Montag, 21. Januar 2008

Wichtig: Neue Mobilnummer fuer Indien

Bettina: 0091 9930661371 (die schweizer Nummer funktioniert auch noch)
Patrik: 0091 9867118417

Samstag, 19. Januar 2008

Bollywood in Mumbai

Bollywoodfilme gehoeren etwa so zu Indien wie der Kaese und die Schokolade zur Schweiz....

Bereits am ersten Nachmittag, nachdem wir in Mumbai angekommen sind, werde ich von einem Typ auf der Strasse angesprochen, ob ich nicht Lust haette in einem Bollywoodfilm mitzuspielen. Um Patrik nicht im Gewuehl der Menschenmassen aus den Augen zu verlieren, verneinte ich hastig. Waehrend ich mich eher ein bisschen aufregte, so auf der Strasse angesprochen zu werden und etwas "Unserioeses" hinter diesem Angebot vermutete, war Patrik natuerlich von Beginn weg begeistert... waere doch toll gewesen, wir in einem Film...!

Am Abend kehren wir in unser Gaestehaus zurueck. Dort spricht uns unser Hotelmanager an, ob wir nicht Lust haetten, in einem Bollywood Film als Statisten mitzupielen. Er erklaert uns, dass wir am naechsten Morgen abgeholt wuerden, dann den ganzen Tag auf dem Filmset verbringen, auch verpflegt werden und am Abend wieder zurueckgebracht werden. Ausserdem bekommen wir einen Gage von 500 Rupien (ca 15 Franken). Schliesslich sagen wir zu.

Am naechsten Morgen werden wir ziemlich puenktlich um neun Uhr morgens abgeholt. Nachdem alle auslaendischen Stadtisten (eine Australierin, ein Deutscher, zwei Daeninnen, zwei Hollaenderinnen, ein Kanadier und wir beide) von ihren Hotels abgeholt sind, fahren wir zum Bahnhof. Im morgendlichen Gewuehl kauft einer unserer Begleiter die Tickets und wir steigen alle zusammen in einen Vorortszug Richtung Norden. Bei einem Bahnhof steigen wir wieder aus. Geplant waere gewesen, dass wir von dort mit einem lokalen Bus weiterfahren, da dieser uns aber vor der Nase wegfaehrt, organisieren unsere Begleiter mehrere Motorradrikschas. Jeweils zu dritt fahren wir, fuer uns mit unbekanntem Ziel weiter. Waehrend ich das Filmset erreiche, bleibt Patrik, die Australierin und der Deutsche vorerst verschwunden. Ihr Tuk-Tukfahrer scheint den Zielort nicht gekannt zu haben... Allein die Anreise war fuer uns alle schon filmreif!

Das Produktionsstaedte muss man sich als eine Art Fabrikhallenareal vorstellen. Wir werden zu einer Halle gefuehrt. In der Halle ist es schummerig dunkel und ziemlich kalt auf Grund der Klimaanlage. Das Dekor der Halle ist in silber und schwarz gehalten, so eine Art Club oder Disco darstellen. Hier werden wir dann aufgeklaert, dass es kein Film ist, bei dem wir mitwirken, sondern in einem Videoclip des Saengers Dil Jit. Heute soll das Video zum Song Sharab fuer das Album Chocolate gedreht werden. Der Saenger ist ein junger sehr smarter Typ mit Dreitagebart. Seine Kleidung ist westlich mit Jeans, weissem Hemd, Gilet und Turnschuhen. Das einzig indische ist sein bluetenweisser Turban. Neben uns wirken noch eine Taenzerin im knappen Goldkleidchenkostuem in der weiblichen Hauptrolle und eine Hip-Hop Tanzgruppe mit. Dani, der Deutsche wird von der Filmcrew als zweite maennliche Hauptrolle ausgewaehlt und darf im Video mit dem Saenger um die Frau buhlen. Waehrend die indischen Akteure bis aufs letzte Haar durchgestylt sind, kommen wir uns ziemlich bloed vor. Wir tragen alle unsere Flip-flops, Reisebekleidung, welche schon vor Urzeiten die letzte Waschmaschine gesehen hat oder dann so heftig nach lokalen Methoden gewaschen wurde, dass die Farben alles andere als leuchtend sind. Bevor es losgeht kommt der Visagist bei uns vorbei, steckt uns einen Kamm hin und haelt einen Spiegel. Natuerlich koennen wir uns vor lachen kaum halten...

Schliesslich geht es los. Wir werden jeweils irgendwo in den Background gestellt, wo wir uns zur Musik etwas mitbewegen sollen. Ein andermal sind wir Gaeste an der Bar und geniessen die Musik des Saengers in "gediegenem Ambiente", wobei das Coca Cola in unseren Glaesern bereits so alt ist, dass sich Flocken bilden... Ein andermal darf ich meinen Ruecken und meine "blonden" Haare in die Kamera stellen, waehrend sich der Saenger mit seinem Nebenbuhler um die Frau streitet. Immer wieder gibt es natuerlich fuer uns viel zu lachen... manchmal ab uns selber, machchmal aber auch ueber die indische Mentalitaet, die so ganz anders als die unsere ist.

Neben den Taenzern, Saengern, Regisseur, Choreograf, Prodzent und Kameramann befinden sich noch viele weitere Maenner auf dem Filmset. Es hat nur eine arbeitende Frau, welche der Hauptdarstellerin die Haare kaemmt. Fuer das Makeup ist jemand anderer zustaendig. Zwei Maenner sind uns besonders aufgefallen. Einer bringt den ganzen Tag den Taenzern Wasserflaschen, eine andere Aufgabe hat er nicht. Ein anderer ist fuer das "Trockeneis" zustaendig. Waehrend dies bei uns aus der Maschine kommt, ist es hier handmade: In einer wokaehnlichen Pfanne liegen Holzkohlen, auf die Weihrauch mit Gips gestreut wird. Der Mann laeuft mit diesem Teil in der Halle herum und schwingt es, damit sich der Rauch verteilt. Daneben waren noch viele andere Maenner da, deren Aufgabe uns nie ganz klar wurde.

Wir verbringen den ganzen Tag auf dem Filmset und die Arbeit ist erst fertig, als das ganze Video "im Kasten" ist. So sind wir dann doch sehr froh, als um etwa 23 Uhr der Produzent "pack up" sagt, was soviel wie "Wir sind fertig - herzlichen Dank" heisst. Als Dank sollen wir alle eine DVD des Videoclips bekommen, welche uns nach Hause zugeschickt wird. Auf diese sind wir natuerlich alle besonders gespannt...

Wieder werden wir mit dem Tuk-Tuk vom Film Set zum Bahnhof gebracht. Wobei der Fahrer diesmal auf halbem Weg wieder nicht weiss, wo er hin muss. Auf Hindi versucht er mit uns zu sprechen, mehr als Schulternzucken koennen wir aber auch nicht, da wir ja auch nicht wissen, wo wir genau hinmuessen. Nach mehreren Minuten warten, mitten auf einer stark befahrenen Strasse Mumbais kommt dann ein Mann, der einige Brocken Englisch sprechen kann. Wir fragen nach einem Bahnhof in der Naehe, da wir ja am Morgen von dort gekommen sind, das ist das einzige was wir wissen... Schliesslich faehrt uns der Fahrer dort hin und wir treffen wieder auf die andren und unseren Fuehrer.

Muede, um eine amuesanteErfahrung reicher und als fast Bollywood Stars fallen wir nachts um halb ein Uhr ins Bett...

Bettina

Rueckblick Myanmar

Die Internetverbindungen waren in Myanmar, falls sie funktionierten, sehr langsam. Deshalb sind wir mit unseren Beitraegen im Rueckstand. Im Moment sind wir bereits in Mumbai angekommen. Dennoch moechten wir eine Art Schlussbericht nachreichen.

Im ganzen Land merkt man die Armut der Menschen, was sie aber nicht daran hindert, viel Geld fuer Tempel und Pagoden zu spenden. Diese leuchten oft in echtem Gold. Auf dem Land leben die meisten ohne Strom und fliessend Wasser, einige haben Glueck und ein Bach treibt eine Stromturbine an und liefert Trinkwasser. Ihre Felder bearbeitet die Landbevoelkerung noch mit den gleichen Methoden wie vor hundert oder zweihundert Jahren. Da sie Selbstversorger sind, haben sie wenigstens genug zu essen. Vieles basiert noch auf Tauschhandel, zum Beispiel Kuhdung gegen Reis und Gemuese, Arbeit gegen Essen, usw. Trotz dem kargen Leben hinterliessen gerade diese Leute auf uns einen zufriedenen Eindruck. Soweit das mit dieser Regierung moeglich ist.

Orte mit normalerweise vielen Touristen leiden im Moment besonders daran, dass deutlich weniger Auslaender im Land sind. Weniger als die Haelfte gegenueber dem Vorjahr, wurde uns gesagt. Diejenigen, die da sind, haben bei den Hotels freie Auswahl und auch in den angesagte Lokalen ist es kein Problem, einen Tisch zu bekommen. Souvenirs bekommt man deutlich guenstiger als sonst. Die Sicherheit war fuer uns nie ein Thema, zu keiner Zeit fuehlten wir uns unsicher oder bedroht. Wenn man einmal von den Busfahrten mit haarstraeubenden Ueberholmanoevern, gefaehrlich quietschenden Bremsen oder Reparaturen auf der Strasse absieht. Dennoch sind neue Unruhen nicht ausgeschlossen, wegen der hoeheren Benzinpreise stiegen die Lebenshaltungskosten stark an. Als Tourist ist man von diesen Unruhen nicht direkt betroffen. Der Boykott von Myanmar trifft auf jeden Fall die einfache Bevoelkerung und ist unserer Meinung nach der falsche Weg.

