar auslaendische Touristen fahren auch mit dieser Faehre und sitzen in der Regel vorn im Schiff, um alles mit Fotoapparat oder Videokamera festzuhalten. Fuer die Bewohner der Backwaters ein alltaegliches Bild, fuer uns eine der fantastischen Landschaften ueberhaupt. Gegen Ende der Fahrt wurde das Fahrwasser immer schmaler und wir passierten mehrere schmale Zugbruecken, die ein Brueckenwaerter hochzog. Unsere letzte Tour fuehrte von Kochi aus zu den Backwaters. Leider spielte das Wetter hier nicht so mit, am Morgen regnete es immer wieder und der Himmel war bedeckt. Viel Neues sahen wir hier nicht mehr, dafuer hatten wir eine angeregte Unterhaltung mit einem indischen Paar, das schon ziemlich westlich eingestellt ist. Beide trugen Jeans, zum Fruehstueck gibt es Toast oder Cerealien, getrunken wird Flaschenwasser. Doch wir hatten sogar noch Glueck mit dem Wetter, denn am naechsten Tag regnete es wie aus Kuebeln und so verbrachten wir den halben Tag in unserem Lieblingslokal in Kochi, dem Teapot.

Patrik

Samstag, 15. März 2008

Gewuerztour im suedlichen Hochland

Nachdem wie die Backwaters in Kerala mit verschiedenen Booten erkundigt hatten, folgt ein Abstecher ins Hinterland Keralas. Mit einem Bus fuhren wir zuerst nach Kumily auf rund 1000 Meter ueber Meer. Obwohl ich eigentlich nichts mehr ueber Busfahren schreiben wollte, erlebten wir erneut noch nie Dagewesenes... Zum Einen fuhr der Fahrer ueber die schmale und kurvenreiche Strasse, als saesse ihm der Teufel im Nacken. Zum Anderen war die hintere Tuer des Busses total durchgerostet. Dass niemand waehrend der Fahrt verloren gehen konnte, hat man die Tuer einfach mit Stoffstreifen an den Fensterverstrebungen des vorderen und ruckwaertigen Sitzes befestigt.


Waehrend wir in Kottayam, dem Ausganspunkt der Fahrt noch ueber 30ig Grad hatten und schwitzten, kuehlte sich die Luft im Verlauf immer mehr ab und wir begannen langsam zu froestelen. Irgendwann setzte auch noch ein Nieselregen ein und wir fuhren in der Folge durch mystische Nebelschwaden. Die "bergige" Landschaft ist fuer den Tee und Gewuerzanbau bekannt. Die Huegel um uns erschienen uns teilweise als einzige, riesige Teeplantage!

In Kumily naechtigten wir in einem sogenannten Home Stay. So wohnten wir bei einer Familie im Anbau ihres Hauses. Wir waren also fuer 2 Tage Hausbesitzer! Bobbi (sein vollstaendiger Namen kann sich eben niemand merken), der Sohn der Familie nahm sich sehr viel Zeit fuer uns. Mit einem Freund zusammen, betreibt er zudem noch ein open-air Restaurant mit Musik in der Naehe. Wobei man sich das Restaurant als Tische mit Plasitkstuehlen und einem Dach aus Palmblaettern vorstellen muss. Auch bei den beiden Freunden herrschte traditionell-indische Arbeitsteilung. Der eine war der Kellner, der andere der Koch. Spezialisiert haben sie sich auf Pizza und Pasta, wobei sie sich wirklich mit manchem Italiener messen koennten! Am ersten Abend waren unsere Pizzen aber etwas verpfeffert, aber dafuer waren wir selber Schuld. Denn im "Land wo der Pfeffer waechst" hat er einen deutlich intensiveren Geschmack, als nach monatelangen Transporten bis ins Gestell von MIGROS oder coop!

Auf Grund der andauernden "tiefen" Temperaturen und des gelegentlichen Nieselregens, entschlossen wir uns am naechsten Tag, auf eine Tee- und Gewuertour zu gehen, statt auf Tigerpirsch im nahegelegenen Nationalpark. Mit Bobbi als Guide und einem befreundeten Rikshaw-Fahrer fuhren wir zuerst zu einer Teefabrik.

Das Gebauede der Fabrik stammt aus dem Jahre 1941 und hatte viel britisches, kolonialistisches Flair. In der Fabrik konnten wir die Produktionsschritte des Tee, vom gepflueckten Blatt bis zum fertigen Tee 1 zu 1 mitverfolgen und Bobbi erklaerte uns die einzelnen Schritte nochmals sehr informativ.


Auf der Teeplantage sahen wie die Teepflueckerinnen, es sind ausschliesslich Frauen, bei der Arbeit. Damit sich die Frauen nicht die Haut aufkratzen, wickeln sie Streifen aus alten Reissaecken um Taille und Beine. In Kumily wird der Tee mit einer Art Schere gerntet und nicht von Hand. Aus den Teeblaettern wird nur "Pulver" fuer Teebeutel oder auch den traditionellen indischen Chai hergestellt. Chai hat nicht viel mit unserem westlichen Verstaendnis von Tee gemeinsam, denn er wird mit viel Milch und noch vieeeeel mehr Zucker getrunken. Der bei uns in Mode gekommene Gruentee gilt hier in Indien als Medizin und wird in keinem Restaurant oder Teelokal ausgeschenkt.


Nach dem Besuch der Teeplantage fuehrte uns Bobbi noch durch einen grossen Gewuerzgarten. Interessant war fuer uns, Maenner bei der Pfefferernte zu beobachten. Mit einem Pfluecksack auf dem Ruecken wird der Pfeffer, der als eine Art Efeu um einen Baum waechst, geerntet. Spektakulaer war weniger die Ernte, sondern vielmehr der Bambuspfahl, der als Leiter diente! Bobbi seinerseits machte sich den Spass, uns bei jeder Pflanze, bei jedem Strauch oder Baum nach dem entsprechenden Gewuerz zu fragen. Teilweise hatten wir wirklich keine Ahnung und wir waren total ueberrascht. Bei anderen Pflanzen verriet der Geruch das Gewuerz. Zum Schluss der Tour rochen unsere Haende aber so stark, dass es immer schwieriger wurde, etwas differenziert wahrzunehmen.


Zum Abschluss dieser lehrreichen Tour, besuchten wir noch den Gewuezshop von Bobbis Bruder. Es lockte uns schon sehr, von all diesen herrlich duftenden und frischen Gewuerzen etwas zu kaufen. Da wir aber noch laenger unterwegs sind, war dies leider nicht moeglich. So entschieden wir und fuer die Home-made Chocolate. Auf Grund der zahlreich vorhandenen Kakaobaeume in der Region produziert fast jedes Geschaeft eigene Schokolade, welche zum Teil mit heimischen Mandeln oder Cashewnuessen angereichert werden. Sie schmeckte wirklich sehr lecker und so brachten wir es ueber die Ostertage auf stolze 300 Gramm Schokolade innert 12 Stunden!


Bettina

Donnerstag, 13. März 2008

"Made in India"

Bereits sind wir mehr als ein halbes Jahr unterwegs, haben unterschiedliche Kulturen und Menschen kennengelernt. Die indische Mentalitaet ist aber fuer uns Europaer immer wieder speziell, manchmal auch herausfordernd. Manchmal hassen wir die Art der Inder im gleichen Augenblick wie wir sie lieben oder uns darueber amuesieren.

Zum Einen mussten wir uns an die nonverbale Audruckweise gewoehnen. Das leichte seitliche "Kopfwackeln" bedeutet soviel wie Ja. Als wir in Bhopal ein erstes Mal an einem Nicht-Touristenschalter am Bahnhof ein Billet loesten und die Frau auf unsere Fragen nach der genauen Abfahrtszeit und dem Gleis jeweils mit diesen seitlichen Kopfwackler antwortete, schauten wir uns zuerst nur unglaeubig an. Was nun: "ja oder nein!?" Das Lachen konnten wir uns zum Glueck verkneifen, bis wir die Schalterhalle verlassen hatten.

Ein "Nein" wir hier in Indien oft mit einem Hin- und Herbewegen der flachen Hand angezeigt. In der Schweiz benutzen wir die Geste, um ein "vielleicht" auszudruecken. Man stellt sich nun uns vor unserer ersten Busfahrt am Busbahnhof vor, wenn wir nach einem Bus nach XY fragen und diese Antwort spontan als vielleicht interpretierten, wobei aber natuerlich "nein" gemeint war.

Beim Reisen mit Bus und Zug kommen wir uns manchmal vor wie auf einer Schulreise oder einer Fahrt ins Klassenlager. Denn die Inder draengeln beim Ein- bzw. Aussteigen jeweils so, wie wir es von Primarschuelern kennen. Das Anstehen haben sie von den Englaendern waehrend der Kolonialzeit nicht gelernt. Aber bei mehr als 1,1 Milliarden Menschen, die in diesem Land leben, ist die Angst, vergessen zu gehen oder nicht an die Reihe zu kommen, wohl "genetisch" veranlagt. Um auch einmal einsteigen zu koennen, muessen wir uns einfach in den Weg stellen oder sie unfreundlich mit unseren Rucksaecken wegdruecken. Da wir groesser sind als die meisten Inder, gelingt uns dies meist recht gut. Wir haben sozusagen das Draengeln wieder gelernt- also doch "Bildungsreise"!

Wie in den meisten Laendern auf unserer Reise wird auch in Indien aller Abfall auf den Boden oder aus dem Fenster geworfen. Der Boden der Zuege wird von Zeit zu Zeit von "Wischern" auf den Knien gefegt, die nachher die Passagiere um einen Lohn bitten. Bei den Auslaendern bleiben sie viel laenger und hartnaeckiger stehen und warten oft sehr unangenehm fuer uns auf ein Entgeld. Obwohl die Auslaender wohl jene sind, die am wenigsten Muell produzieren und diesen immer sammeln und mitnehmen!

Auch verhungern oder verdursten muss niemand in einem indischen Zug, alle paar Minuten kommt ein Tee-/Kaffeeverkaeufer und preist mit schriller Stimme seinen Chai oder Kofi (=Kaffee, oder zumindest etwas aehnliches wie...!) an. Auch Verkaeufer mit Bauchladen (Schokolade, Zigaretten, Seifenmuster, Reisezahnbuersten, abgepackte Betelnuesse,...) oder mit indischen Snacks kommen regelmaessig vorbei. Auch Spielsachen werden auf diesem Weg verkauft. Bei den Auslaendern geben sich alle Verkauefer besonders Muehe und paesentieren ihre Waren oft sehr theatralisch, als sei es fuer sie ein Prestigeerfolg, einem "Farang" etwas verkaufen zu koennen oder ihm eben ein Schmunzeln zu entlocken.

Wie schon oefters gesagt, ist das indische Verstaendnis von Hygiene nicht vergleichbar mit unserem. Weil viele Inder zu Hause keine Toilette haben, benutzen sie dazu einfach die Natur oder was sie gerade finden. So sahen wir einmal ein Maedchen, das vor einer der Hoehle von Ajanta, immerhin ein Weltkuturerbe, auf den Boden pinkelte. Dabei hatte es eine offizielle Toilette gar nicht so weit weg. In Puri, einem Ort an der Ostkueste, befindet sich ganz in der Naehe ein Fischerdorf, das mit nur mit Vorsicht zu besuchen ist. Denn die Fischersleute erledigen ihre "Geschaefte" am Strand, ein Haeufchen neben dem anderen. Ansonsten war es sehr interessant, das Treiben in diesem Fischerdorf zu beobachten. Ein andermal reisten wir mit einer vierkoepfingen Famlilie im gleichen Abteil im Zug. Als der Kleine, kanpp vierjaehrige, zur Toilette musste, ging das ebenfalls ganz unkompliziert. Einfach Hose runter und aus dem offenen Zugsfenster pinkeln. Wahrend ihn der Vater an den Hueften festhaelt, dass der Junge nicht noch aus dem Zug faellt. Man lernt ebenfalls als Tourist, sich nie aus dem Fenster eines Zuges zu lehnen!