Es kam mehr als einmal vor, dass versucht wurde, uns uebers Ohr zu hauen, vor allem beim Geldwechseln. Sogar ein Angestellter im Hotel in Yangon, das uns sehr gut gefallen hat und ein kleiner Familienbetrieb ist, wollte thailaendische Baht zu einem fuer uns sehr unguenstigen Kurs wechseln, weil er glaubte, dass wir den Wechselkurs nicht kennen. Nachdem wir diesen ausgerechnet haben, wollte er vom Geldwechseln nichts mehr wissen. Diese Erfahrungen und die spuerbar ueberhoehten und nicht transparenten Buspreise fuer Touristen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Der groesste Teil der Menschen hier sind sehr freundlich, herzlich und hilfsbereit. Doch wir glauben auch, dass die Touristen die Leute teilweise "verdorben" haben. Reisende, die schon mehrmals in Myanmar waren, haben diesen Eindruck bestaetigt. Ausserhalb der Touristenzentren sind sie noch viel zurueckhaltender.

Bereits jetzt schon vermissen wir die unzaehligen Teestuben mit ihren Tischen und Stuehlen aus dem Kindergarten. Pagoden, Tempel und Kloester haben wir fuer die naechsten Wochen genug gesehen, auch wenn jede fuer sich genommen eine Reise wert war.

Etwas was wahrscheinlich die wenigsten wissen, Myanmar hat sensationell schoene Straende. Obwohl ich sicher kein Experte betreffend Straende bin, denn laenger als zwei Tage halte ich es nicht am Strand aus, kann auch ich beurteilen, war ein schoener Strand ist. Wir waren in Chaungtha am Meer. Es waren vor allem wohlhabende Yangoner, welche hier Ferien verbrachten. Der Badeort liegt nur sechs Fahrstunden von Yangon entfernt, fuer hiesige Verhaeltnisse ein Katzensprung. Der Strand bestand aus feinem Sandstrand, mindestens dreissig Meter breit, mit Palmen gesaeumt und die Verkaeufer lassen einem in Ruhe. Die Unterkuenfte starten bei 10 US$ inkl. Fruehstueck. Wem dies noch nicht reicht, um neidisch zu werden: Noerdlich vom Hauptstrand geht der Strand noch kilometerweit. Wer also einmal einen Strand nur fuer sich haben moechte, ist hier genau am richtigen Ort.


Die landschaftliche und kulturelle Vielfalt werden uns zusammen mit den mehrheitlich freundlichen Menschen am meisten von Myanmar in Erinnerung bleiben.

Patrik

Dienstag, 15. Januar 2008

Bagan


Gemaess dem Reisefuehrer gehoert der Besuch von Bagan zu einem Hoehepunkt einer Myanmarreise. Das 40km2 grosse Tempelareal ist neben Angkor in Kambodscha und dem Borobudur in Indonesien die architektonische Meisterleistung in Suedostasien. Fuer uns war natuerlich klar, dass wir diese Pagoden- und Tempellandschaft auch ansehen wollten. Im Folgenden moechte ich ein paar Eindrucke schildern, versuche aber Vergleiche mit Angkor oder dem Borobudur zu unterlassen.

Wir erreichten Bagan nach einer landschaftlich schoenen Tagesfahrt mit dem Bus und dann noch mit einer knapp 2stuendigen Bootsfahrt auf dem Arywaddy-River vom noerdlich gelegenen Monywa her. Bereits vom Fluss her konnte wir den grossen goldenen Stupa der Shwezigonpagode (Shwe heisst in Bamar gold) sehen. Diese Pagode mit ihrem riesigen goldenen Stupa ist eines der Wahrzeichen von Bagan.

Die alte Koenigsstadt liegt in einer Trockenzone mit einer jaehrlichen Niederschlagsmenge von weniger als 1000 mm. Frueher wurde die Gegend mit "tattadesa" bezeichnet, was soviel wie "verdorrtes Land" bedeutet. In dieser savannenaehnlichen Landschaft befinden sich rund 2230 Monumente, welche innerhalb von 250 Jahren errichtet wurden. Die meisten dieser Gebaeude sind aus rotem Ziegelstein, wenige aus Sandstein. Heute kann man ausschliesslich noch Ruinen von Tempel-, Kloster- und Pagodengebaeuden sehen. Denn die weniger wichtigen Haeuser aus Teakholz sind sie nicht mehr erhalten.

Die Kloester, Tempel und Pagoden zeugen von der tiefen birmanischen Kultur zum Buddhismus. So ist Bagan auch ein wichtiges Ziel fuer burmesische Touristen, die sehr grosszuegig in die aufgestellten Spendenboxen in den Anlagen spenden. Das Geld wird fuer die Erhaltung verwendet, wobei das Vorgehen bei der Renovation von einigen westlichen Touristen oder Archaeologen auf nur wenig Gegenliebe stoesst, da oft wenig Wert darauf gelegt wird, das Gebaeude originalgetreu wiederaufzubauen. Abschaetzig hoert man ab und zu den Begriff von "Ziegelsteinhaufen".

Am einfachsten erkundet man die Gegend mit einem Fahrrad, welche Shops oder auch die Gaestehaeuser verleihen. Unsere Fahrraeder hatten etwas den gleichen ruinenaehnlichen Zustand wie die Tempelanlagen. So musste Patrik am ersten Tag nach kurzer Fahrt bereits einen platten Reifen reparieren lassen. Aber gegen ein Entgeld von umgerechnet 60 Rappen konnten wir dies in einer Strassenrand-Werkstatt innert 10 Minuten reparieren lassen. Uebrigens war der Fahrradschlauch ausserste sehenswert... denn der Schlauch bestand fast aus mehr Flicken denn urspruenglichem Schlauch! Fuer weniger sportliche Touristen stehen auch Pferdekutschen bereit, mit welchen man sich herumchauffieren lassen koennte...

Besonders stimmungsvoll ist die Gegend bei Sonnenaufgang, wenn die ersten Sonnenstrahlen diese einmalige Landschaft in ein stimmungsvolles Licht huellen, oder auch bei Sonnenuntergang. So hiess es fuer uns jeweils frueh aufstehen, um dieses Naturschauspiel zu sehen. Waehrend Patrik an zwei Morgen frueh losfuhr, um einen moeglichst einsames Pagodendach zum Fotografieren zu finden, hatte ich dank meiner Erkaeltung einen guten Grund, einmal etwas laenger im Bett liegen zu bleiben.

Bagan war der wuerdige Ort, an dem wir mit Petra und Hanspeter, zwei Oesterreichern, auf das neue Jahr anstiessen. Statt Champagner gab es jedoch diesmal Coffee-Mix und Myanmar-Tee, denn die kuehlen Abendtemperaturen luden nicht zu Sekt ein! Dieser Jahreswechsel war auch fuer uns etwas spezielles, denn er ist genau die Haelfte unserer Reise. Wer ausrechnen moechte, wann wir zurueckkommen (der Flug ist schon gebucht und bestaetigt): Wir sind am 11. Juli 2007 abgereist und dieser Tag zaehlt auch. Achtung, 2008 ist ein Schaltjahr!

Bettina

Andere Laender, andere Sitten

In einem Bereich gibt es betraechtliche Unterschiede zwischen Europa und Laendern in Suedostasien, besonders zu den Laendern, in denen die eigene Kultur noch gepflegt wird, wie Laos und Myanmar. Dies sind auch sonst nicht zufaellig unsere "Lieblingslaender". Dieser Bereich betrifft die Heirat. Waehrend unseres Trekkings von Kalaw zum Inlesee erzaehle uns Htun Ti ueber die unterschiedlichen Heiratspraktiken der einzelnen Volksgruppen.

In einem Stamm bestimmen die Eltern den Zeitpunkt, wann eine Frau heiratsfaehig ist. Maenner, welche Interesse an dieser Frau haben, besuchen sie am Abend. Die Eltern sind auch zugegen, verlassen die Runde aber, zu einem bestimmten Zeitpunkt. Mit ihnen verlassen auch all jene Maenner die Runde, welche kein Interesse an der Frau bekunden. Das Ziel der verbleibenden Maenner ist es, letzter Gast zu bleiben, denn nur dieser hat die Chance, der Frau sein Geschenk zu uebergeben. Nimmt die Frau das Praesent an, ist sie mit ihm einverstanden. Sagt sie ihm hingegen, er soll morgen wiederkommen, dann will sie ihn nicht. Waehrend des Treffens wird Tee getrunken, wobei die Maenner versuchen, so wenig Tee wie moeglich zu trinken. Denn wer auf die Toilette geht, darf nicht mehr zurueckkommen, das gehoert sich einfach nicht. Der Mann bespricht mit seinen Eltern die Angelegenheit und die Frau mit ihren. Sind die Eltern mit der Verbindung einverstanden, treffen sie sich mit den Eltern des anderen Partners. Im gegenteiligen Fall sagen die Eltern, sie moechten erst in ein paar Wochen oder Monaten mit den anderen Eltern sprechen. Sie hoffen, dass ihr Kind sich in der Zeit einen anderen Ehepartner sucht.

Es gibt Volksstaemme, in denen nur innerhalb des Stammes geheiratet werden darf, in anderen Staemme koennen die Ehepartner auch in einem unterschiedlichen Stamm gesucht werden. Da die Staemme teilweise recht klein sind, besteht die Gefahr von Inzucht. In einem Beispiel wird versucht, Inzucht mit folgender Methode zu vermeiden. Da in Myanmar niemand einen Familiennamen hat, dafuer zwei oder mehr Vornamen, gehoeren die Mitglieder einem Clan an. Nennen wir den einen Clan Aung, einen anderen Clan Khun. Die Knaben gehoeren immer dem gleichen Clan an, waehrend die Frauen in den Clan des Mannes wechseln. Eine Frau des Aung Clans heiratet einen Mann des Khun Clans und wird somit Mitglied dieses Clans. Ihre Kinder duerfen die Nachfahren eines Aung Clans heiraten, also ihre Cousins.

In Staemmen, in denen die Eltern die Hochzeit arrangieren, gibt es keine freiwillige Durchmischung von Knaben und Maedchen. Knaben treffen sich nur mit Knaben, Maedchen nur mit Maedchen. Die Hochzeit wird jeweils von der Familie des Mannes finanziert, ebenso bekommt die Braut und deren Eltern Geschenke, dafuer bleibt das Ehepaar im Haus der Eltern des Mannes und sorgt fuer diese, wenn sie alt sind. Doch es kommt auch vor, dass das Ehepaar im Haus der Eltern der Frau wohnen, weil es im Haus der Eltern des Mannes keinen Platz hat und die anderen Eltern keine weiteren Kinder haben.

Ziemlich kompliziert das Ganze, aber Heiraten war noch nie einfach.

Patrik

Freitag, 11. Januar 2008

Busfahren

Nachdem wir nun schon ein paar Monate unterwegs sind, dachten wir, dass uns in Sachen Busfahren nichts mehr erschuettern kann. Doch wir haben uns getaeuscht! Die erste Strecke von Yangon zum Goldenen Felsen war ganz gut und so haben wir uns auf beschauliche Busfahrten eingestellt. Wie man sich da taeuschen kann. Die Strassen sind meist in einem sehr erbaermlichen Zustand, einzig die Strecke von Yangon nach Mandalay hat einen vernuenftigen Standart. Die restlichen Hauptstrasse erreichen die Qualitaet eines besseren Feldweges. Das mit Schlagloechern gespickte Teerband ist selten breiter als eine Wagenbreite, dann beginnt schon der Schotter. Gewagte Ueberholmanoever oder Gegenverkehr fuehren automatisch dazu, dass der Bus auf die Schotterpiste ausweichen muss und fuers Kreuzen der Bus oft auf Schritttempo abbremsen muss. Oftmals hat es auch gar keinen Asphalt und man faehrt auf einer Sandpiste. So erinnerte uns ein Streckeabschnitt von Bagan nach Yangon der Fahrt durch eine Kiesgrube. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, wenn man fuer eine 680 km lange Stecke mit mindestens 17 Stunden rechnen muss. Myanmar ist sehr gross, so verbrachten wir insgesamt drei Naechte im Bus. An Schlafen ist dabei nicht wirklich zu denken. Ziemlich geraedert erreichten wir die Zielorte, einmal um halb fuenf Uhr, die beiden anderen Male als die Sonne aufging.

Bereits kleine Huegel mit einem Hoehenunterschied von wenigen Metern bereiten den hoffnungslos ueberladenen und untermotorisierten Bussen Schwierigkeiten. Im Schritttempo quaelen sie sich die Strasse hinauf. Geht es herunter, quietschen die Bremsen so erbaermlich, dass einem Angst und Bange wird. Die Busse werden gefuellt, bis nichts mehr Platz hat, unter alle Stuehle werden Reissaecke gelegt, so dass man nur mit angezogenen Beinen sitzen kann. Auf dem Dach werden Huehnerkoerbe mit etwa zwanzig Huehnern festgezurrt. Maenner duerfen auch auf dem Dach mitfahren, Frauen ist dies untersagt. Da die Sitze schon bei Abfahrt alle besetzt sind, muessen die Leute, die unterwegs zusteigen, im Mittelgang stehen. Uns als Auslaender werden meist die beste Plaetze ganz vorn angeboten. Da wir auch mehr zahlen ist dies in Ordnung.


Auf laengeren Strecken wird man in grossen Bussen mit Karaokovideos unterhalten und zwar in einer solche Lautstaerke, dass eine normale Unterhaltung fast nicht mehr moeglich ist. Bei vielen Liedern handelt es sich um Coverversionen, es wird hemmungslos "abgekupfert" und dann auf Bamar gesungen. Oft handelt es sich um muehsam verdraengte Ohrwuerme aus den unsaeglichen Achtzigern, aber auch aktuelle Songs werden kopiert. NIcht einmal vor Modern Talking haben sie zurueckgeschreckt. Die dazu laufenden Videos koennen in zwei Kategorien eingeteilt werden: Liveauftritte und Liebesgeschichten. Bei den Konzerte zeigend die Musiker etwa so viel Buehnenpraesenz wie die "Leider Nein"-Kandidaten von Music Star vor einem regungslos dasitzenden Publikum. In den Liebesgeschichtenvideos versucht der Hauptdarsteller die Gunst seiner angebeteten an verschiedenen romantischen Orten au erobern. In komplexeren Geschichten tritt noch eine zweiter Mann auf und es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte.

Insgesamt hatten wir aber mit dem Busfahrten Glueck und unsere Busse hatten nie eine groessere Panne. Eine Zwangspause um den Motor abzukuehlen ist hier an der Tagesordnung. Auch Reifenpannen koennen erstaunlicherweise recht schnell repariert werden, sofern ein Reservereifen mitgefuehrt wird! Wir hoerten von einer Deutschen, dass der Taxifahrer auf einer Fahrt die verschobenen Hinterachse mit einem kurzerhand selbstgeschnitzten Holzsplinten repariert hat!

Da die Busgesellschaften alles Privatunternehmen sind, welche sich ihre Fahrzeuge als Einzelexemplare in Japan oder Korea zusammenkaufen, erkennt ein Reisender aus diesen Laendern ein Bus vielleicht von einer frueheren Fahrt wieder. Die Bemalung der Busse und auch die japanischen Aufkleber oder Sitznummern wurden nicht entfernt. Diese in Korea oder Japan ausrangierten Busse sind fuer burmesischen Standart noch "Luxusbusse". Uns Auslaendern wurden sie immer als "very good bus- aircon bus" verkauft". Was uns im Verlauf der Reise oft ein Schmunzeln entlockte! Aircon bedeutet, dass die Tuere waehrend der Fahrt offen ist.

Patrik

Sonntag, 6. Januar 2008

Trekking - Uebernachtungen

Uebernachtet haben wir einmal im Haus einer Familie und einmal in einem Kloster. Die erste Nacht war eine der kaeltesten meines Lebens. Das Haus besteht wie hier ueblich aus Holzlatten, der Wind pfeifft durch die Ritzen, geschlafen wird auf dem Boden. Wir bekamen als Gaeste eine sehr duenne Matratze, darauf legten wir eine Wolldecke, die restlichen drei Wolldecken wickelten wir um unsere Koerper. Dies ist solange ganz gut, wie man regungslos daliegt. Das Drehen auf die andere Seite war eine Angelegenheit, die mehrere Minuten in Anspruch nahm. Genaue Temperaturangaben haben wir leider keine, aber diese sollen sich zwischen null und fuenf Grad befunden haben. Wir blieben am Morgen so lange liegen, bis uns die Sonnenstrahlen ein bisschen waermten. Sogleich begaben wir uns in die Kueche, wo ein waermendes Feuer auf uns wartete. Spaeter kam ein Nachbar herein und brachte unserem Koch Blumenkohl. Er war barfuss (die Schuhe =Flipflops bleiben in Myanmar immer draussen vor der Tuere), dazu trug er unten nur den auch bei Maennern ueblichen Wickelrock. Oben trug er eine Winterjacke und Muetze. Htun Ti meinte, dass er wohl um fuenf Uhr auf das Feld gegangen ist.


Die zweite Nacht im Kloster war nicht mehr gar so kalt, aber immer noch kalt. Das Dorf lag in einem Talkessel und auch noch ein paar Hoehenmeter hoeher als das Kloster. Jedes Dorf in Myanmar hat sein eigenes Kloster. Ist es zu klein, schliesst es sich mit dem Nachbardorf zusammen. Um ein Kloster zu unterhalten, braucht es 50 Familien. Die Moenche und Novizen bekommen alles Essen von den Dorfbewohnern. Jeder Mann in Myanmar geht mindestens einmal in seinem Leben in ein Kloster. Viele gehen fuer ein paar Jahre als Novizen und spaeter als Moench nochmals, dann jedoch nur noch fuer ein paar Wochen oder Monate. Bis zwanzig Jahre ist man Novize, nachher Moench, unabhaengig davon, wie lange man im Kloster ist oder bleibt. Haben die Eltern Muehe mit der Erziehung ihrer Knaben, schicken sie diese einfach ins Kloster. Das harte Klosterleben soll sie wieder zur Vernunft bringen. Es gibt auch Nonnenkloester, jedoch nicht so viele und selten auf dem Land. Dies waere doch auch etwas fuer unsere verwoehnten Knaben!

Waehrend des Abendessens stroemten immer mehr Frauen ins Kloster. Nicht jedoch, um zu beten, sondern um sich um den Fernseher zu versammeln. Am naechsten Tag reisen die zwei Leiterinnen eines Agrarworkshops der UNO ab und deshalb wurde der Obermoench gefragt, ob er noch Petrol fuer den Generator hat (Strom kommt nur aus dem Generator und das Wasser aus dem Brunnen). Spaeter kamen auch Kinder und Maenner und so versammelte sich im Laufe des Abends das halbe Dorf im Versammlungsraum des Klosters und schauten im Fernsehen Karaokevideos an. Diese Videos sind der Renner in Myanmar, darueber in einem Beitrag uebers Busfahren mehr. Die Maenner sassen direkt vor dem Fernseher und die Frauen hinten, eine Durchmischung der Geschlechter fand nicht statt. Von uns nahmen die Leute nur am Rande Notiz. Weil am naechsten Tag Vollmond war und der Vollmond mit einer Feier im Kloster gefeiert wird, gingen die meisten Leute schon bald wieder nach Hause. Als wir erwachten, waren erneut sehr viele Leute im Versammlungsraum. Sie brachten die Opfergaben fuer das Kloster und Buddha. Zu diesem Anlass trugen alle ihre schoensten Kleider. In einem anderem Kloster auf dem Weg zum Inlesee erlebten wir die Segnung der Opfergaben. Einer der Novizen nahm diese vor. Dazu setzte er sich auf einen grossen Sessel und sprach die Gebete. Um sich nicht abzulenken, hielt er sich einen grossen Faecher vor das Gesicht, doch er schaute staendig zu uns hinueber. Einmal erhob sich ein Gemurmel bei den Glaeubigen, da er einen Fehler gemacht hatte. Doch Htun Ti sagte uns, dass er die Sache gut gemacht hat. Die Eltern des Novizen, die anwesend waren, konnten stolz auf ihn sein. Die Aelteren blieben nach der Segnung noch im Kloster, um zu meditieren, die anderen kehrten auf die Felder zurueck.