Das Einkaufen in Indien ist fuer uns natuerlich auch immer ein Erlebnis und dass schon in einem gewoehnlichen Supermarkt wir MIGROS oder coop. Immer kann man dort verschiedene Sorten von Linsen oder Reis offen kaufen. Hier gibt es keine Waage, als Masseinheit dient eine leere Konservenbuechse. Es gibt auch keine strenge Verkaeuferin die daneben steht und Kinder mahnt, welche aus Freude in diesen Tonnen oder Saecken einfach nur rumwuehlen ohne zu kaufen, dann die Erwachsenen machen es hier ebenso!

In Baeckereien oder in Obst- und Gemueselaeden ist der Einkauf jeweils ein wirkliches Erlebnis und wir mussten das Prozedere erst lernen. So waehlt man an der Theke das gewunschte Gebaeck aus und zeigt es der Verkauferin an. Diese nimmt die Produkte aus der Auslage und packt umstaendlich jedes Sueck separat in ein einzelnes Plastiksaecklein. Eine andere Person fuellt dann an der "Produktkasse" oder Waage eine Art Quittung aus. Mit dieser Quittung geht man Richtung Geschaeftsausgang, bzw. -eingang. Dort gibt man den Quittungsbeleg dem Kassier und bezahlt dort die Waren. Nach dem Bezahlen wir die Quittung abgestempelt. Danach geht man mit dem gestempelten Beleg wieder zurueck zur Verkaufstheke im hinteren Bereich des Ladens. Dort gibt man den Beleg der entsprechenden Verkauferin, was wiederum ein andere Person ist, als jene die die Waren einpacken und die erste Quittung aushaendigt! Ihr Job ist es die Quittung erneut abzustempeln und die Waren mit einem Laecheln auszuhaendigen. So arbeiten pro Verkaufstheke immer 3 Personen plus ein Kassier pro Geschaeft. Bei einem Laden mit 3 Theken arbeiten also 10 Personen! Als (ergo)therapeutischer finde ich diese Art von Arbeitsaufteilung natuerlich sehr interessant und auch bewundernswert. Waehrend es im "Reisealltag" aber oft umstaendlich ist. So wird das Einkaufen von 4 Orangen beispielsweise zum fast 20minuetigen "Shoppingerlebnis"!

Da wir in Mumbai als Statisten in einem Film mitwirkten, hatten wir bereits ein erstes Bollywood- Erlebnis. Leider haben wir es bis jetzt noch nie geschafft, in ein Kino zu gehen, um uns einen klassischen Bollywoodfilm anzusehen. Einmal machten wir einen Kinobesuch, sahen uns aber einen westlichen Film in englischer Sprache an. Der Film mit dem Titel "10 000 Jahre bevor Christus" waere normalerweise nicht unser Geschmack. Da wir aber einfach Lust auf indisches Kino hatten und der Eintritt mit 35 Rs (ca. 1 CHF) pro Ticket aeusserst preiswert war (und das fuer ein Balkonticket!), ueberlegten wir nicht zweimal und packten wir die Gelegenheit. Die "Handlung" war natuerlich sehr einfach "gestrickt". Wir haben uns denn auch mehr ab unseren Mitzuschauern amuesiert, denn ob der Handlung. Als der Hauptdarsteller, mutig und spektarulaer mit einem Speer aus Knochen, ein Mammut erlegte, haben die Zuschauer auf den billigeren Plaetzen (= im Parterre, war wirklich so!!!) applaudiert!

Bettina

Sonntag, 9. März 2008

Suedindien

Ueber Suedindien hoerten wir auf unserer Reise nur gutes, alle schwaermten davon, dass die Leute viel freundlicher und das Reisen viel angenehmer sei als im Norden. Tatsaechlich, seit wir im Sueden unterwegs sind, werden wir deutlich weniger belaestigt, die Verkaeufer in den Shops sind weniger aggressiv, die Menschen sind einfach freundlicher und herzlicher. Klar hatten wir auch weniger schoene Erlebnisse, als uns zum Beispiel ein Busschaffner aus dem Bus warf, weil wir zuviel Gepaeck hatten. Doch ein Mann, der das sah, kam uns zu Hilfe und wollte vermitteln. Schliesslich fanden wir einen Bus, der uns trotz Gepaeck mitnahm. Dies war bisher noch nie ein Problem. Was besonders auffaellt, sind die vielen Frauen auf der Strasse. Sei es alleine, in einer Gruppe oder mit ihrem Mann. Im Norden sah man kaum Frauen, hoechstens mit ihrem Mann zusammen. Doch hier sind die Frauen selbstbewusster. Wie im ganzen Land tragen die Frauen einen Sari oder Salwar kamise (langes Oberteil und weite, knoechellange Hosen). Die Maenner tragen vor allem westliche Kleidung, Bundfaltenhosen oder Jeans, dazu ein Hemd, aber man sieht hier auch viele Maenner im traditionellen Wickelrock, Lunghi (bunt) oder Dhoti (weiss).

In den letzten Tagen besuchten wir so bekannte Orte wie Kumbakonam, Kanniyakumari oder Thiruvananthapuram. In Kumbakonam erlebten wir das indische Leben hautnah. Als wir ankamen, regnete es und die Hotels in unserer Preisklasse waren voll, bis wir auf das V.R.P. Hotel stiessen, das von einem schwerhoerigen Mann gefuehrt wird. Das Zimmer war guenstig und mehr oder weniger sauber, wenn man von den zwei Kakerlaken absieht, die ihren Besuch aber nicht ueberlebten. Der Grund fuer unseren Stopp hier waren verschiedene Tempel im und um den Ort. Kulinarisch erlebten wir keine Hoehenfluege, sondern indischen Alltag. Essen in einem Lokal ist primaer Nahrungsaufnahme (Die "Slow Food" Welle ist hier in Indien noch unbekannt!). Unser Reisefuehrer empfahl ein Restaurant, das wir auch aufsuchten. Speisekarte gibt es keine, laut Kellner kann man waehlen zwischen Dosa , Iddly (=gedaempfte Reiskuchen, aehnlich wie Polenta mit "Dipp-saucen") und Puri (=duennes, frittiertes Brot mit "Dipp-Saucen"). Unsere Wahl fiel auf Masala Dosa (eine Art knuspriger Pfannkuchen mit einer Kartoffel-Gemuesefuellung), das ohne Besteck serviert wurde, eben Indianstyle. Der Traum von jedem Kind, essen ohne Besteck. Wobei die Inder natuerlich ausschlieslich und problemlos mit der rechten Hand essen, was uns mehr oder weniger gut gelingt. Meist muessen wir mit der linken Hand nachhelfen. Am zweiten Abend fanden wir dann ein Restaurant mit Speisekarte und Besteck.

Kanniyakumari befindet sich an der Suedspitze Indiens. Hier treffen das arabische Meer, der indische Ozean sowie Golf von Bengalen aufeinander. Der Tsunami 2004 brachte verheerende Zerstoerungen ueber Kanniyakumari, mehrere tausend Menschen starben, vor allem Pilger. Der Uferbereich wurde vollstaendig verwuestet, aber die 40 m hohe Statue des tamilischen Heiligen Thirvalluva auf einer winzigen Insel lag weit genug vor der Kueste, um den riesigen Wellen standzuhalten. Im Gegensatz zu Pangandaran auf Indonesien sieht man keine Spuren der Zerstoerung mehr. Groesste Attraktion einer Reise nach Kanniyakumari ist das Betrachten des Sonnenauf- und untergangs. Leider verhinderten Wolken einen spektakulaeren Sonnenuntergang, aber es war ein spezielles Erlebnis, mit tausenden von indischen Pilgern an den Ufern der Meere zu stehen und mitzuerleben, wie die Sonne langsam untergeht. Der Sonnenaufgang war dann einiges aufregender. Erneut war das Ufer gesaeumt von Pilgern, was uns doch ziemlich ueberraschte. Es waren sogar mehr als beim Untergang. Beim Auftauchen der Sonne am Horizont hoerte man aus manchen Kehlen einen Schrei der Entzueckung. Einzelne Pilger nutzten das Meer fuer rituelle Waschungen.

Thiruvananthapuram (zehn Mal schnell hintereinander aussagen! und dann auswenig nach einer halbem Stunde!), auch bekannt unter dem namen Trivandrum, ist die Hauptstadt des Bundesstaates Kerala. Die Bewohner von Kerala sind stolz darauf, dass hier der erste kommunistische Ministerpraesident der Welt vom Volk gewaehlt wurde. Kommunisten werden ja sonst nicht gewaehlt. In den Strassen sieht man immer Hammer und Sichel, sei es auf Fahnen oder (legal) aufgesprueht an Hauswaenden. Auch Plakate mit dem Konterfei von Che Guevara waren allgegenwertig, weil gerade eine Konferenz der kommunistischen Partei stattfand. In Kerala sind ein Drittel der Bevoelkerung Christen, nur in Goa hat es prozentual mehr Christen. Hier fanden wir wieder einmal einen Supermarkt nach westlicher Art. Dies nutzten wir zu einem ausgiebigen Shopping und erstanden unter anderem einen halben Liter Glace, den wir uns wegen der Hitze umgehend auf der Treppe vor dem Geschaeft genehmigten. Ansonsten hat die Stadt Thiruvananthapuram selber nicht sehr viel zu bieten, sondern ist ein Sprungbrett zu schoenen Straenden in Varkala und Kovalam oder zum dem, was einem bei Kerala als erstes einfaellt, den Backwaters.

Davon berichten wir spaeter.

Patrik

Samstag, 23. Februar 2008

Zwei Schweizer auf Pilgerreise

Von Puri fuhren wir mit einem Tages-Nachtzug nach Tirupati, einem Wallfahrtsort der Hindus. Insgesamt waren wir gut 28 Stunden unterwegs, mit einer laeppischen Verspaetung von einer halben Stunde. Fuer die 1231 km lange Fahrt bezahlten wir den Spottpreis von 1062 Rs. (etwa 30 Fr.). Eigentlich wurde uns beschieden, dass der Zug ausgebucht sei, aber es gibt da noch verschiedene Quoten, von denen wir profitieren konnten. Da gibt es einmal die tourist quota, hier werden Sitzplaetze und Betten fuer Touristen zurueckgehalten. Wir dagegen griffen auf die Tatkal-Tickets zurueck. Der Haken an dieser Regelung ist, dass man den ganzen Ticketpreis bezahlen muss sowie einen Zuschlag von 150 Rs. Fuer uns genau richtig, da wir sowieso die ganze Strecke fahren. Was uns ein bisschen stutzig machte war der Umstand, dass diese Tickets erst am Abfahrtstag ausgegeben werden koennen. Geht der Zuschlag wohl in die Tasche des Schalterbeamten? Uns egal, waren wir froh die Nahkampfzone Bahnschalter mit Erfolg verlassen zu koennen.

In Konark, knapp 33 km von Puri entfernt, fand waehrend unserer Anwesenheit ein Dance & Music Festival statt. Bzw. wir aenderten unsere Plaene so, dass wir den ersten Tag mitverfolgen konnten. Dies hat sich absolut gelohnt, denn die Taenze in Orissa gehoeren klar zu den Highlights kultureller Veranstaltungen. Organisatorisch hatte die Veranstaltung zwischendurch das Niveau einer Schuelerauffuehrung, aber kuenstlerisch war es erste Klasse. Als wir zwei Stunden vor Beginn auf dem Gelaende aufkreuzten, wurden gerade die Ornamente am Eingangsbogen festgeklebt. Auch ueber die Anfangszeit gab es grosses Raetselraten. Offiziell hiess es 6.45 pm, doch wir hoerten auch 5.30 pm oder 7 pm. Die Laenge der Auffuehrungen wurde mit 2 Stunden angegeben, tatsaechlich dauerte es dann knapp dreieinhalb Stunden. Die Ehrungen der Organisatoren und Goenner mit Schals, Gedenktafeln und einer Blume in Glitzerfolie nahm viel Zeit in Anspruch. Die Taenzerinnen und Taenzer waren sehr ausdrucksstark, anmutig, aber auch sehr dynamisch und athletisch. Auch ein Tablaspieler zeigte uns einen kleinen Einblick in sein Repertoire. Eher in die Abteilung Pausenunterhaltung gehoerten die Dankesreden der Kuenstler auf Englisch.