Trotz der tollen Erlebnisse wird mein Weg nicht ins Kloster fuehren.
Patrik

Samstag, 29. Dezember 2007

Trekking

Nachdem wir in der Hauptstadt Yangon mit den Einheimischen nicht die besten Erfahrungen machten (Beim Geldwechseln wurden wir uebers Ohr gehauen, bei der Shwedagonpagode staendig von selbsternannten Tourguides belaestigt), hat sich dieser Eindruck dank eines dreitaegigen Trekkings von Kalaw an den Inlesee voellig gekehrt. Dieses Trekking war etwas vom Besten unserer bisherigen Reise.

Mit dem Nachtbus kamen wir um halb fuenf Uhr an. Kalaw liegt auf 1320 Metern und es war entsprechend kalt. So wie wir gehoert haben, wird es um die fuenf Grad kalt in der Nacht. Uebernaechtigt stiegen wir aus, ein freundlicher Einheimischer zeigte uns den Weg zum ausgesuchten Guesthouse. Dieser Mann war vor allem deshalb so freundlich, weil er als Trekkingguide arbeitet und so auf Auftraege hofft. Doch dank den Tipps eines israelischen Paares wussten wir bereits, mit wem wir auf das Trekking gehen wollten. Leider war es nicht dieser Mann, der jeden Tag um vier Uhr in der Nacht aufsteht, weil dann der Nachtbus aus Yangon ankommt.

Nach einem kurzen, aber tiefen Schlaf (Powernap), einer warmen Dusche und einem gesunden Fruehstueck begaben wir uns zu Sam's Family Restaurant, die auch Trekkingtouren anbieten. Der Chef persoenlich, Mr. Sam, war anwesend und erklaerte auf der grossen, handgemalten Karte die Trekkingroute. Wir waehlten den laengsten Weg, weil dieser der schoenste und durch die meisten Doerfer fuehrt. Sein Schwiegersohn Htun Ti (das "H" wird nicht ausgesprochen und er heisst somit - ohne Witz - Tunti) wird uns begleiten. Die Israelis haben von ihm geschwaermt. Am Abend hatten wir die Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Sein Englisch war ausgezeichnet und er spricht auch die Sprachen der Staemme, deren Doerfer wir unterwegs passieren. In Myanmar zaehlt man 135 verschiedene Volksstaemme mit ueber 70 verschiedenen Sprachen (einige nur gesprochen, andere auch geschrieben, teilweise mit einer anderen Schrift).

Um neun Uhr ging es zusammen mit Gregor und Helena aus Slowenien los, die aber nach ein paar Minuten wieder umkehrten, da er Magenprobleme hatte. Am zweiten Tag stiessen wieder zu uns. Der Weg fuehrte uns durch eine bewaldete, huegelige Gegend. Htun Ti erklaerte uns viel, fragte zwischendurch auch nach, wie es bei uns in der Schweiz ist. Urspruenglich arbeitete er als Lehrer und studierte spaeter Mathematik, doch als Tourguide verdient er mehr. An dieser Stelle ist interessant zu hoeren, was uns das Trekking kostete: pro Tag und Person mit Unterkunft und Essen 8$! In Laos haben wir einmal angefragt, was ein dreitaegiges Trekking kostet: 134$ pro Person. Sind betraechtliche Unterschiede.

In jedem Dorf, durch das wir wanderten, machten wir einen Teestopp. Auf einem Holzfeuer steht ein gusseiserner Teekrug, getrunken wird der lokale Gruentee. Fuer die Familie eine willkommene Abwechslung. Htun Ti spricht mit ihnen, uebersetzt Fragen in beide Richtungen. Meist wollen sie wissen, woher wir kommen, wie alt wir sind (die Antwort stoesst meist auf Unverstaendnis, besonders im Zusammenhang mit nicht verheiratet und keine Kinder). Als Dank fuer die Gastfreundschaft liessen wir jeweils einen Waschlappen und eine oder mehrere in den Hotels mitgenommenen Seifen sowie Kugelschreiber zurueck. Einmal sprach die Grossmutter einen sehr langen Segen, was uns sehr ruehrte. Waehrend dieser drei Tage trafen wir erstaunlich viele alte Menschen - mit alt meinen wir ueber siebzig. Die Birmanen geben sich immer ein Jahr mehr, sobald man beispielsweise den zwanzigsten Geburtstag gefeiert hat, ist man einundzwanzig.

Waehrend der Wanderung genossen wir die herrliche unberuehrte Landschaft. Bevor wir ein Dorf mit dem Auge ausmachen konnten, sahen dir dessen Felder, welche ausschliesslich mit Handarbeit bestellen werden. Die benutzten Werkzeuge sind groesstenteils aus Holz. Da die Reisernte bereits vorueber war, waren die Menschen damit beschaeftigt, die Chilischoten zu ernten, um sie dann auf riesigen Bambusmatten in den Doerfern auszulegen und zu trocknen. Auch wird nach der Ernte auf den Reisfeldern oft Knoblauch angebaut.

Fortsetzung folgt.

Teestuben und Betel in Myanmar

Kein Tag vergeht, ohne dass wir im Laufe des Tages nicht mindestens einmal eine Teestube besuchen. In jeder Ortschaft in Myanmar gibt es mehrere dieser Lokale. Hier in Mandalay, der zweitgroessten Stadt, wird die Anzahl auf rund 2000 geschaetzt. Die Teestuben sind soziale Treffpunkte der Birmanen. Wobei sich traditionell vor allem die Maenner treffen. Die meisten oeffnen bereits um fuenf Uhr morgens und schliessen nachmittags. Dann oeffnen die abendlichen Teestuben.

Ueberdacht, unter offenem Himmel oder im Schatten von Baeumen laden sie mit einfachem, oft miniaturartigem Mobiliar zu Tee oder auch Kaffee ein. Nebst dem bestellen Getraenk steht immer auch eine Thermoskanne mit heissem, chinesischem Gruentee auf dem Tisch, von dem man sich bedienen kann.

Zum Tee werden verschiedene, meist frittierte Snacks gereicht. Zu den Snacks zaehlen die dreieckigigen indischen Samosas mit Gemuesefuellung, Gebaeck, das mit einer Paste aus Sojabohnen gefuellt ist, "berlinerartiges" Gebaeck mit suesser Kokosnussraspelfuellung, Fladenbrote etc. Am Inle See waren wir in einer Teestube, deren Miniaturtisch definitiv zu klein fuer alle auf Tellern angebotenen Snacks war. Gluecklicherweise sind wir ja Vegetarier, so konnten wir zwei Teller zurueckgeben und hatten dann nur noch 5 verschiedene zur Auswahl! Mittlerweile haben wir aber fast die ganze Pallette dieser Snacks durchgetestet. Der Tee sowie der Kaffee werden mit viel Zucker und gesuesster Kondensmilch aufgebrueht und schmecken entsprechend suess.

Da wir bereits laenger unterwegs sind, ist fuer uns die Hygiene der Teestuben (bis jetzt!) unproblematisch, obwohl die Taesschen fuer den Gruentee immer auf dem Tisch stehenbleiben und nicht nach jedem Gast abgewaschen werden. Man fuellt sich als neuer Gast einfach eine erste Tasse, schwenkt sie ein bisschen aus und leert diesen Tee auf die Strasse oder den Spucknapf fuer den Betel.

Wenn man in der Teestube bestellen will oder spaeter bezahlen moechte, macht man den Kellner (sind ausschliesslich junge Maenner) mit einem Knutschgeraeusch auf sich aufmerksam, indem man die Lippen zu einem Kussmund spitzt und Luft "einsaugt".

Wie die Teestuben gehoehrt auch das Kauen von Betel zum Strassenbild von Myanmar. Waehrend einige nur nach dem Essen dem Betelkauen froehnen und auf die verdauungsfoerdernde und darmwuermerabtoetende Wirkung schwoeren, kauen vor allem Maenner oft den ganze Tag. Dies laesst sich dann unschwer an den dunkelrotverfaerbten Zaehnen und Zahnfleisch erkennen. Ein kleines Stueck getrocknete Betelnuss wird mit Aromastoffen wie Pfefferminz, Lakritz oder Anis in ein mit Kalk bestrichenes Blatt eingewickelt. Eine dieser Portionen wird jeweils in die Wange geschoben und langsam zerkaut. Da der Betelsaft den Speichelfluss anregt und nicht geschluckt wird, spucken Betelkauer unablaessig. Mich erinnert diese Spuckerei oft an jene von Lamas, da sie aeusserst zielgerichtet sind. Die braunrote Fluessigkeit ist auf allen Gehsteigen der Staedte ein sichtbares Zeichen dieser Gesellschaftsdroge. (Zum Glueck ist es immer noch heiss und die Spucke trocknet entsprechend schnell!) Auf Busfahrten wird jeweils in kleine Plastiksaecke gespuckt, die zu Beginn der Fahrt verteilt werden. Wie gewoehnungsberuerftig ein betelkauender Nachbar auf einer 10stuendigen Busfahrt ist, muss ich wohl nicht genauer beschreiben...