Wie wir gelesen haben, gilt Tirupati als groesster Pilgerort der Welt. So zieht er beispielsweise mehr Glaeubige an als der Vatikan oder der muslimische Pilgerort Mekka. Jeden Tag treffen mehrere 10'000 Hindus ein, welche zum Venkateshvara Tempel (auch Sri Vari genannt) auf den Tirumala Hill pilgern.

Bereits am Bahnhof fielen uns die vielen Menschen auf, die schlafend, doesend oder sitzend mit "Sack und Pack", "Kind und Kegel" auf einen Zug warteten. Soeben angekommene Pilger hasteten mit ihrem Gepaeck meist zu einem Bus, der sie direkt zu einer Pilgerherberge auf dem Tirumala bringt. Auf Grund unserer Erfahrungen in Pilgerherbergen vor drei Jahren in Amritsar entschlossen wir uns, ein Hotel im Ort zu suchen. Dies war wiederum gar nicht so einfach, obwohl es ein sehr grosses Angebot an Unterkuenften in Tirupati gibt. Aber fuer uns Westler etwas passendes aus dem Angebot von spartanischem, feuchtem "Kellerloch" ohne Fenster, ueber Schmuddelzimmer, wo die Bettwaesche wahrscheinlich nur einmal im Monat gewechselt wird bis hin zu teuren Luxushotel mit Privatbutler auszuwaehlen, war wirklich gar nicht so einfach.

Noch am Abend wollten wir uns ueber die Besucherbestimmungen fuer den Tempel erkundigen, da die Angaben im Reisefuehrer fuer einmal minimal waren. Dies war wiederum ein spezielles Unterfangen, in einer Stadt, wo die meisten Menschen nur einen indischen Dialekt und die Nationalsprache Hindi sprechen. Schliesslich fanden wir in einer riesigen Pilgerherberge einen Angestellten, der uns das System des Dasham Ticket verstaendlich erklaeren konnte. Mit diesem Ticket kann man ein stundenlanges Anstehen vor dem Haupttempel vermeiden. Der Haken an diesem Ticket ist nicht sein Preis (50 Rs), sondern die Ausgabe. An drei Orten in der Stadt kann das Ticket ab fuenf Uhr morgens erworben werden. Wenn die etwa 10'000 Tickets weg sind, gibt es fuer diesen Tag keine weiteren mehr. Wie bei einem Konzert. Normalerweise sei dies so gegen 8.00 Uhr der Fall. Auf dem Rueckweg zum Hotel wollten wir uns den Schalter beim Bushof anschauen, damit wir ihn auch schlaftrunken finden.

Der Weckdienst im Hotel funktionierte, um halb fuenf haemmerte es an unsere Tuer, so als wollte er gleich das ganze Hotel wecken. Als wir fuenf Minuten spaeter immer noch im Zimmer waren, wurde erneut gegen die Tuer gehaemmert. Kurz vor fuenf Uhr erreichten wir den Ticketschalter und reihten uns ein. Lange bewegte sich nichts, zehn Minuten, fuenfzehn, zwanzig, die ersten Pilger verlassen die Schlange und versuchen ihr Glueck an einem der anderen zwei Schalter, fuenfunzwanzig Minuten, eine halbe Stunde. Ein Offizieller kommt aus dem Buero und sagt etwas. Da ich nur das Wort Computer verstehe, fragen wir unsere Nachbarn vor uns. Sie haetten ein Computerproblem, die Ticketausgabe verzoegert sich noch. So gegen sechs Uhr kam Bewegung in die Schlange und es ging vorwaerts. Doch bis wir unsere Tickets in den Haenden hatten, dauerte es nochmals einen gute Stunde. Einige der Pilger hatten schon beim Betrachten des Tickets einen seeligen Blick. Wohl so aehnlich, wie Teenager beim erfolgreichen Kauf eines Tokio Hotel Tickets oder die ein bisschen aelteren fuer ein Robbie Williams Konzert. Beim uns stellte sich beim Betrachten des Papieres kein spezielles Gefuehl ein, am ehesten noch Erleichterung, dass wir nun fruehstuecken koennen. Bei der Ausgabe wird man fotografiert und haelt die Spitze des Zeigefingers auf ein blinkendes Kaestchen. Fuer was das gut sein soll?

Tirumala, das man entweder mit dem Bus oder ueber den vierstuendigen Pilgerweg erreicht, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer eigenen Stadt mit Hotels, Pilgerherbergen, Restaurants, Shops mit allem moeglichen Pilgerbedarf. Aber auch eine Schule und ein Spital hat es dort. Besonders eifrige Pilger lassen sich den Kopf scheren, weil dies ein Zeichen von Froemmigkeit ist. Was uns besonders ueberraschte war, dass sich auch Frauen den Kopf scheren lassen. Ein spezielles Bild, eine indische Frau ohne ihr praechtiges schwarzes Haar, sondern mit einer Glatze. Aber auch die Haare von Kindern mussten dran glauben. Dass es die Friseure mit dem Rasieren nicht so genau nehmen, bezeugen die vielen Wunden an den Koepfen. Kein Wunder haben die Hut- und Kappenverkaeufer die groessten Staende.

Auf dem Ticket steht die Zeit, wann man sich beim Tempel einfinden soll. Eine Stunde vor dieser Zeit kann man herein, nicht frueher, wie wir feststellen mussten. Um den Tempel betreten zu koennen, muss man alle elektronischen Geraete und auch die Schuhe abgeben. Als wir die Kamera und Mobiles abgeben wollten, fummelte der am Schalter in meiner Kameratasche herum. Aus Reflex klopfte ich ihm auf die Finger und er arbeitete dann weiter, wie wenn nichts geschehen waere. Ist also ueblich so und ich musste mich nicht entschuldigen. Barfuss gings dann weiter Richtung Tempel. Zuerst einmal durch eine Slalomabschrankung, bevor wir nochmals abgetastet wurden, erst danach erreichten wir den Tempel. Wobei es vorlaeufig einmal durch verwinkelte Gaenge ging, die auf der Seite mit Gittern abtrennt waren. Wir fuehlten uns wie Tiger die in die Zirkusmange gefuehrt werden. Sicher nichts fuer Leute mit Klaustrophobie. Nach etwa zehn Minuten wurde unsere Schlange, in der sich die meisten anstaendig benahmen und nicht draengelten mit einer anderen Menschenschlange zusammengefuehrt, die wohl ohne Ticket anstanden. In dieser Schlange wurde deutlich mehr gedrueckt und geschoben. Zusammen ging es Treppen rauf, dann wieder runter (immer noch im "Gitterkanal"!), vorbei an fliegenden Haendlern mit Getraenken (guter Geschaeftssinn), alle Gepaeckstuecke wurde nochmals geroengt (doch niemand schaute auf die Monitore), erst dann erreichten wir den eigentlichen Tempel. Bereits vor dem Anblick der Vishnustatue im zentralen Heiligtum waren einige Pilger um uns herum der Extase nahe. Doch Tempeldiener verhinderten, dass Glaeubige zu lange vor der Statue verharren und zerren uns an den Armen weiter. Danach haetten wir noch weitere Tempel besichtigen koennen, doch wir hatten fuer heute genug. Der Weg zum Ausgang fuehrt noch an den Spendenschalter vorbei. Welche moderner ausgeruestet waren als so manche Bank! Auch hat Tirumala wohl die hoechste Dichte an Bankomaten von ganz Indien. Auch auf das "Abendmal" und die abschliessende Gratismahlzeit, was allen Pilgern abgegeben wird, verzichteten hoeflich. Wobei wir einen Teil des Abendmals an unseren Fuessen klebend mit ins Hotel nahmen. Denn das Haeufchen des suessen Ginger-Klebreises, war wohl nicht jedes Pilgers Geschmackssache, sodass die naechsten 20 Meter nach der Ausgabe eine ziemlich klebrige Angelegenheit waren.

Die Vishnufigur im Venkateshvaratempel sieht ein bisschen aus wie Darth Vader aus Star Wars. Bereits fuer die Figuren von South Park holte sich Hollywood die Inspiration in Indien, naehmlich beim schwarzgesichtigen Gott Jagannath und seinen Geschwistern Balabhadra und Subhadra, die besonders in Orissa sehr beliebt sind.

Patrik und Bettina

Montag, 11. Februar 2008

Varanasi - heilige Stadt am Ganga

Varanasi, die heiligste Stadt der Hindus, ist Ziel vieler Pilger, um an den steinernen Ghats (Treppen) ihre rituellen Waschungen im Gangeswasser durchzufuehren. Die Stadt ist eine der aeltesten ununterbrochen bewohnten Staedte der Welt. Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. steht sie im Mittelpunkt der hinduistischen Glaubenswelt. Der Fluss Ganges wird als wohltaetige Goettin Ganga personifiziert. Der Ganges gilt als amrita, jenes Elixier, das den Lebenden Reinheit und den Toten Erloesung bringt. Hier zu sterben und verbrannt zu werden, eroeffnet Zugang zum svarga (Himmel) und bringt Erloesung vom Kreislauf der Wiedergeburt. Deshalb kommen viele aeltere Menschen zum Sterben hierher. Doch die vielen Schwermetalle lassen ein Bad keinesfalls ratsam erscheinen. Dazu kommen die menschlichen Ausscheidungen und die ungeklaerten Abwaesser weiter flussaufwaerts gelegener Fabriken. Ob sterilisiertes Gangeswasser noch die Kraft hat, von Suenden zu reinigen, ist umstritten. Derzeit ueberwiegt die Meinung, dass Abkochen zulaessig ist, nicht jedoch eine chemische Behandlung.

Varanasi ist der einzige Ort, den wir in Indien besuchen werden, welchen ich bereits auf meiner ersten Indienreise vor elf Jahren bereiste. Es gibt wohl kaum einen vergleichbaren Ort auf der Welt. Das Gewuehl in der Altstadt mit seinen schmalen Gassen, wo man sich an Kuehe vorbeidraengen muss, das rege Treiben an den Ghats und die internationales Atmosphaere in den Hotels und Restaurants. Wir sind im gleichen Hotel bzw. Rest House abgestiegen wie vor elf Jahren. Es ist wie eine ruhige Oase hoch ueber den Ghats mit einem schoenen Innenhof und Dachterrasse. Ein guter Ort, um sich von der Hektik zu erholen.

In der Altstadt sind die Gassen etwa eineinhalb, manchmal etwas schmaler oder breiter. Klar, dass Rikschas in diesem Bereich nicht erlaubt sind. Weniger klar ist aber fuer uns, warum Fahrraeder und sogar Motorraeder erlaubt sind. Immer wieder hoert man ein Hupen hinter sich, weil ein Motorrad ueberholen moechte. Dies ist gar nicht so einfach, da man als Fussgaenger darauf achten muss, nicht in einen der vielen Kuhflaeden zu treten. In keiner Stadt hat es wohl so viele Kuehe, Stiere und Wasserbueffel wie hier. Da von den Kuehen viele schwanger sind, ist das Passieren der Tiere doppelt schwierig. Auch gilt es auf allfaellige unerwartete Bewegungen des Kopfes zu achten. Doch die Tiere sind viel ruhiger als unsere Kuehe, da sie nur das Leben in der Stadt kennen. Dank ihnen gibt es hier kaum Ratten, denn sie fressen alle organischen und manchmal andere Abfaelle. In diesen Gassen befinden sich unzaehlige kleine Shops, an denen vor allem Bettina ihre Freude hat. Im Gegensatz zu unseren Erwartungen sind viele Besitzer gar nicht aufdringlich und lassen einem mehr oder weniger in Ruhe herumstoebern. Schon mehrmals sind wir aus Shops oder von Staenden davongelaufen, als die Besitzer zu aufdringlich wurden.