Bettina

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Ankunft in Myanmar

Seit letztem Samstag sind wir in Myanmar/Birma unterwegs. Das Militaer hat den Namen in Myanmar geaendert, also heisst das Land Myanmar. Uns ist bewusst, dass Reisen in dieses Land nicht von allen gutgeheissen werden, immerhin gibt es Boykottaufrufe von verschiedenen Seiten. Waehrend den letzten Monaten haben wir mit vielen Leuten gesprochen, die schon hier waren. Bis auf eine Deutsche sagten alle, dass sich die Menschen in Myanmar nach Reisenden sehnen, das Land braucht Touristen, damit es nicht vergessen geht. Des weiteren trafen wir drei, welche waehrend den Unruhen hier waren und diese meinten, dass sie sich nie bedroht gefuehlt haben.

Zum Boykott noch ein paar Worte. Solange China und auch Thailand Myanmar decken, wird sich hier nicht sehr viel aendern. China war bei der Wahl seiner Handelspartner noch nie zimperlich und wer sich die sklavenaehnlichen Arbeitsbedingungen vieler Chinesen vor Augen fuehrt oder wie mit Tibet umgesprungen wird, braucht sich ueber gar nichts zu wundern. Myanmar liefert Thailand Erdgas ueber eine Pipeline und der Koenig von Thailand hat hier einen Privatstrand. Wer einen Rubin hat, an dem klebt wahrscheinlich Blut aus Myanmar, denn 90% aller Rubine kommen aus Myanmar.

Unsere Eindruecke bis jetzt sind noch ein bisschen Zwiespaeltig. Einerseits sind viele Menschen sehr freundlich und vor allem die Pagoden sind sehr eindruecklich, andererseits wurde schon mehrfach versucht, uns uebers Ohr zu hauen und es hat sehr viele Bettler. Ebenso ist es nicht so guenstig, wie uns gesagt wurde. Vor allem fuer die Sehenswuerdigkeiten werden von Touristen happige Preise verlangt. Ausfuehrliche Berichte werden folgen, solange es die Internetverbindung erlaubt.

Patrik und Bettina

Freitag, 14. Dezember 2007

Kanchanaburi: Tiger Tempel

Nachdem wir von Kambodscha nach Thailand zurueckgekehrt sind, hatten wir einiges in Bangkok zu erledigen. So galt es die Visas fuer Myanmar/Burma sowie fuer Indien zu organisieren und auch den Flug nach Yangon zu buchen. Waehrend die Beschaffung des burmesischen Visas hier in Bankok erstaunlich einfach von statten ging und wir den Pass bereits am naechsten Tag wieder auf der Botschaft abholen konnten, war die Organisation des Indienvisa extrem aufwaendig, kostete uns 3 Gaenge zur Botschaft und nahm eine Wartezeit von 5 Tagen in Anspruch. Die indische Burokratie laesst bereits hier in Thailand das erste Mal gruessen!

So nutzten wir die Wartezeit ,um nach Kanchanaburi zu fahren. Die Stadt befindet sie etwa zwei Busstunden von Bangkok entfernt. Nachdem wir uns in Bankok bereits ein bisschen heimisch fuehlen, benutzen wir mittlerweile die lokalen Stadtbusse anstelle der Taxis und Tuk-Tuks. So fuhren wir zum suedlichen Busterminal und von dort mit einem direkten Bus nach Kanchanaburi. Am Busbahnhof in Kanchnaburi trafen wir Anne und Martin aus Deutschland. Mit ihnen fuhren wir zu einem Geastehaus und konnten so beim aufdringlichen Taxifahrer noch einen Mengenrabatt herausschlagen!

Am Nachmittag machten wir einen Ausflug zu dem sogenannten Tigertempel. Die Moeche des Klosters leben hier in Eintracht mit Tigern zusammen. Der Abt Phra Acharn Poosit und die Moenche haben die Tiger gezaehmt, dass sie ein Verhalten wie Hauskatzen zeigen. In der juengsten Vergangenheit wurden mehrfach Dokumentationen im TV sowie in der geschriebenen Presse ueber das Kloster publiziert. Seit diesen Publikationen Welt erlebt das Kloster einen wahren Touristenboom. So arbeiten nun auch externe Angestellte und westliche Volontiers im Kloster (Als Freiwilliger kann man hier nur arbeiten, wenn man eine Geldspende taetigt, da sie eine lange Warteliste haben!). Dennoch wollten wir uns diesen Tempel nicht entgehen lassen. Als wir mit einem Sammeltaxi das Kloster erreichten, waren wir entsprechend nicht die einzigen, dennoch habe ich mir die Touristenmassen schlimmer vorgestellt.

Am Nachmittag fuehren die Moenche die Tiger von ihren Kaefigen in eine kleine Schlucht auf dem Klosterareal. Dort kann man sich als Tourist mit den Tigern fotografieren lassen. Das Fotografieren mit den Tigern ist gratis. Zahlt man aber 1000 Baht (ca. 40 Franken) kann man sogenannte VIP-Fotos machen, bei denen einem der Tiger den Kopf in den Schoss legt und man erhaelt noch einen kleinen Fotokalender als Geschenk. Wir entschieden uns fuer die Gratisfotos. Von Guides wurden wir zu den einzelnen Tigern gefuehrt, wobei ich ein extrem mulmiges Gefuehl hatte. Zumal wir vorher genaustens ueber die Regeln informiert wurden, wenn wir uns den Tigern naehern. So war das Tragen von Sonnenbrillen nicht erlaubt. Auch grelle Farben von T-Shirt wie rot, gelb und orange und alle Art von Arm- und Halsketten mussten ausgezogen werden, da die Tiger es fuer Spielzeug halten koennen. Auch die Taschen mussten in einer Wartezone deponiert werden. All diese Informationen waren dann eher beaengstigend als beruhigend! Auch mussten wir mit dem Eintritt auch ein Formular unterzeichen mussten, dass wir uns den Tigern auf eigene Gefahr naehern! So kam es wie es kommen musste... Kaum hatte ich mich fuers erste Foto hinter dem Tiger niedergekniet und mir der Guide versichert hatte, ich koenne ihn nun streicheln, begann dieser zu knurren... Ich zuckte sofort meine Hand zurueck, der Guide meinte aber locker, ich soll nur streicheln! In der Folge verhielten sich die Tiger wirklich in bester Hauskatzenmanier...

Woaahr!! Knurr, knurr!!

Schnurr, schnurr...

Bettina



Montag, 10. Dezember 2007

Geburtstag des Koenigs

Am 5. Dezember feierte Koenig Bhumipol seinen 80. Geburtstag. Weil er im Herbst einen Schlaganfall erlitt, beschraenkten sich seine Auftritte auf das Noetigste. Doch wir sahen ihn! Wenn auch nur vorbeifahren in seiner hellgelben Limousine hinter getoenten Scheiben. Als er auf unserer Hoehe war, winkte er gerade. Immerhin!

Wir hatten Glueck, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Denn es ist schwierig, hier verlaessliche Informationen zu bekommen. Uns wurde gesagt, dass bei der Thronhalle eine Parade stattfinden koennte. Also fuhren wir im Tuktuk dort hin. Wegen den Feiertagen fuhren viele Bewohner von Bangkok weg, deshalb hatte es deutlich weniger Verkehr als sonst ueblich. Bei der Thronhalle standen bereits Tribuenen fuer geladene Gaeste. Auf einmal kam Bewegung in die Menge und alle stellten sich an der Strasse auf. Fast alle Thais und ich trugen das gelbe Koenigsshirt (da er an einem Montag geboren ist und die Farbe gelb zum Montag gehoert, ist dies seine Farbe), die restlichen Thais trugen ein rosarotes Shirt, weil diese Farbe eine gute Gesundheit bringen soll. Seit dem Krankenhausaufenthalt boomt diese Farbe. Weil der Kronprinz beim Volk nicht sehr beliebt ist, hoffen sie umso mehr, dass Koenig Bhumipol noch lange lebt. Strassenverkaeufer bieten Papierfaehnchen in den Nationalfarben und mit dem Wappen des Koenigshauses. Klar dass wir auch ein Set kauften.

Auf einem grossen Bildschirm konnte man verfolgen, wie der Konvoi der Limousinen die Strasse hinauffuhr. Wie auf Kommando begannen alle Thais zu beten, viele knieten dazu nieder. Angefuehrt wurde der Zug von Polizeimotorraedern, in der ersten Limousine sass der Koenig mit seiner Frau, dann folgte der Kronprinz und die Prinzessinnen. Der ganze Spuk dauerte nur wenige Sekunden. Wenige Minuten nachdem die Koenigsfamilie vorbeigefahren war, gab die Polizei die Strasse wieder dem Verkehr frei und innert Sekunden sah es so aus, wie wenn die Strasse nie gesperrt worden war.

Wer schon einmal in Thailand war, weiss, dass an allen Ecken riesige Bilder des Koenigs haengen. Selbstverstaendlich reich verziert. Der Personenkult um den Koenig ist fast grenzenlos. Doch wie es scheint, haelt er das Land zusammen. Die Koenigsfamilie setzt sich fuer viele soziale Projekte ein, besonders fuer die Bergvoelker im Norden und besucht auch die entlegenen Provinzen, ebenso gibt er sich volksverbunden. Seit seinem Amtsantritt vor ueber 60 Jahren hat der Koenig 19 Militaerputsche oder gewaltsame Regierungswechsel erlebt. Das Koenigshaus ist in diesen wirren Zeiten die stabilisierende Kraft.

Anlaesslich seines Geburtstags sind verschiedene Strassenzuege und Gebaeude am Abend beleuchtet. Fuer den Fotografen ein gefundenes Fressen, fuer die Begleitung eher ermuedend.