Entlang des Ganga befinden sich unterhalb der Villen, Palaeste und Tempel aus dem 18. und 19. Jahrhundert die Ghats. Jede der etwa 100 kleineren oder groesseren ghats besitzt einen Lingam (Phallussymbol, mit dem Shiva identifiziert wird). Jedes Ghat hat fuer die Glaeubigen eine spezielle Bedeutung. Manche sind im Zerfall begriffen, andere geniessen regen Zulauf. Neben den Pilgern saeumen auch Dhobiwallahs (Waescher) die Ghats. Wer schon einmal einem indischen Waescher zugeschaut hat, ueberlegt sich zweimal, ob er seine Waesche wirklich einem Dhobiwallah anvertrauen soll. Zuerst wird die Waesche im Gangeswasser aufgeweicht, dann mit Seife eingeschaeumt und wieder ausgewaschen. Danach wird die Waesche im wahrsten Sinne des Wortes weichgeklopft:mit Schwung wird das gute Teil auf einen grossen, flachen Stein geknallt, um den Dreck herauszuschleudern. Zum Trocknen wird die nasse Waesche auf die Treppen, ein Gelaender oder die "Wiese" gelegt. Ein Buegler versieht jedes Teil mit messerscharfen Buegelfalten. Dazu benutzen sie teilweise um allfaelligen Stromausfaellen zu trotzen Buegeleisen mit heissen Kohlen.

Das wichtigste Krematorium Varanasis ist das Manikarnika Ghat. Normalerweise liegen Verbrennungsstaetten vorborgen am Stadtrand, nicht so in Varanasi. An der Ghat finden rund um die Uhr Einaescherungszeremonien statt, durchschnittlich 200 pro Tag. Doms, die unberuehrbaren Totenwaechter, bauen einen Scheiterhaufen auf. Je nach Vermoegen des Verstorbenen ist dieser mehr oder weniger hoch. Auf einer Bahre wird der in einem Leinentuch verpackte Leichnam, geschmueckt mit Goldfolie und orangen Ringelblumen, zum Ganges getragen, um ins heiligen Wasser getaucht zu werden. Der aelteste Sohn hat sich den Kopf und Schnauz (fast alle Maenner tragen einen Schnauz, der traditionellerweise erst nach dem Tod der Eltern rasiert wird) rasieren lassen und ein weisses Leinentuch um die Huefte und die Schultern angezogen. Ihm gebuehrt die Ehre, den Scheiterhaufen mit heiligem Feuer aus einem Shivatempel in Brand zu stecken. Nach drei Stunden ist der Leichnam verbrannt und die Asche wird in einem weiteren Ritual dem Ganges uebergeben. Am Ghat gehen noch weitere Maenner ihren fuer uns kaum vorstellbaren Berufen nach: sie durchsuchen die Asche des Scheiterhaufens nach (Zahn-) Gold und Silber. Kinder, schwangere Frauen und arme Menschen werden nicht verbrannt, sondern in einem mit Steinen beschwerten Sack direkt dem Fluss uebergeben. Manchmal reichen die Steine nicht aus, um den Leichnam absinken zu lassen.

Neben den Ghats bietet Varanasi eigentlich keine touristichen "Highlights". Im Sueden der Stadt liegt das Fort Ramnagar, das ein typisch indisches Museum beherbergt. Lieder war es nicht erlaubt, zu fotografieren. Nicht, dass die Ausstellungsstuecke besonders erwaehnenswert waeren, interessant ist der Zustand der Objekte. Zu Beginn des Rundgangs standen ein paar Kutschen und Oldtimer, von den Besuchern durch ein Gitter abgetrennt. Sie waren voller Staub, in einer Windschutzscheibe sah man einen Durchschuss von einer Kugel, ein Hinterreifen war platt, bei einem der alten Auto fehlte der Kuehlergrill und die Scheiben der Frontlichter. Den groessten Teil der Sammlung nimmt wie ueblich die Waffenausstellung ein. Gewehre, Duellpistolen, Dolche, Saebel, Lanzen, ein Mann in Uniform mit Gasmaske, ... waren zu betrachten. Aus unserer Sicht der Hoehepunkt waren die ausgestopften Tiere: ein Krokodil, ein Tigerfell und ein asiatischer Baer. Der Panzer des Krokodils blaetterte am Ruecken ab, das Tigerfell hatte bedenklichen Haarausfall und der Baer hatte an den Vorderbeinen ueberhaupt keinen Pelz mehr. Den Schluss bildeten Gemaelde der Maharadschas. Da die Inder alles anfassen, sind die Bilder hinter Glas, wobei sie Restenglas benutzten, auf dem die Markierungen der Glasfabrik noch sichtbar waren.

Da der Fussmarsch zurueck zu unserem Hotel ueber eine lange Bruecke und dann ueber eine Kuhweide fuehrt, wollten wir mit einem Boot zurueckfahren. Nachdem wir den Preis ausgehandelt hatten, wurde uns ein alter, zerbrechlicher Mann mit einem Boot fuer 20 Personen zugewiesen. Oft fuehrt an Rikscha- oder eben Bootsstaenden der einzige, der Englisch spricht die Verhandlung und teilt dann zu. Schon bald stellten wir mit Entsetzen fest, dass der alte Mann viel zu wenig Kraft fuer das grosse Boot hat, zumal es gegen die Stroemung ging. Er griff nicht zu den Rudern, sondern nahm eine lange Stange und versuchte uns am Ufer entlang stossend fortzubewegen. Dies ginge eigentlich noch, wenn nicht sein Stoehnen gewesen waere, das sich wie die letzten Atemzuege anhoerten. Zum Glueck fanden sich dann ein Mann (schwarze und verfaulte Zaehne!) und ein Knabe (strahlend weisse Zaehne!), welche die Hauptarbeit uebernahmen, waehrend sich der Alte (keine Zaehne!) am Heck sitzend aufs Steuern beschraenkte. Wir taten auch unseren Teil, um die Ruderer zu erloesen und nannten ein naeheres Ziel. Selbstverstaendlich gaben wir den vereinbarten Preis sowie ein Bakschisch. Auf dem Rueckweg entlang der Ghats wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir ein Boot mieten moechten, doch unser Bedarf fuer den Tag war mehr als gedeckt.

In Varanasi findet man allerlei kulinarische Leckerbissen, vor allem wurde unsere Sehnsucht nach Kaese ein bisschen gestillt. In der Braown Bread Bakery hatten wir sogar ein Kaesefondue! Das mit einheimischem Kaese zubereitete Fondue schmeckte uns besser als manches Fondue, das wir in der Schweiz hatten. Diese Baeckerei hat ueber 30 Kaesesorten im Angebot, alles einheimische Produkte, jeodch mit internationalen Namen. Die Schweiz war mit Emmentaler, Gruyere und Swissly (war Tilsiter) vertreten. Beim Emmentaler fehlten jedoch die Loecher! Das Fondue kostete den stolzen Betrag von 150 Rs. pro Person. Sind zwar nur knapp 6 Fr., doch dafuer koennen wir in einem guenstigen indischen Lokal beide mit Vorspeise und Getraenken essen. Auch sonst haben wir in keiner indischen Stadt so gut gegessen wie in Varanasi, ebenso konnte der Koffeinspeicher (Espresso, Latte Macchiato,...) wieder einmal nachgefuellt werden.

An unserem Abreisetag fand eines der zahlreichen Hinufestivals statt. Bereits vorher wurden in einigen der Gassen Puppen aus Pepiermache einer Goettin aufgestellt und reich verziert. Unter dem Klang von Trommeln trugen meist junge Maenner die Puppen zum Fluss, wo sie auf ein Boot verladen wurde. Dabei brachen bei der einen oder anderen Figur schon einmal eine Verzierung ab. Gleichzeitig liessen sich viele Paare an diesem Tag vermaelen. Der Braeutigum trug, wenn er es sich leisten konnte, die Kleidung eines Maharadjas. Den entsprechenden Turban trugen auch die anderen Heiratswilligen. Die Braut war reich geschmueckt, mit Henna bemalten Haenden und Fuessen, versteckte ihr Gesicht gern hinter einem Schleicher. Auffallend war bei einigen Paaren der Altersunterschied zwischen Braeutigam und Braut. Wegen der Festlichkeiten hatten wir dann Muehe, aus der Altstadt zum Bahnhof zu kommen, da die Strassen noch verstopfter waren als sonst. Doch unsere Aufregung war umsonst, weil unser Zug mit dreistuendiger Verspaetung eintraf, die wir frierend auf dem Perron verbrachten. Unser Ziel erreichten wir zwanzig Stunden spaeter, mit fuenf Stunden Verspaetung. That's India!

Patrik

Montag, 4. Februar 2008

Englisch fuer Anfaenger...

Eigentlich wollte ich ja waehrend unserer Reise auch meine Englischkenntnisse verbessern. Wenn wir nicht gerade mit Schweizern, Deutschen oder Oesterreichern unterwegs sind, bietet sich fuer uns wirklich die Gelegenheit dazu. Waehrend dies mit der einheimischen Bevoelkerung der Laender, die wir bis anhin bereisten, nur selten wirklich moeglich ist. Hier paktizieren wir Drei- bis Vierwortsatz Englisch, welche oft fern von jeden grammatischen Regeln und Grundsaezten ist. So vesteht das korrekte "How long does it takes to..." niemand. Wenn wir aber mit "How many hours to..." fragen bekommen wir meist die richtige Antwort. Generell ist es fast besser, wenn man begrenzte Englischkenntnisse hat, um mit den Einheimischen zu sprechen, da man einfachere Woerter und Redewendungen benutzt, welche sie besser verstehen koennen.

Im Norden Thailand trafen wir ein anderes schweizer Paar. Mit ihnen machten wir am naechsten Tag einen Ausflug mit einem gemieteten Taxis. Nach einigen Minuten Fahrt wollte Fabienne dem Fahrer erklaeren, dass er bei naechster Gelegeheit anhalten soll, da sie zur Toilette muesse. Der Fahrer verstand "Bahnhof" und schaute sie immer wieder unglaeubig an, waehrend sie ihre "Notlage" immer weiter erklaerte. Schliesslich sagte ich zum Fahrer "Stop-toilet-please!" Der Fahrer verstand sofort und nickte freundlich "Oh, yes,yes".

Das indische Englisch, dass hier von vielen Indern in Hotels oder Restaurants praktiziert wird, kommt oft sehr foermlich daher. So sprechen uns die Inder oft mit "Sir" oder "Mam" an. Wir kommen uns dabei extrem alt vor! Auch treffen wir hier praktisch staendig auf Leute, die mit uns ins Gespraech kommen moechten und es meist sehr direkt mit "Hello my friend" oder Patriks geliebten "Hello brother" versuchen. Meist kommt danach die Aufforderung in einem Geschaeft etwas zu kaufen, eine Rikshaw zu nehmen o.ae. Generell sind die Inder einfach neugierig und spontan. So fragen sie meist nach der Begruessung nach dem Herkunftsland ("Which country from?" oder aehnlich), nach dem Beruf, dem Einkommen und dem Familienstand. Es mag wohl fuer viele sehr aufdringlich klingen, was es fuer uns manchmal auch ist, Unbekannte so direkt anzusprechen. Doch die Inder versuchen mit diesen Fragen, den fuer sie wichtigen, gesellschaftlichen Stand des Gegenuebers zu bestimmen.

Auch das geschriebene Englisch der Speisekarten in den Restaurants ist oft sehr amuesant. Machmal muessen wir auch raten, was wirklich gemeint ist. Oft koennen die Restaurantbesitzer kein Englisch und irgendjemand schreibt ihnen die Namen die Gerichte dann handschriftlich vor und dies wird dann abgeschreiben. So kommen es dann vor, dass ein unschoenes a als d interpretiert wird usw... Hier ein paar spezielle Menuevorschlaege oder "Snaxs":
- Peene with overgien
- Peene Napalitana
- Meacroni Creemi Cheese Souce
- Race Plate
- Pienapel
- Potototamato Curry

oder wie waere es mit folgenden Drinks oder eben "Cock Tails"
- Manago Saka
- Gin Fix
- Long is Land Tea

Alles klar...?!?
und guten Appetit wuenscht Bettina

Busfahren in Indien

Eigentlich wollten wir nichts mehr uebers Busfahren scheiben, da wir uns diesbezueglich schon ein paar Mal berichtet haben. Doch auch hier in Indien gibt es immer wieder Neues und zum Teil Amuesantes zu berichten. Die oeffentlichen Busse hier sind hier ohne Ausnahme uralt. Doch solange der Motor laeuft, ist das Fahrzeig einsatzfaehig. Eine zerbrochene Heckscheibe wird einfach mit einem Tuch repariert. Fehlende Steitenfenster sind an der Tagesordnung. Das Gepaeck wird oft auf dem Dach transportiert, da die Gepaecksfaecher durchgerostet sind, sodass das Gepaeck auf die Strasse fallen wuerde.

Meist setzen wir uns ganz hinten in den Bus auf die letzte Sitzreihe. Die Inder draengeln sich meist um die vordersten Sitzplaetze. Manchmal fuehlen wir uns ob dieser Mentalitaet oft wie auf einer Schulreise! Zu hinterst im Bus hat man meist am laengsten bequem Platz. Einmal wurden uns aber explizit die vordersten zwei Sitze hinter dem Fahrer angeboten. Dies hatte in der Folge auch seine Berechtigung, welche wir bei der naechsten Haltestelle feststellen konnten. Da es der letzte Bus am Tag war, musste er einfach alle wartenden Fahrgaeste mitnehmen. Als der Bus nach etwa 20 Minuten weiterfuhr, waere der Ausdruch "Sardinenbuechse" passender gewesen. Mit nur einigen Fingern hielten sich die Menschen zum Teil an einer Stange, am Nachbarn,... fest um nicht aus dem Bus zu fallen...

Ein andermal erlebten wir einen Gefangenentransport mit. Denn Polizeiautos scheint es auf dem Land nicht zu geben, so nimmt man eben auch den Bus. Ein etwas korpulenter Polizist in Uniform stieg mit einem Gefangenen in Handschellen in den Bus und setzte sich auf die Bank neben uns. An den Handschellen war ein dickes Hanfseil geknotet, so hatte der Polizist den Gefangenen buchstaeblich an der Leine. Waehrend der Gefangene die Busfahrt verschlief, betrachtete der Polizist interessiert die Bilder in unserem Reisefuehrer...

A propos Polizei: Heute haben wir in der Zeitung gelesen, dass auf einen Polizeiposten sechs Gewehre gestohlen wurden. Dies war moeglich, da die fuenf diensthabenden Beamten zu dieser Zeit geschlafen hatten! So viel zum Thema Stress bei der Arbeit!

Offizielle Toilettenstopps von Bussen gibt es hier in Indien nicht. Muss der Bus aus irgend einem Grund halten, wird einfach ausgestiegen und das entsprechende "Geschaeft" erledigt. Es wird nicht noch lange nach einem Baum oder Gebuesch gesucht. Diesbezueglich haben die Inder keine Hemmungen. Uns "Westlern" bleiben da eigentlich nur zwei Moeglichkeiten, zum Einen jede Hemmungen verlieren oder seine Blasenmuskulatur zu trainieren.

Bettina

Freitag, 1. Februar 2008

Kaeltewelle in Indien

Nordindien wird im Moment von einer Kaeltewelle heimgesucht und wir stecken mitten drin. In Mumbai wurden die tiefsten Temperaturen gemessen seit 45 Jahren und in Delhi bekamen die Schueler schulfrei. Kaeltefrei statt hitzfrei!

Eigentlich wollten wir gar nicht so weit in den Norden reisen, doch als wir auf der Karte sahen, dass er nur 500 km nach Agra sind, entschieden wir uns dafuer, den 2005 wegen gesundheitlichen Problemen verschobenen Ausflug nach Fatehpur Sikri nachzuholen. So buchten wir von Bhopal einen Nachtzug nach Agra, um von dort mit einem Lokalbus nach Fatehpur Sikri zu fahren. Bereits in Bhopal war es nach Sonnenuntergang ziemlich kalt, waehrend des Tages lagen die Temperaturen im angenehmen Bereich. Abends waren lange Hosen, Socken, Schuhe und Jacke angesagt! Das in Zentralindien, wer haette das gedacht. Eigentlich wollte ich meine langen Hosen nach dem Trekking in Myanmar verschenken, was ich jetzt bitter bereut haette. Der Zug fuhr puenktlich ab, da Bhopal der Startbahnhof ist. Indiens Bahn besteht groesstenteils aus Breitspurlinien und so sind auch die Wagen breiter als bei uns. In einem Schlafwagen hat es pro Abteil wie bei uns drei Betten uebereinander, daneben hat es auf der Stirnseite nochmals zwei Betten, die aber ein bisschen kuerzer sind. Dies waren uebrigens unsere zwei Betten. Etwas habe ich noch nicht erwaehnt, was wichtig ist: der ganze Wagen ist offen. Das heisst, die Abteile sind nicht voneinander abgetrennt! So hoert man das Schnarchen oder die lauten Abwinde der 71 Mitreisenden die ganze Nacht. Decken oder Kissen muss jeder selber mitbringen, so machten die Wolldecken mehr als die Haelfte des Gepaecks der indischen Passagiere aus. In unserem Wagen waren wir die einzigen westlichen Touristen.

Der Zug haette um 4.35 Uhr in Agra ankommen sollen. Als wir mit Sack und Pack um halb fuenf Uhr dem Ausgang zusteuerten, sahen wir auf dem Bahnhofsschild Gwalior stehen und nicht Agra. Einer der hereinkommenden Fahrgaeste meinte, dass wir Agra in eineinhalb bis zwei Stunden erreichen wuerden . Wenn wir das gewusst haetten, waere es eine laengere Nacht geworden. Aber so sassen wir frierend auf unseren Betten, hofften, bald in Agra anzukommen. Die Fenster lassen sich nicht ganz schliessen und auch sonst zieht es durch viele Ritzen. Zum Glueck kam niemand auf die Idee, die Ventilatoren einzuschalten.

Ziemlich durchgefroren erreichten wir dann zwei Stunden spaeter Agra, fuhren mit einer Autorikscha zum Bushof, wo ein klappriger Bus nach Fatehpur Sikri auf uns wartete. Dieser Bus hat mindestens schon zwei Busleben hinter sich. Fuer die 40 km brauchte er etwa eineinviertel Stunden, was recht schnell ist. Mehrmals fuhren wir so ueber Bodenwellen oder durch Schlagloecher, dass es uns von den Sitzen hob.

Die Geisterstadt Fatehpur Sikri war Hauptstadt unter dem Mogulskaiser Akbar, erbaut zwischen 1569 und 1585. Als sich 1600 herausstellte, dass die Wasserversorgung nicht ausreichend war, verlegte Akbar den Hof und seither ist die Stadt verlassen. Dank unfangreichen Restaurierungsarbeiten der Briten vor der Unabhaengigkeit ist die Anlage gut erhalten. So richtig waermten wir uns an dem Tag nicht auf, denn die Sonne hatte grosse Muehe, sich gegen den Nebel und die Wolken durchzusetzen. Ausnahmsweise hielten sich die indischen und westlichen Touristen die Waage. Den Indern war es wohl zu kalt. So wurden wir den ganzen Tag nur einmal um ein Foto gebeten. Welche Wohltat.

Neben dem Palast befindet sich eine grosse Moschee, die Jami Masjid (viele Moscheen heissen so, das bedeutet Freitagsmoschee). Dort wurden wir viel staerker belaestigt, vor allem die "Schuhhueter" wollten uns nicht ohne Tipp gehen lassen. Erst nach den Hinweisen, dass die Inder auch nicht zahlen und "No ticket, no money", liessen sie uns zaehneknirschend ziehen. Auch Bettler sind Auslaendern gegenueber viel hartnaeckiger als zu ihren Landsleuten. Oft sind es Kinder, die uns regelrecht verfolgen.

In unserem Hotel fand an diesem Tag die Ringzeremonie, Teil einer Hochzeitsfeier, statt. Wir waehlten wohl einen unguenstigen Zeitpunkt fuer unsere Rueckkehr, denn wir wurden sogleich vom Hotelmanager zu unserem Zimmer gefuehrt. Da es im Zimmer kaelter war als draussen, spazierten wir durch den Markt, wo wir natuerlich freudig begruesst wurden. Auf dem Rueckweg spuerten wir sogar ein paar Regentropfen. Jetzt auch noch Regen, das wird ja immer besser! Vorlaeufig blieb es bei ein paar Tropfen, spaeter sollte es noch richtig regnen. Also fluechteten wir in ein gedecktes Dachrestaurant, von wo wir einen tollen Blick auf das Marktgeschehen hatten.

Die Feierlichkeiten im Hotel waren noch nicht zu Ende, doch der wichtige Teil war anscheinend vorueber, denn wir konnten ungehindert passieren. Auf einer Leinwand wurde zuerst ein Film gezeigt und dann ein Cricketspiel zwischen den beiden Erzrivalen Indien und Pakistan. Es ist natuerlich klar, dass sie ein Spiel (ab DVD) zeigen, in dem Indien seinen Nachbarn besiegt. Nach dem Abendessen bekamen wir noch Reste vom Dessertbuffet zum Kosten, in Milch gekochte Karotten mit viiieeel Zucker und kandierten Fruechten. Sehr suess und "nahrhaft" (Kalorienbombe!!!). So ueberstanden wir die kalte Nacht, bevor wir am naechsten Tag wieder Richtung Sueden reisten.

Patrik

Freitag, 25. Januar 2008

Die Hoehlen von Ajanta und Ellora

Nach dem wir die Millionenstadt Mumbai verlassen haben, sind wir in nordoestlicher Richtung nach Aurangabad gereist. Von dort haben wie uns die Hoehlen von Ellora und Ajanta angesehen.

Die Hoehlen von Ellora liegen etwa 30 Kilometer ausserhalb von Aurangabad. Wir gelangten mit einem oeffentlichen Bus dorthin. Wobei die Qualitaet der Busse etwa jenen von Myanmar entspricht oder noch etwas schlecher ist. Die Strassen sind auch in etwa gleich, wenn auch die Fahrbahn etwas breiter ist. Fuer den Rueckweg nahmen wir uns einen Minivan eines Privatanbieters, was aber nicht komfortabler war, dafuer nochmals einen neue Erfahrug bezueglich Platzausnuetzung. Insgesamt waren wir naemlich 18 Erwachsene Personen in diesem normal grossen Van. Wovon 8 westliche Touristen! Der Fahrer fuhr in rasendem Tempo mit halsbrecherischen Ueberholmanoevern, sodass wir wenigsten schneller ans Ziel gelangten und wieder atmen konnten!

Die insgesamt 32 Hoehlen liegen auf einer Distanz von rund 2 Kilometern entlang eines Steilhangs. Sie wurden zwischen 500 und 870 nach Chr. in einer Art Wettbewerb erschaffen.

Die Hauptattraktion von Ellora ist der sogenannte Kailash Tempel, der aus einer riesigen Aushoehlung im Fels emporragt. Ein gigantischer, reich verzierter Gesteinsbrocken, aus dem spektakulaere Saeulengaenge, Hallen, Emporen und heilige Schreine geschaffen wurden. Hier ist die Bezeichung der Hoehle auch eine Fehlbezeichnung, denn obwohl er wie die anderen Tempel aus dem Fels geschlagen wurde, ist er ein Gebaeude. Seine Groesse ist atemberaubend und beeindruckte uns sehr. Fuer Patrik war es fototechnisch ein echte Herausforderung, die Groesse mit den speziellen Lichverhaeltinissen festzuhalten. Zudem gab es beim Klettern ueber die Treppenaufgaenge zu den Balkonen, Zinnen und Emporen immer wieder Neues zu entdecken. Wie gesagt, wurde der Tempel als ein Stueck in einer gigantischen "Bildhauerarbeit" aus dem Berg mit Pickel und Schaufel geschlagen. Man schaetzt, dass ungefaehr 250 000 Tonnen Stein entfernt wurden. Die Form des Haupttempels ist dem Berg Kailash in Tibet nachempfunden (Dieser Berg ist gemaess hinduistischen Glauben nach die Wohnstatt von Shiva und seiner Frau Parvati) .