Patrik

Sonntag, 9. Dezember 2007

Sihanoukville - unsere letzten Tage in Kambodscha

Ganz im Sueden in Sihanoukville am Meer verbrachten wir unsere letzten Tage in Kambodscha. Bereits in Siem Reap haben wir von einer schwedischen Familie gehoert, dass einzelne Straende extrem touristisch im negativen Sinn sein sollen. Dort steht Bar an Bar, laute Musik droehnt aus Boxen waehrend 24 Stunden. Zudem soll es von fliegenden HaendlerInnen wimmeln... Zudem trafen wir in Phnom Penh unsere deutschen Freunde Sonja und Robert wieder, welche ebenfalls aehnliches schilderten. Nach all diesen Informationen buchten wir bereits im Voraus eine Unterkunft an der ruhigen Otres Beach, etwa 4 km ausserhalb von Sihanoukville.

Vom lauten und staubigen Busbahnhof im Stadtzentrum nahmen wir uns ein Tuk-Tuk, um zur Beach zu gelangen. Die Fahrt dort hin war dann extrem holprig, da die Strasse nicht geteert war. Schliesslich erreichten wir die Anlage der Star Bar, welche sich uns wirklich paradiesisch praesentierte. Im Schatten von ein paar Baeumen standen 8 kleine Bambusbungalows, zudem hatte es ein mit bambus- und schilfueberdachtes Openair Restaurant. Jeder Bungalow hatte Meersicht. Nach dem Sonnenuntergang sorgte ein Generator fuer Strom. Jedoch hatten wir am ersten Advent fuer rund 1 Stunde Stromausfall und so duschten wir fuer einmal bei Kerzenlicht. Natuerlich haette man hier herrlichen Sea-Food essen koennen, was aber fuer uns Vegetarier keine Option war. Jedoch sah das frische Fischbarbeque schon lecker aus. Auch hatten wir das Glueck, nette Leute zu treffen. So trafen wir Elke und Juerg aus Deutschland bzw. der Schweiz sowie Noa und Eran aus Israel, mit welchen wir sehr unterhaltsame Gespraeche ueber vergangene und kommende Reiseziele hatten. So genossen wir an den Tagen in Sihanoukville einfach die Ruhe, das herrlich blaue Wasser, das sonnige Wetter und das Nichtstun...

An einem Tag fuhren wir mit unserem Gaestehausbesitzer, einem Schweden, ins Stadtzentrum nach Sihanoukville. Hier wollten wir natuerlich auch noch die anderen Straende sehen. Die Schilderungen der anderen bewahrheiteten sich. So stand wirklich Bar neben Bar. Es schien uns so, als wollte jede die andere in punkto Musiklautstaerke noch uebertreffen. Von diesen Bars blieb dann noch etwa 2 Meter "Sandstrand" bis zum Wasser, welches hier auch nicht so einen sauberen Eindruck machte... Fuer uns schien es unglaublich, dass diese beiden Straende in nur so geringer Entfernung liegen.

Bettina

Freitag, 7. Dezember 2007

Waterfestival in Phnom Penh

Eigentlich finde ich Vergleiche zwischen Laendern nicht so toll und vermeide es nach Moeglichkeit. Doch nachdem wir in Vientiane/Laos und Phnom Penh Bootsrennen erlebt haben, draengt sich ein solcher auf. In Vientiane waren die Bootsrennen der Abschluss des dreitegigen Festivals. Wegen zu wenig teilnehmenden Booten wurde nur an einem Tag gerudert. In Phnom Penh fanden an allen drei Tagen des Waterfestivals Bootsrennen statt, sogar nichts anderes als Bootsrennen. Es waren 434 Boote gemeldet aus allen Provinzen des Landes sowie aus den Staaten der Region. Sogar aus dem Sultanat Brunei war ein Boot am Start.

Jedes Boot in Phnom Penh hatte zwei Rennen und am Ende des Festivals hatte es keinen Sieger. Das olympische Motto, dabei sein ist wichtiger als gewinnen, wurde hier gelebt. Deshalb wurde die einzelnen Rennen gar nicht gross zur Kenntnis genommen und es waren alle paar Minuten Boote am Rudern. In Vientiane ging es hingegen darum, einen Sieger der Bootsrennen zu bestimmen. Zwischen den einzelnen Rennen gab es teils lange Pausen und die Zuschauer interessierten sich fuer den Ausgang der jeweiligen Rennen.

In Phnom Penh stand fuer die auslaendischen Gaeste eine spezielle Tribuene, direkt neben der Tribuene fuer die offiziellen Gaeste, natuerlich ein bisschen niedriger. Um zu dieser Tribuene zu gelangen, mussten wir durch einen Metalldetektor hindurch gehen. Alle Taschen wurden von Bodyguards in zu grossen dunklen Anzuegen mit billigen Plstiksonnenbrillen genaustens durchsucht. Da diese Tribuene vom staatlichen Tourismusbuero und der Biermarke Angkor gesponsort wurde, erhielten die Maenner gratis eine Buechse Angkor Bier, mit Strohhalm! Der Koenig war auch auf der offiziellen Tribuene, wir haben ihn aber leider verpasst. In Vientiane hingegen gab es fuer Touristen keine besseren Plaetze, die Haupttribuene blieb den Parteikadern und Botschaftern vorbehalten. Wir wurden genau gleich "schikaniert" wie die gewoehnliche Bevoelkerung.

Beim Waterfestival in Phnom Penh ereignete sich ein tragischer Unfall. Nach der Zieldruchfahrt geriet ein Boot aus Singapur in Turbulenzen und das Boot kenterte. Alle 22 Ruderer fielen ins Wasser, schwimmen konnte keiner, fuenf der erschoepften Ruderer schafften es leider nicht, sich an einem der Boote festzuhalten und ertranken. Dies war der erste solche Unfall bei diesen Wettfahrten in Phnom Penh.

Patrik

Mittwoch, 28. November 2007

Schreckensherrschaft der Roten Khmer

Wer Kambodscha besucht, kommt nicht umhin, sich mit der juengsten Geschichte dieses Landes zu beschaeftigen. Eines der traurigsten Kapitel des letzten Jahrhunderts. Vor allem in Phnom Penh ist sie sehr nahe zum Greifen, fuer manche zu nahe. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die aus Phnom Penh waehrend drei Jahren acht Monaten und zwanzig Tagen eine Geisterstadt machte. Noch als die Menschen abzogen, begannen die Roten Khmer mit der Zerstoerung der Stadt, sie legten Gebaeude in Schutt und Asche, sprengten Daecher und sogar die Nationalbank in die Luft. Ab dem ersten Tag setzten die Roten Khmer mit ihrem Anfuehrer Pol Pot einen systematischen Prozess des kommunistischen Umbaus in Gang, um das ganze Land in einen reinen Bauernstaat zu verwandeln. Diese menschliche Katastrophe sorgte zwar innerhalb der internationale Staatengemeinschaft fuer grosse Empoerung, Taten folgten aber wie so oft keine. Viele Kambodschaner ueber 30 haben unter den Roten Khmer ihre Eltern oder zumindest Angehoerige verloren. Dafuer gehoerten viele ueber 50 den Roten Khmer an, sei es aus Ueberzeugung oder weil sie dazu gezwungen wurden. Wer sich ihnen nicht anschloss, wurde gleich erschossen.

Die gesamte Bevoelkerung Phnom Penh wurde gewaltsam aufs Land umgesiedelt. Intelektuelle, Lehrer, Schriftsteller, Gebildete und deren Familien wurden in Massenexekutionen umgebracht. Bereits das Tragen einer Brille galt als Zeichen von Intelligenz und wurde als Verbrechen eingestuft, das mit dem Tode zu bestrafen war. Bis zu drei Millionen Menschen starben waehrend dieser Zeit, bevor vietnamesische Truppen einmarschierten und Pol Pot mit seinen Anhaengern in den Dschungel fluechtete.

Zeitzeugen der Schreckensherrschaft sind das Genozidmuseum Toul Sleng und die Killing Fields von Choeung Ek. Das Genozidmuseum befindet sich in einer ehemaligen Schule, in der die Roten Khmer ihr beruechtigtes Gefaengnis S-21 unterhielten. Mehr als 13'000 Menschen, andere Schaetzungen gehen von 20'000 aus, wurden hier bestialisch ermordet. Vor allem die gebildete Elite lernte das S-21 als Verhoer- und Folterzentrum kennen. Das Regime waehlte seine Opfer willkuerlich aus, sogar Kinder und Babys wurden verhaften und ermordet.

Durchschnittlich 1500 Gefangene wurden hier untergebracht, in winzige Zellen gepfercht oder in den ehemaligen Schulzimmern an den Boden oder aneinander gekettet. Als die vietnamesische Armee das Gefaengnis 1979 erreichte, traf sie nur noch sieben Haeftlinge lebend an. Ueberall lagen die Leichen von kurz zuvor ermordeten Gefangenen.

In Choeung Ek (Killing Fields, 12 km ausserhalb) erinnert eine Stupa an die Opfer. Die sterblichen Ueberreste von 8985 Menschen, die aus 86 Massengraebern geborgen wurden, befinden sich im Memorial. Noch immer gibt es 43 ungeoeffnete Massengraeber. In der modernen Gedenkstaette sind auf Regalen die nach Alter und Geschlecht geordneten Schaedel und Knochen sowei Kleidungsfetzen aufgestapelt.

Urspruenglich wurden die Opfer auf der Stelle erschossen, doch spaeter ging die Roten Khmer dazu ueber, ihre Opfer zu erstechen oder zu tode zu knueppeln, um wertvolle Munition zu sparen. Als das Benzin knapp wurde, wurden die Gefangenen auf ihrem Transport von Toul Sleng nach Choeung Ek einfach hinter die Fahrzeuge gebunden, zu Tode geschleift und danach in die Reisfelder am Strassenrand geworfen.