Der urspruengliche Grund, warum in dieser so abgeschiedenen Landschaft diese einmaligen "Gebaeude" erschaffen wurden, war die beliebte Karawanenroute zwischen den Staedten im Norden und den Haefen der Westkueste Indiens.
Die Hoehlen von Ajanta sind 108 Kilometer von Aurangabad entfernt. Ein geschaeftstuechtiger Taxifahrer, nahm uns fuer einen wirklichen Spottpreis dorthin mit, da er 2 chinesische Touristinnen abholen musste. Die Taxifahrt war dann natuerlich super komfortabel, wobei ich eigentlich mittlerweile den oeffentlichen Bus bevorzuge, da man bei einem Crash noch mehr Blech um sich hat... Waehrend der Fahrer in moederischen Tempo dem Ziel entgegenfuhr, gefror mir fast das Blut in den Adern. Nachdem wir einmal fast mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidierten, erklaerte uns der Fahrer daraufhin, in englisch mit einem sehr ausgepraegten indischen Akzent irgend etwas ueber seine Fahrerfahrung, bzw. -praxis. Wir verstanden kein Wort, nickten einfach freundlich laechelnd! Fuer den Rueckweg am naechsten Tag nahmen wir wieder den oeffentlichen Bus.

Die Felshoehlen von Ajana liegen wunderschoen in einer hufeisenfoermigen Schlucht mit fast senkrechten Waenden. Bis vor 2 Jahrhunderten waren sie nur dem hier ansaessigen Volk bekannt, bis sie 1819 von britischen Soldaten entdeckt wurden. Das Innere der insgesamt 28 Hoehlen ist mit wunderschoenen Felsmalereien verziert. Die Motive reichen von Schlachtfeldern mit Segelschiffen, Strassenszenen, Waelder mit wilden Tieren,...

Ajanta war fuer die umherziehenden buddhistischen Moenche der Region der ideale Ort fuer die Gruendung eines ihrer ersten festen Kloester, nahe genug an den Handelsrouten, um zu ihren Almosen zu gelangen und weit genug von der Zivilisation entfernt, um Ruhe und Frieden zu haben, die sie fuer die Meditation und die Gebete benoetigten. In ihrer Glanzzeit beheimateten die Hoehlen von Ajanta rund 200 Moenche, daneben Bildhauer, Maler und Arbeiter, die mit dem Ausbau der Hoehlen als Heiligtuemer und Wohnungen beschaeftigt waren.

Obwohl die Hoehlen etwas ausgeleuchtet werden, mussten wir uns mit der Taschenlampe behelfen um ueberhaupt etws von den Malereien zu sehen. Patrik kaempfte fuers Fotografieren mit der indischen Buerokratie, da das Fotografieren mit Stativ nicht erlaubt ist. Ausser man hat eine Sondergenehmigung welche man aber auf irgend einem Amt in der Hauptstadt Dehli beantragen muss. Da aber Reisefuehrer, Notizblock, Mobiltelefon, etc... nicht als Stativ gelten, tuermte er jeweils all dies aufeinander und kreierte ein taugliches "Stativ"... Resultate dieser Uebung werden bald veroeffentlicht.

Bettina

Donnerstag, 24. Januar 2008

Bangkok

Bangkok hat sich auf unserer Reise zum Dreh- und Angelpunkt entwickelt. Immer wieder kehren wir in diese Stadt zurueck und auch alle unsere Fluege starten oder landen hier, mal von allfaelligen indischen Inlandfluegen abgesehen. Wobei mir nach Moeglichkeit Fluege vermeiden, aber wer sich im Atlas einmal die Groesse von Indien vor Augen fuehrt, sieht, dass grosse Distanzen zu ueberwinden sind. Bahnfahrten sind ganz angenehm, mittlerweile sind wir bereits zwei Mal angebrannt, weil die Zuege auf Tage hinaus ausgebucht waren. Busse hingegen sind besonders auf lange Strecken nicht so angenehm. Fuer einmal haben wir morgen "das Erlebnis" einer Nachtbusfahrt im Doppel-Kabinen-Schlafabteil.

Doch zurueck zu Bangkok. Uns gefaellt Bangkok, alles ist hier so sauber und so gut organisiert, kein unnoetiges Hupen, beim Ueberqueren einer Strasse begibt man sich nicht direkt in Lebensgefahr. Kein Vergleich zu anderen asiatischen Grossstaedten. In der Metro findet man auf dem Boden keinen Abfall und die Zuege sehen aus, wie wenn sie auf der Jungfernfahrt waeren. Mittlerweile kennen wir uns auch ein bisschen aus, kennen einige Linien des Stadtbusses. Trotzdem sieht Bangkok bei jedem Besuch anders aus. Auch die Khaosanroad, wo wir jeweils im gleichen Hotel uebernachten, aendert sich laufend, neue Shops eroeffnen, andere schliessen.

Obwohl wir noch nicht alle Highlights gesehen haben, stehen diese fuer uns nicht mehr im Zentrum. Es geht um Erholung und die Planung der weiteren Reise. Natuerlich kommt auch das Shoppen nicht zu kurz und nicht zu vergessen das Nachhauseschicken der gekauften Ware. Waehrend der drei Tage zwischen der Rueckkehr von Myanmar und dem Weiterflug nach Indien schoss ich keine einzige Foto! Und das will etwas heissen.

Bis zum naechsten Besuch in Bangkok Ende April.

Patrik

Montag, 21. Januar 2008

Wichtig: Neue Mobilnummer fuer Indien

Bettina: 0091 9930661371 (die schweizer Nummer funktioniert auch noch)
Patrik: 0091 9867118417

Samstag, 19. Januar 2008

Bollywood in Mumbai

Bollywoodfilme gehoeren etwa so zu Indien wie der Kaese und die Schokolade zur Schweiz....

Bereits am ersten Nachmittag, nachdem wir in Mumbai angekommen sind, werde ich von einem Typ auf der Strasse angesprochen, ob ich nicht Lust haette in einem Bollywoodfilm mitzuspielen. Um Patrik nicht im Gewuehl der Menschenmassen aus den Augen zu verlieren, verneinte ich hastig. Waehrend ich mich eher ein bisschen aufregte, so auf der Strasse angesprochen zu werden und etwas "Unserioeses" hinter diesem Angebot vermutete, war Patrik natuerlich von Beginn weg begeistert... waere doch toll gewesen, wir in einem Film...!

Am Abend kehren wir in unser Gaestehaus zurueck. Dort spricht uns unser Hotelmanager an, ob wir nicht Lust haetten, in einem Bollywood Film als Statisten mitzupielen. Er erklaert uns, dass wir am naechsten Morgen abgeholt wuerden, dann den ganzen Tag auf dem Filmset verbringen, auch verpflegt werden und am Abend wieder zurueckgebracht werden. Ausserdem bekommen wir einen Gage von 500 Rupien (ca 15 Franken). Schliesslich sagen wir zu.

Am naechsten Morgen werden wir ziemlich puenktlich um neun Uhr morgens abgeholt. Nachdem alle auslaendischen Stadtisten (eine Australierin, ein Deutscher, zwei Daeninnen, zwei Hollaenderinnen, ein Kanadier und wir beide) von ihren Hotels abgeholt sind, fahren wir zum Bahnhof. Im morgendlichen Gewuehl kauft einer unserer Begleiter die Tickets und wir steigen alle zusammen in einen Vorortszug Richtung Norden. Bei einem Bahnhof steigen wir wieder aus. Geplant waere gewesen, dass wir von dort mit einem lokalen Bus weiterfahren, da dieser uns aber vor der Nase wegfaehrt, organisieren unsere Begleiter mehrere Motorradrikschas. Jeweils zu dritt fahren wir, fuer uns mit unbekanntem Ziel weiter. Waehrend ich das Filmset erreiche, bleibt Patrik, die Australierin und der Deutsche vorerst verschwunden. Ihr Tuk-Tukfahrer scheint den Zielort nicht gekannt zu haben... Allein die Anreise war fuer uns alle schon filmreif!

Das Produktionsstaedte muss man sich als eine Art Fabrikhallenareal vorstellen. Wir werden zu einer Halle gefuehrt. In der Halle ist es schummerig dunkel und ziemlich kalt auf Grund der Klimaanlage. Das Dekor der Halle ist in silber und schwarz gehalten, so eine Art Club oder Disco darstellen. Hier werden wir dann aufgeklaert, dass es kein Film ist, bei dem wir mitwirken, sondern in einem Videoclip des Saengers Dil Jit. Heute soll das Video zum Song Sharab fuer das Album Chocolate gedreht werden. Der Saenger ist ein junger sehr smarter Typ mit Dreitagebart. Seine Kleidung ist westlich mit Jeans, weissem Hemd, Gilet und Turnschuhen. Das einzig indische ist sein bluetenweisser Turban. Neben uns wirken noch eine Taenzerin im knappen Goldkleidchenkostuem in der weiblichen Hauptrolle und eine Hip-Hop Tanzgruppe mit. Dani, der Deutsche wird von der Filmcrew als zweite maennliche Hauptrolle ausgewaehlt und darf im Video mit dem Saenger um die Frau buhlen. Waehrend die indischen Akteure bis aufs letzte Haar durchgestylt sind, kommen wir uns ziemlich bloed vor. Wir tragen alle unsere Flip-flops, Reisebekleidung, welche schon vor Urzeiten die letzte Waschmaschine gesehen hat oder dann so heftig nach lokalen Methoden gewaschen wurde, dass die Farben alles andere als leuchtend sind. Bevor es losgeht kommt der Visagist bei uns vorbei, steckt uns einen Kamm hin und haelt einen Spiegel. Natuerlich koennen wir uns vor lachen kaum halten...

Schliesslich geht es los. Wir werden jeweils irgendwo in den Background gestellt, wo wir uns zur Musik etwas mitbewegen sollen. Ein andermal sind wir Gaeste an der Bar und geniessen die Musik des Saengers in "gediegenem Ambiente", wobei das Coca Cola in unseren Glaesern bereits so alt ist, dass sich Flocken bilden... Ein andermal darf ich meinen Ruecken und meine "blonden" Haare in die Kamera stellen, waehrend sich der Saenger mit seinem Nebenbuhler um die Frau streitet. Immer wieder gibt es natuerlich fuer uns viel zu lachen... manchmal ab uns selber, machchmal aber auch ueber die indische Mentalitaet, die so ganz anders als die unsere ist.

Neben den Taenzern, Saengern, Regisseur, Choreograf, Prodzent und Kameramann befinden sich noch viele weitere Maenner auf dem Filmset. Es hat nur eine arbeitende Frau, welche der Hauptdarstellerin die Haare kaemmt. Fuer das Makeup ist jemand anderer zustaendig. Zwei Maenner sind uns besonders aufgefallen. Einer bringt den ganzen Tag den Taenzern Wasserflaschen, eine andere Aufgabe hat er nicht. Ein anderer ist fuer das "Trockeneis" zustaendig. Waehrend dies bei uns aus der Maschine kommt, ist es hier handmade: In einer wokaehnlichen Pfanne liegen Holzkohlen, auf die Weihrauch mit Gips gestreut wird. Der Mann laeuft mit diesem Teil in der Halle herum und schwingt es, damit sich der Rauch verteilt. Daneben waren noch viele andere Maenner da, deren Aufgabe uns nie ganz klar wurde.

Wir verbringen den ganzen Tag auf dem Filmset und die Arbeit ist erst fertig, als das ganze Video "im Kasten" ist. So sind wir dann doch sehr froh, als um etwa 23 Uhr der Produzent "pack up" sagt, was soviel wie "Wir sind fertig - herzlichen Dank" heisst. Als Dank sollen wir alle eine DVD des Videoclips bekommen, welche uns nach Hause zugeschickt wird. Auf diese sind wir natuerlich alle besonders gespannt...

Wieder werden wir mit dem Tuk-Tuk vom Film Set zum Bahnhof gebracht. Wobei der Fahrer diesmal auf halbem Weg wieder nicht weiss, wo er hin muss. Auf Hindi versucht er mit uns zu sprechen, mehr als Schulternzucken koennen wir aber auch nicht, da wir ja auch nicht wissen, wo wir genau hinmuessen. Nach mehreren Minuten warten, mitten auf einer stark befahrenen Strasse Mumbais kommt dann ein Mann, der einige Brocken Englisch sprechen kann. Wir fragen nach einem Bahnhof in der Naehe, da wir ja am Morgen von dort gekommen sind, das ist das einzige was wir wissen... Schliesslich faehrt uns der Fahrer dort hin und wir treffen wieder auf die andren und unseren Fuehrer.

Muede, um eine amuesanteErfahrung reicher und als fast Bollywood Stars fallen wir nachts um halb ein Uhr ins Bett...

Bettina

Rueckblick Myanmar

Die Internetverbindungen waren in Myanmar, falls sie funktionierten, sehr langsam. Deshalb sind wir mit unseren Beitraegen im Rueckstand. Im Moment sind wir bereits in Mumbai angekommen. Dennoch moechten wir eine Art Schlussbericht nachreichen.

Im ganzen Land merkt man die Armut der Menschen, was sie aber nicht daran hindert, viel Geld fuer Tempel und Pagoden zu spenden. Diese leuchten oft in echtem Gold. Auf dem Land leben die meisten ohne Strom und fliessend Wasser, einige haben Glueck und ein Bach treibt eine Stromturbine an und liefert Trinkwasser. Ihre Felder bearbeitet die Landbevoelkerung noch mit den gleichen Methoden wie vor hundert oder zweihundert Jahren. Da sie Selbstversorger sind, haben sie wenigstens genug zu essen. Vieles basiert noch auf Tauschhandel, zum Beispiel Kuhdung gegen Reis und Gemuese, Arbeit gegen Essen, usw. Trotz dem kargen Leben hinterliessen gerade diese Leute auf uns einen zufriedenen Eindruck. Soweit das mit dieser Regierung moeglich ist.

Orte mit normalerweise vielen Touristen leiden im Moment besonders daran, dass deutlich weniger Auslaender im Land sind. Weniger als die Haelfte gegenueber dem Vorjahr, wurde uns gesagt. Diejenigen, die da sind, haben bei den Hotels freie Auswahl und auch in den angesagte Lokalen ist es kein Problem, einen Tisch zu bekommen. Souvenirs bekommt man deutlich guenstiger als sonst. Die Sicherheit war fuer uns nie ein Thema, zu keiner Zeit fuehlten wir uns unsicher oder bedroht. Wenn man einmal von den Busfahrten mit haarstraeubenden Ueberholmanoevern, gefaehrlich quietschenden Bremsen oder Reparaturen auf der Strasse absieht. Dennoch sind neue Unruhen nicht ausgeschlossen, wegen der hoeheren Benzinpreise stiegen die Lebenshaltungskosten stark an. Als Tourist ist man von diesen Unruhen nicht direkt betroffen. Der Boykott von Myanmar trifft auf jeden Fall die einfache Bevoelkerung und ist unserer Meinung nach der falsche Weg.

Es kam mehr als einmal vor, dass versucht wurde, uns uebers Ohr zu hauen, vor allem beim Geldwechseln. Sogar ein Angestellter im Hotel in Yangon, das uns sehr gut gefallen hat und ein kleiner Familienbetrieb ist, wollte thailaendische Baht zu einem fuer uns sehr unguenstigen Kurs wechseln, weil er glaubte, dass wir den Wechselkurs nicht kennen. Nachdem wir diesen ausgerechnet haben, wollte er vom Geldwechseln nichts mehr wissen. Diese Erfahrungen und die spuerbar ueberhoehten und nicht transparenten Buspreise fuer Touristen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Der groesste Teil der Menschen hier sind sehr freundlich, herzlich und hilfsbereit. Doch wir glauben auch, dass die Touristen die Leute teilweise "verdorben" haben. Reisende, die schon mehrmals in Myanmar waren, haben diesen Eindruck bestaetigt. Ausserhalb der Touristenzentren sind sie noch viel zurueckhaltender.

Bereits jetzt schon vermissen wir die unzaehligen Teestuben mit ihren Tischen und Stuehlen aus dem Kindergarten. Pagoden, Tempel und Kloester haben wir fuer die naechsten Wochen genug gesehen, auch wenn jede fuer sich genommen eine Reise wert war.

Etwas was wahrscheinlich die wenigsten wissen, Myanmar hat sensationell schoene Straende. Obwohl ich sicher kein Experte betreffend Straende bin, denn laenger als zwei Tage halte ich es nicht am Strand aus, kann auch ich beurteilen, war ein schoener Strand ist. Wir waren in Chaungtha am Meer. Es waren vor allem wohlhabende Yangoner, welche hier Ferien verbrachten. Der Badeort liegt nur sechs Fahrstunden von Yangon entfernt, fuer hiesige Verhaeltnisse ein Katzensprung. Der Strand bestand aus feinem Sandstrand, mindestens dreissig Meter breit, mit Palmen gesaeumt und die Verkaeufer lassen einem in Ruhe. Die Unterkuenfte starten bei 10 US$ inkl. Fruehstueck. Wem dies noch nicht reicht, um neidisch zu werden: Noerdlich vom Hauptstrand geht der Strand noch kilometerweit. Wer also einmal einen Strand nur fuer sich haben moechte, ist hier genau am richtigen Ort.


Die landschaftliche und kulturelle Vielfalt werden uns zusammen mit den mehrheitlich freundlichen Menschen am meisten von Myanmar in Erinnerung bleiben.

Patrik

Dienstag, 15. Januar 2008

Bagan


Gemaess dem Reisefuehrer gehoert der Besuch von Bagan zu einem Hoehepunkt einer Myanmarreise. Das 40km2 grosse Tempelareal ist neben Angkor in Kambodscha und dem Borobudur in Indonesien die architektonische Meisterleistung in Suedostasien. Fuer uns war natuerlich klar, dass wir diese Pagoden- und Tempellandschaft auch ansehen wollten. Im Folgenden moechte ich ein paar Eindrucke schildern, versuche aber Vergleiche mit Angkor oder dem Borobudur zu unterlassen.

Wir erreichten Bagan nach einer landschaftlich schoenen Tagesfahrt mit dem Bus und dann noch mit einer knapp 2stuendigen Bootsfahrt auf dem Arywaddy-River vom noerdlich gelegenen Monywa her. Bereits vom Fluss her konnte wir den grossen goldenen Stupa der Shwezigonpagode (Shwe heisst in Bamar gold) sehen. Diese Pagode mit ihrem riesigen goldenen Stupa ist eines der Wahrzeichen von Bagan.

Die alte Koenigsstadt liegt in einer Trockenzone mit einer jaehrlichen Niederschlagsmenge von weniger als 1000 mm. Frueher wurde die Gegend mit "tattadesa" bezeichnet, was soviel wie "verdorrtes Land" bedeutet. In dieser savannenaehnlichen Landschaft befinden sich rund 2230 Monumente, welche innerhalb von 250 Jahren errichtet wurden. Die meisten dieser Gebaeude sind aus rotem Ziegelstein, wenige aus Sandstein. Heute kann man ausschliesslich noch Ruinen von Tempel-, Kloster- und Pagodengebaeuden sehen. Denn die weniger wichtigen Haeuser aus Teakholz sind sie nicht mehr erhalten.

Die Kloester, Tempel und Pagoden zeugen von der tiefen birmanischen Kultur zum Buddhismus. So ist Bagan auch ein wichtiges Ziel fuer burmesische Touristen, die sehr grosszuegig in die aufgestellten Spendenboxen in den Anlagen spenden. Das Geld wird fuer die Erhaltung verwendet, wobei das Vorgehen bei der Renovation von einigen westlichen Touristen oder Archaeologen auf nur wenig Gegenliebe stoesst, da oft wenig Wert darauf gelegt wird, das Gebaeude originalgetreu wiederaufzubauen. Abschaetzig hoert man ab und zu den Begriff von "Ziegelsteinhaufen".

Am einfachsten erkundet man die Gegend mit einem Fahrrad, welche Shops oder auch die Gaestehaeuser verleihen. Unsere Fahrraeder hatten etwas den gleichen ruinenaehnlichen Zustand wie die Tempelanlagen. So musste Patrik am ersten Tag nach kurzer Fahrt bereits einen platten Reifen reparieren lassen. Aber gegen ein Entgeld von umgerechnet 60 Rappen konnten wir dies in einer Strassenrand-Werkstatt innert 10 Minuten reparieren lassen. Uebrigens war der Fahrradschlauch ausserste sehenswert... denn der Schlauch bestand fast aus mehr Flicken denn urspruenglichem Schlauch! Fuer weniger sportliche Touristen stehen auch Pferdekutschen bereit, mit welchen man sich herumchauffieren lassen koennte...

Besonders stimmungsvoll ist die Gegend bei Sonnenaufgang, wenn die ersten Sonnenstrahlen diese einmalige Landschaft in ein stimmungsvolles Licht huellen, oder auch bei Sonnenuntergang. So hiess es fuer uns jeweils frueh aufstehen, um dieses Naturschauspiel zu sehen. Waehrend Patrik an zwei Morgen frueh losfuhr, um einen moeglichst einsames Pagodendach zum Fotografieren zu finden, hatte ich dank meiner Erkaeltung einen guten Grund, einmal etwas laenger im Bett liegen zu bleiben.

Bagan war der wuerdige Ort, an dem wir mit Petra und Hanspeter, zwei Oesterreichern, auf das neue Jahr anstiessen. Statt Champagner gab es jedoch diesmal Coffee-Mix und Myanmar-Tee, denn die kuehlen Abendtemperaturen luden nicht zu Sekt ein! Dieser Jahreswechsel war auch fuer uns etwas spezielles, denn er ist genau die Haelfte unserer Reise. Wer ausrechnen moechte, wann wir zurueckkommen (der Flug ist schon gebucht und bestaetigt): Wir sind am 11. Juli 2007 abgereist und dieser Tag zaehlt auch. Achtung, 2008 ist ein Schaltjahr!

Bettina

Andere Laender, andere Sitten

In einem Bereich gibt es betraechtliche Unterschiede zwischen Europa und Laendern in Suedostasien, besonders zu den Laendern, in denen die eigene Kultur noch gepflegt wird, wie Laos und Myanmar. Dies sind auch sonst nicht zufaellig unsere "Lieblingslaender". Dieser Bereich betrifft die Heirat. Waehrend unseres Trekkings von Kalaw zum Inlesee erzaehle uns Htun Ti ueber die unterschiedlichen Heiratspraktiken der einzelnen Volksgruppen.

In einem Stamm bestimmen die Eltern den Zeitpunkt, wann eine Frau heiratsfaehig ist. Maenner, welche Interesse an dieser Frau haben, besuchen sie am Abend. Die Eltern sind auch zugegen, verlassen die Runde aber, zu einem bestimmten Zeitpunkt. Mit ihnen verlassen auch all jene Maenner die Runde, welche kein Interesse an der Frau bekunden. Das Ziel der verbleibenden Maenner ist es, letzter Gast zu bleiben, denn nur dieser hat die Chance, der Frau sein Geschenk zu uebergeben. Nimmt die Frau das Praesent an, ist sie mit ihm einverstanden. Sagt sie ihm hingegen, er soll morgen wiederkommen, dann will sie ihn nicht. Waehrend des Treffens wird Tee getrunken, wobei die Maenner versuchen, so wenig Tee wie moeglich zu trinken. Denn wer auf die Toilette geht, darf nicht mehr zurueckkommen, das gehoert sich einfach nicht. Der Mann bespricht mit seinen Eltern die Angelegenheit und die Frau mit ihren. Sind die Eltern mit der Verbindung einverstanden, treffen sie sich mit den Eltern des anderen Partners. Im gegenteiligen Fall sagen die Eltern, sie moechten erst in ein paar Wochen oder Monaten mit den anderen Eltern sprechen. Sie hoffen, dass ihr Kind sich in der Zeit einen anderen Ehepartner sucht.