Trauer und Wut, Ohnmacht und Fassunglosigkeit machten sich in uns breit. Wie viele menschliche Tragoedien muessen sich noch ereignen, bis sich die Menschheit besinnt?

An dieser Stelle empfehlen wir euch gerne ein Buch: "Der weite Weg der Hoffnung" von Loung Ung (Fischer Verlag). Die Autorin war fuenf Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Phnom Penh fluechten musste, eine bestuerzende und herzergreifende Lebensgeschichte.

Patrik

Montag, 26. November 2007

Beng Mealea - mitten im Dschungel

Weder die zweistuendige Tuktukfahrt noch der Preis von 35 $ fuer diese hielt uns davon ab, uns zum Beng Mealea fahren zu lassen. Als Michael uns davon erzaehlte, dass in diesem Tempel Indiana Jones 3 gedreht wurde, war die Sache fuer mich klar, diesen Tempel lassen wir uns nicht entgehen. Wer weiss, vielleicht kommen wir nie wieder hierher.

Das Spezielle an diesem Tempel ist, dass er so gelassen wurde, wie er vorgefunden wurde. Er liegt mitten in einem kleinen dschungelaehnlichen Wald. Wegen der langen Anfahrt wird er kaum von Touristen besucht und erst seit einem Jahr fuehrt eine gut ausgebaute Strecke hierher. Doch alle, die den Weg auf sich nehmen, sind begeistert und bereuen die Fahrt auf keinen Fall.

Kommt man beim Tempel an, wird man von den uniformierten Fuehrern erwartet, die einen ersten Einblick in das Gewirr des Tempels geben. Da mit uns gleichzeitig ein koreanisches Paar ankam, gingen wir zu fuenft auf Entdeckungstour. Vorneweg der Guide, dann wir und am Schluss die beiden Koreaner. Er untersetzt und staemmig, sie klein und zierlich, was zur Folge hatte, dass sie beim Klettern maechtig ins Schwitzen kamen. Ohne Klettern sieht man vom Beng Mealea nur einen kleinen Teil. Eine Art historischer, einen quadratkilometergrossen Abenteuerspielplatz aus dem 11. Jahrhundert.

Nach der gefuehrten Einfuehrung gingen wir auf eigene Faust los, denn es gibt noch vieles zu entdecken. An manchen Stellen sah der Tempel aus wie ein gigantischer Truemmerhaufen, an anderen war er erstaunlich gut erhalten und immer wieder wachsen Baeume auf den Mauerresten. Neben dem offiziellen Weg auf Holzbohlen, gibt es "offizielle" Kletterrouten, die man an den leicht abgewetzten Steinen erkennt und Routen, die man auf eigenes Risiko erkunden kann.

Uns sagte natuerlich besonders letzteres zu. Immer wieder ergaben sich neue Blicke auf den Tempel, Teile des Tempels sahen wir auf einmal aus einer anderen Perspektive nochmals. Dann versucht man sich vorzustellen, wie das Leben zur damaligen Zeit aussah, wie viele Menschen hier lebten.

Patrik

Sonntag, 25. November 2007

Sonnenseiten und Schattenseiten...

Waehrend unserer Reise durch Kambodscha erleben wir sehr viel Schoenes; die ueberwaeltigenden Tempel von Ankor, die wunderschoene Landschaft mit schier grenzenlos weiten Reisfeldern, freundliche und liebenswerte Menschen, traumhafte Straende im Sueden,... aber auch Trauriges. Hierzu zaehlt sicher die Armut, welcher wir tagtaeglich begegnen. Rund ein Drittel der kambodschanischen Bevoelkerung lebt unter der Armutsgrenze. Das heisst, ihnen steht taeglich weniger als 0,50 U$ zur Verfuegung. Viele junge Kambodschanerinnen arbeiten zudem unter schlechten Bedingungen und extrem niedriger Bezahlung (monatlich ca. 60 - 70 U$) in einer Textilfabrik rund um Phnom Penh. Als Folge der Schreckensherrschaft der Roten Khmer gehoeren Landminenopfer zum traurigen Strassenbild in ganz Kambodscha.

Der Tourismus in Kambodscha erlebt derzeit einen grossen Boom. So hat sich seit 2001 die Zahl der internationalen Ankuenfte etwa verdreifacht. Der Haupttouristenstrom bewegt sich vorallem in Siem Reap, rund um die Tempel von Ankor und in der Hauptstadt Phnom Penh. Hier begegneten wir dann auch vielen bettelnden Menschen/Kindern, StrassenhaenderlerInnen, welche mit dem Verkauf von Souvenirs ein paar Dollars verdienen wollen.

Auch ist im Land die Korruption weit verbreitet. Kambodscha rangiert auf dem internationalen Korruptionsindex auf Platz 162 von 179 Laendern. Wobei sich das Land in den letzten Jahren sogar noch "verschlimmbessert" hat! Wenn man weiss, dass der kambodaschanische Praesident der 13.reichste Asiate ist, weiss man auch, wer die "hohlste" Hand im Land hat! So haben wir bei der Einreise nach Kambodscha bereits am ersten Tag mit der kambodschanischen Transportmafia Bekanntschaft gemacht. Generell haben wir Auslaender immer mehr als die Einheimischen fuer Busfahrten bezahlt und die Tickes immer in US Dollar bezahlt und nicht in der Landeswaehrung (= Riel). Auf unserer Reise haben wir immer mal wieder kleineren Korruptionen stellen muessen. Beispielsweise an einer Strassenkontrolle, wo uns ein Polizist irgendeine Vignette fuer unseren gemieteten Roller verkaufen wollte oder ein andermal ein Touristenpolizist Eintritt fuer die Besichtigung eines Tempels verlangen wollte. Da die staatlichen Beamten, wie auch die staatlichen Aerzte und Krankenschwestern sehr wenig verdienen, sind sie fast gezungen, sich bestechen zu lassen, um zu ueberleben. So wurde uns gesagt, dass man in einem oeffentlichen Spital tagelang ohne Behandlung liegen kann, wenn man nicht bar fuer die Behandlung bezahlt.

Weitere Proleme sind das unterentwickelte Rechtssystem und ungeklaerte Grund- und Bodenverhaeltnisse. So haben wir in Sianoukville, ganz im Sueden an der Meer gesehen, wie die Landbevoelkerung von ihrem Boden vertrieben wurde, weil ein Grundstueckspekulant das Land gekauft hat und auf einen Bauboom in ein paar Jahren hofft. Die Bauern leben nun in slumartigen Behausungen aus Holz und Plastikplanen direkt am Strassenrand. Da sie nun kein Land mehr besitzten, um sich selbst zu versorgen, bleibt ihnen meist nur noch das Betteln.


Beim Reisen haben wir uns deshalb mehr als in anderen Laendern ueberlegt "wo wir unsere Dollars" lassen. So haben wir, wenn es moeglich war, sogenannte NGOs (=nicht Regierungsorganisationen) unterstuezt. Sei es, dass wir in solchen Shops ein paar Souvenirs gekauft haben oder in Restaurants solcher Organisationen assen. Durch diese Organisationen erhalten beispielsweise Behinderten, Frauen, Stassenkindern und ihre Familien Unterstuetzung und eine faire Verdienstmoeglichkeit.


In Siem Reap entschlossen wir uns, in einem von Beat Richners Kinderspitaelern Blut zu spenden. Waehrend unserer Reise durchs Land merkten wir erst richtig, was dieser Mensch hier leistet. Seine Spitaeler werden ausschliesslich von Spenden finanziert. So behandelt er alle Kinder bis zum 16ten Altersjahr gratis. Die Familie muss nur fuer die Verpflegung aufkommen, sofern es ganz arme Menschen sind uebernimmt das Spital dies ebenfalls. Die Spitaeler haben einen ausgesprochen guten Standart. So gibt es beispielsweise drei MRI Geraete. Dem einheimischen Personal werden faire Loehne bezahlt, um Korruption zu verhindern. (Auslaender werden auch gegen Bezahlung nicht behandelt, da dies der erste Schritt hin zur Korruption waere). Auch bieten die Spitaeler kostenlose Workshops fuer Hygiene, Kinderpflege, ... an.


So sind wir an unserem letzten Tag in Siem Reap mit dem Velo zum Spital gefahren. Am Eingang wurden wir vom Pfoertner zum Labor gefuehrt, wo uns eine Laborantin und ein Laborant freudlich empfiengen und sich bereits ein erstes Mal bedankten. Nachdem wir ein Personalblatt ausgefuellt hatten, wurde unsere Blutgruppen mittels eines kleinen Stichs in den Ringfinger bestimmt. Mit einem Laecheln teilte der Laborant Parik die Blutgruppe B mit. Waehrend in der Schweiz die Blutgruppe B selten ist, haben die meisten Kambodschaner Gruppe B und so benoetigen sie dieses am meisten. Danach wurde uns rund 3,1 dl Blut abgenommen, wobei fuer die Bestimmung der Menge der Blutbeutel einfach auf eine Waage (natuerlich keine Digitalwaage) gelegt. Obwohl die Aparaturen nicht auf topmodernstem Stand waren, erfolgte die Blutabnahme aeusserst professionel und absolut steril. Mehrmals wurden wir vom fuersorglichen Personal nach unserem Befinden befragt. Im Anschluss wurden wir noch fotografiert und somit waren wir in der Spenderkartei der Kanta Bopha Spitaeler aufgenommen. Auch erhielten wir einen offiziellen Blutspenderausweis, was fuer uns natuerlich ein nettes Souvenier ist, ein Getraenk nach Wahl, eine Tasche mit einem T-Shirt, Informationsmateriel zu den Spitalelern und zum Engagement von Beat Richner in Kambodscha und eine Packung Guetzli. Auch wurden wir mit Eisen- und Vitamintabletten fuer die darauffolgende Woche versorgt. Mit einem guten Gefuehl, mit unserem Blut vielleicht einem Kind hier zu helfen, verliessen wir das Spital.