Es gibt Volksstaemme, in denen nur innerhalb des Stammes geheiratet werden darf, in anderen Staemme koennen die Ehepartner auch in einem unterschiedlichen Stamm gesucht werden. Da die Staemme teilweise recht klein sind, besteht die Gefahr von Inzucht. In einem Beispiel wird versucht, Inzucht mit folgender Methode zu vermeiden. Da in Myanmar niemand einen Familiennamen hat, dafuer zwei oder mehr Vornamen, gehoeren die Mitglieder einem Clan an. Nennen wir den einen Clan Aung, einen anderen Clan Khun. Die Knaben gehoeren immer dem gleichen Clan an, waehrend die Frauen in den Clan des Mannes wechseln. Eine Frau des Aung Clans heiratet einen Mann des Khun Clans und wird somit Mitglied dieses Clans. Ihre Kinder duerfen die Nachfahren eines Aung Clans heiraten, also ihre Cousins.

In Staemmen, in denen die Eltern die Hochzeit arrangieren, gibt es keine freiwillige Durchmischung von Knaben und Maedchen. Knaben treffen sich nur mit Knaben, Maedchen nur mit Maedchen. Die Hochzeit wird jeweils von der Familie des Mannes finanziert, ebenso bekommt die Braut und deren Eltern Geschenke, dafuer bleibt das Ehepaar im Haus der Eltern des Mannes und sorgt fuer diese, wenn sie alt sind. Doch es kommt auch vor, dass das Ehepaar im Haus der Eltern der Frau wohnen, weil es im Haus der Eltern des Mannes keinen Platz hat und die anderen Eltern keine weiteren Kinder haben.

Ziemlich kompliziert das Ganze, aber Heiraten war noch nie einfach.

Patrik

Freitag, 11. Januar 2008

Busfahren

Nachdem wir nun schon ein paar Monate unterwegs sind, dachten wir, dass uns in Sachen Busfahren nichts mehr erschuettern kann. Doch wir haben uns getaeuscht! Die erste Strecke von Yangon zum Goldenen Felsen war ganz gut und so haben wir uns auf beschauliche Busfahrten eingestellt. Wie man sich da taeuschen kann. Die Strassen sind meist in einem sehr erbaermlichen Zustand, einzig die Strecke von Yangon nach Mandalay hat einen vernuenftigen Standart. Die restlichen Hauptstrasse erreichen die Qualitaet eines besseren Feldweges. Das mit Schlagloechern gespickte Teerband ist selten breiter als eine Wagenbreite, dann beginnt schon der Schotter. Gewagte Ueberholmanoever oder Gegenverkehr fuehren automatisch dazu, dass der Bus auf die Schotterpiste ausweichen muss und fuers Kreuzen der Bus oft auf Schritttempo abbremsen muss. Oftmals hat es auch gar keinen Asphalt und man faehrt auf einer Sandpiste. So erinnerte uns ein Streckeabschnitt von Bagan nach Yangon der Fahrt durch eine Kiesgrube. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, wenn man fuer eine 680 km lange Stecke mit mindestens 17 Stunden rechnen muss. Myanmar ist sehr gross, so verbrachten wir insgesamt drei Naechte im Bus. An Schlafen ist dabei nicht wirklich zu denken. Ziemlich geraedert erreichten wir die Zielorte, einmal um halb fuenf Uhr, die beiden anderen Male als die Sonne aufging.

Bereits kleine Huegel mit einem Hoehenunterschied von wenigen Metern bereiten den hoffnungslos ueberladenen und untermotorisierten Bussen Schwierigkeiten. Im Schritttempo quaelen sie sich die Strasse hinauf. Geht es herunter, quietschen die Bremsen so erbaermlich, dass einem Angst und Bange wird. Die Busse werden gefuellt, bis nichts mehr Platz hat, unter alle Stuehle werden Reissaecke gelegt, so dass man nur mit angezogenen Beinen sitzen kann. Auf dem Dach werden Huehnerkoerbe mit etwa zwanzig Huehnern festgezurrt. Maenner duerfen auch auf dem Dach mitfahren, Frauen ist dies untersagt. Da die Sitze schon bei Abfahrt alle besetzt sind, muessen die Leute, die unterwegs zusteigen, im Mittelgang stehen. Uns als Auslaender werden meist die beste Plaetze ganz vorn angeboten. Da wir auch mehr zahlen ist dies in Ordnung.


Auf laengeren Strecken wird man in grossen Bussen mit Karaokovideos unterhalten und zwar in einer solche Lautstaerke, dass eine normale Unterhaltung fast nicht mehr moeglich ist. Bei vielen Liedern handelt es sich um Coverversionen, es wird hemmungslos "abgekupfert" und dann auf Bamar gesungen. Oft handelt es sich um muehsam verdraengte Ohrwuerme aus den unsaeglichen Achtzigern, aber auch aktuelle Songs werden kopiert. NIcht einmal vor Modern Talking haben sie zurueckgeschreckt. Die dazu laufenden Videos koennen in zwei Kategorien eingeteilt werden: Liveauftritte und Liebesgeschichten. Bei den Konzerte zeigend die Musiker etwa so viel Buehnenpraesenz wie die "Leider Nein"-Kandidaten von Music Star vor einem regungslos dasitzenden Publikum. In den Liebesgeschichtenvideos versucht der Hauptdarsteller die Gunst seiner angebeteten an verschiedenen romantischen Orten au erobern. In komplexeren Geschichten tritt noch eine zweiter Mann auf und es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte.

Insgesamt hatten wir aber mit dem Busfahrten Glueck und unsere Busse hatten nie eine groessere Panne. Eine Zwangspause um den Motor abzukuehlen ist hier an der Tagesordnung. Auch Reifenpannen koennen erstaunlicherweise recht schnell repariert werden, sofern ein Reservereifen mitgefuehrt wird! Wir hoerten von einer Deutschen, dass der Taxifahrer auf einer Fahrt die verschobenen Hinterachse mit einem kurzerhand selbstgeschnitzten Holzsplinten repariert hat!

Da die Busgesellschaften alles Privatunternehmen sind, welche sich ihre Fahrzeuge als Einzelexemplare in Japan oder Korea zusammenkaufen, erkennt ein Reisender aus diesen Laendern ein Bus vielleicht von einer frueheren Fahrt wieder. Die Bemalung der Busse und auch die japanischen Aufkleber oder Sitznummern wurden nicht entfernt. Diese in Korea oder Japan ausrangierten Busse sind fuer burmesischen Standart noch "Luxusbusse". Uns Auslaendern wurden sie immer als "very good bus- aircon bus" verkauft". Was uns im Verlauf der Reise oft ein Schmunzeln entlockte! Aircon bedeutet, dass die Tuere waehrend der Fahrt offen ist.

Patrik

Sonntag, 6. Januar 2008

Trekking - Uebernachtungen

Uebernachtet haben wir einmal im Haus einer Familie und einmal in einem Kloster. Die erste Nacht war eine der kaeltesten meines Lebens. Das Haus besteht wie hier ueblich aus Holzlatten, der Wind pfeifft durch die Ritzen, geschlafen wird auf dem Boden. Wir bekamen als Gaeste eine sehr duenne Matratze, darauf legten wir eine Wolldecke, die restlichen drei Wolldecken wickelten wir um unsere Koerper. Dies ist solange ganz gut, wie man regungslos daliegt. Das Drehen auf die andere Seite war eine Angelegenheit, die mehrere Minuten in Anspruch nahm. Genaue Temperaturangaben haben wir leider keine, aber diese sollen sich zwischen null und fuenf Grad befunden haben. Wir blieben am Morgen so lange liegen, bis uns die Sonnenstrahlen ein bisschen waermten. Sogleich begaben wir uns in die Kueche, wo ein waermendes Feuer auf uns wartete. Spaeter kam ein Nachbar herein und brachte unserem Koch Blumenkohl. Er war barfuss (die Schuhe =Flipflops bleiben in Myanmar immer draussen vor der Tuere), dazu trug er unten nur den auch bei Maennern ueblichen Wickelrock. Oben trug er eine Winterjacke und Muetze. Htun Ti meinte, dass er wohl um fuenf Uhr auf das Feld gegangen ist.


Die zweite Nacht im Kloster war nicht mehr gar so kalt, aber immer noch kalt. Das Dorf lag in einem Talkessel und auch noch ein paar Hoehenmeter hoeher als das Kloster. Jedes Dorf in Myanmar hat sein eigenes Kloster. Ist es zu klein, schliesst es sich mit dem Nachbardorf zusammen. Um ein Kloster zu unterhalten, braucht es 50 Familien. Die Moenche und Novizen bekommen alles Essen von den Dorfbewohnern. Jeder Mann in Myanmar geht mindestens einmal in seinem Leben in ein Kloster. Viele gehen fuer ein paar Jahre als Novizen und spaeter als Moench nochmals, dann jedoch nur noch fuer ein paar Wochen oder Monate. Bis zwanzig Jahre ist man Novize, nachher Moench, unabhaengig davon, wie lange man im Kloster ist oder bleibt. Haben die Eltern Muehe mit der Erziehung ihrer Knaben, schicken sie diese einfach ins Kloster. Das harte Klosterleben soll sie wieder zur Vernunft bringen. Es gibt auch Nonnenkloester, jedoch nicht so viele und selten auf dem Land. Dies waere doch auch etwas fuer unsere verwoehnten Knaben!

Waehrend des Abendessens stroemten immer mehr Frauen ins Kloster. Nicht jedoch, um zu beten, sondern um sich um den Fernseher zu versammeln. Am naechsten Tag reisen die zwei Leiterinnen eines Agrarworkshops der UNO ab und deshalb wurde der Obermoench gefragt, ob er noch Petrol fuer den Generator hat (Strom kommt nur aus dem Generator und das Wasser aus dem Brunnen). Spaeter kamen auch Kinder und Maenner und so versammelte sich im Laufe des Abends das halbe Dorf im Versammlungsraum des Klosters und schauten im Fernsehen Karaokevideos an. Diese Videos sind der Renner in Myanmar, darueber in einem Beitrag uebers Busfahren mehr. Die Maenner sassen direkt vor dem Fernseher und die Frauen hinten, eine Durchmischung der Geschlechter fand nicht statt. Von uns nahmen die Leute nur am Rande Notiz. Weil am naechsten Tag Vollmond war und der Vollmond mit einer Feier im Kloster gefeiert wird, gingen die meisten Leute schon bald wieder nach Hause. Als wir erwachten, waren erneut sehr viele Leute im Versammlungsraum. Sie brachten die Opfergaben fuer das Kloster und Buddha. Zu diesem Anlass trugen alle ihre schoensten Kleider. In einem anderem Kloster auf dem Weg zum Inlesee erlebten wir die Segnung der Opfergaben. Einer der Novizen nahm diese vor. Dazu setzte er sich auf einen grossen Sessel und sprach die Gebete. Um sich nicht abzulenken, hielt er sich einen grossen Faecher vor das Gesicht, doch er schaute staendig zu uns hinueber. Einmal erhob sich ein Gemurmel bei den Glaeubigen, da er einen Fehler gemacht hatte. Doch Htun Ti sagte uns, dass er die Sache gut gemacht hat. Die Eltern des Novizen, die anwesend waren, konnten stolz auf ihn sein. Die Aelteren blieben nach der Segnung noch im Kloster, um zu meditieren, die anderen kehrten auf die Felder zurueck.

Trotz der tollen Erlebnisse wird mein Weg nicht ins Kloster fuehren.
Patrik