Wer nicht weiss, was er mit seinem Weihnachtsgeld anfangen soll, kann sich unter www.beatocello.com informieren und einen sehr wertvollen Beitrag leisten.

Bettina

Freitag, 23. November 2007

Angkor

Die Tempel von Angkor sind ganz klar das touristische Highlight von Kambodscha, es ist die meistbesuchte Staette in Suedostasien und dies zurecht. In den sechziger Jahren zaehlte man in Kambodscha mehr Touristen als in Thailand. Die Tempel liegen auf einer Flaeche von 300 km2. Der bekanneste ist Angkor Wat. Deshalb entsteht vielleicht auch eine Begriffsverwirrung: Angkor meint alle Tempel und Angkor Wat ist nur einer davon.

Wir stiegen in Siem Reap im Guesthouse von Michael, einem Oesterreicher, ab. Dieses Guesthouse entwickelt sich zu einer Art deutschsprachiger Enklave. Michael ist neu im Geschaeft und bemueht sich sehr um seine Gaeste. Am liebsten sitzt er im Garten vor dem Guesthouse und unterhaelt sich mit ihnen. So haben wir viel ueber das Leben in Kambodscha im Allgemeinen und ueber die Tempel im Speziellen erfahren.

Da am Sonntag viele Kambodschaner bei den Tempeln picknicken (Einheimische bezahlen keinen Eintritt fuer die Tempel, Auslaender 40$ fuer drei Tage), beginnen wir mit der Besichtigung erst am Montag. Am ersten Tag fahren wir mit einem Tuktuk, am zweiten mit Fahrraedern und am dritten Tag erneut mit einem Tuktuk.

Bereits beim ersten Tempel dauert unsere Besichtigung ziemlich lange, dabei gehoert dieser Tempel zu den unspektakulaeren. Aber wir koennen einfach nicht durch die Tempel rauschen wie andere. Bei den Hauptattraktionen sind viele Gruppen unterwegs, vor allem Franzosen und Ostasiaten (Japaner, Chinesen und Koreaner). Wer Pech hat, wartet eine halbe Stunde, bis sich alle Japaner gegenseitig vor dem Tempel fotografiert haben. Die Franzosen fotografieren sich zwar nicht gegenseitig, sind jedoch oft alteren Semesters und somit nicht mehr so gut zu Fuss. Doch meist hatten wir Glueck und waren bei den Tempeln ohne Gruppen. Sonst warteten wir einfach. An dieser Stelle verzichten wir aus Ruecksicht auf detaillierte Beschreibungen der Tempel. In einem der Tempel, dem Ta Prohm, wurde der Film Tomb Raider mit Angelina Jolie gedreht. Ist auch sonst einer der Spektakulaersten Tempel, da maechtige Kapokbaeume auf den Terrassen und Mauern wachsen, ihre gewaltigen Wurzeln umklammern Waende, brechen grosse Steinbloecke auseinander.

Vor den Tempeln warten viele fliegende Haendler auf Touristen und bieten von Glueckssternen, Floeten, Schals, T-Shirts, Postkarten (Jeweils ein Buechlein mit zehn Karten und um dies zu beweisen, leierten die Kinder in allen moeglichen Sprachen die Zahlen von eins bis zehn herunter, in der Hoffnung, dass auch die Sprache des jeweiligen "Opfers" darunter ist.) bis hin zu Buechern alles moegliche an. Jeweils fuer einen Dolla, das "r" wurde nicht gesprochen, die Betonung auf der ersten Silbe. Unsere beiden neuen Freunde aus Berlin hatten das National Geographic Buch ueber Angkor dabei, die Originalausgabe fuer 30 Euro. Als wir zum Tuktuk gehen wollten, bot uns einer dieser Haendler das gleiche Buch fuer 8$ an. Als wir meinten, dass es eine Kopie sei, antwortete er nur, es sei "a very good copy", als sei dies das Selbstverstaendlichste der Welt. Es ist hier auch schwieriger, ein Originalbuch zu finden als "a very good copy". So kauften wir diese wirklich gute Kopie, die Fotos sind ganz wenig heller als im Original, fuer 7$.

Am ersten Tag besuchten wir acht Tempel. Interessant war, dass jeder von uns viern einen anderen Tempel als Favoriten hatte. Auf dem Rueckweg fuhren wir bei Angkor Thom und Angkor Wat vorbei. Vor allem Angkor Wat strahlte im schoensten Abendlicht. Es breauchte ziemliche Ueberwindung, den Fahrer nicht anhalten zu lassen. Morgen werden wir diese Tempel dann sehen.

Am zweiten Tag standen die Fahrraeder auf dem Programm. Die Fahrraeder haben wie hier ueblich nur einen Gang und haben schon einiges miterlebt. Jede kleinste Steigung spuert man sofort. Angkor Thom war eine Stadt mit einem quadratischen Grundriss von 3 km Seitenlaenge, umgeben von einem Wassergraben und einer 8 m hohen Mauer. Der Haupttempel von Angkor Thom, der Bayon zaehlt fuer viele wegen der 54 Tuerme mit jeweils vier riesigen Gesichtern von Lokesvara zum schoensten Tempel von Angkor. Im ganzen Tempel wird man von verschiedenen Seiten angeschaut. Die weiteren Tempel von Angkor Thom erkuneten wir dann zu Fuss.

Da Angkor Wat erst nach drei Uhr nachmittags in gutem Licht liegt, verbrachten wir die Zeit bis dahin in einem der vielen kleinen Restaurants mit jeweils zwei, drei Tischen. Die Grenzen der einzelnen Lokale sind genau abgesteckt, manchmal sogar mit einem gespannten Seil erkennbar. Als sich Sonja mit zwei Stuhlbeinen auf der anderen Seite der Grenze sass, musste sie sich sofort an einen anderen Ort setzen. Die Restaurants haben untereinander eine Art Kartell, d.h., die ankommenden Gaeste werden wie einem Lokal zugeteilt. Da wir zu viert ware, wollten sie, dass wir uns auf zwei Restaurants aufteilen, was fuer uns nicht in Frage kam.

Waehrend dem Essen sahen wir in hundert Metern Entfernung eine Regenwand auf uns zukommen. Es dauerte noch ein paar Minuten, dann war der Regen bei uns. Unter dem Dach wareten wir auf das Ende des Regens und hofften, dass es im Angkor Wat weniger Touristen hat. Dies trat leider nicht ein. Die anderen Touristen warteten einfach in ihren Bussen. Trotz all der anderen eindruecklichen Tempel ist der Blick auf Angkor Wat das, worauf ich gewartet habe. Die fuenf maiskolbenfoermigen Tuerme sind fuer mich das Sinnbild von Angkor. Dieser Tempel wurde um 1150 Vishnu geweiht und die Bauzeit soll dreissig Jahren betragen haben. Vor allem die Flachreliefs in den Galerien gehoeren zu den Meisterwerken dieser Zeit. Stoerend sind nur die gruenen Bauplachen an zwei der Tuerme. An diesen Tempeln wird dauernd irgend etwas restauriert.

Am dritten Tag wollten wir eigentlich den Sonnenaufgang erleben und standen dazu um vier Uhr auf. Wegen eines Gewitters haben wir dieses Unterfangen abgeblasen und sind nochmals schlafen gegangen. Der zweite Tempel an diesem Tag, der Banteay Srei, wird mit Unterstuetzung der Schweiz restauriert. Alle Restaurationsarbeiten werden in einer Kooperation mit einem Land oder einer auslaendischen Universitaet durchgefuehrt. Unser Berliner Freunde haben schon gespottet, ob die Schweiz eigentlich auch einen Tempel restauriert, nachdem wir sahen, dass sogar sich Indien finanziell am Wiederaufbau eines Tempels beteiligt. (Deutschland hat sich natuerlich Angkor Wat ausgesucht!). Banteay Srei ist ein kleiner Tempel, dafuer mit Verzierungen ausgestattet, die alle anderen Monumente Angkors uebertreffen. Ein Tempel wie die Schweiz: klein, aber ein Schmuckstueck!

Unterwegs sahen wir eine grosse Ansammlung von Motorraedern und fragten unseren Fahrer, war hier los sei, denn eine Hochzeit war es nicht. Dies sind Hahnenkaempfe. Eine solche Gelegenheit wollten wir natuerlich nicht verpassen und wir hielten an. Um die beiden Arenen standen ausschliesslich Maenner. Bei diesen Hahnenkaempfe wird viel Geld gewettet und entsprechend hitzig sind die Gespraeche. In einer Arena kaempften zwei Haehne miteinander. Klar, dass ich dies fotografieren musste. Da es eher dunkel war, schaltete ich den Blitz ein. Als dieser aufleuchtete, erstarrten die beiden schon vorher muede wirkenden Streithaehne regungslos in ihren Bewegungen und die Gespraeche verstummten sofort. Alle schauten in meine Richtung und brachen nach ein paar Sekunden der absoluten Ruhe in Gelaechter aus. Dies haette auch anders ausgehen koennen. Der Fahrer sagte mir dann, dass ich schon fotografieren kann, aber ohne Blitz.

Den Sonnenuntergang erlebten wir bei der nach dem nahen Dorf bezeichneten Rolousgruppe, wo sich einige der aeltesten Monumente aus dem achten und neunten Jahrhundert von Angkor befinden.

Die drei Tage in Angkor waren zwar lang und intensiv, aber trotzdem nie stressig, sondern abwechslungsreich und interessant. Wir hatten sogar noch Lust, am naechsten Tag einen weiteren Tempel zu besuchen. Den Dschungeltempel Beng Mealea. Doch dazu im naechsten Eintrag.

Patrik

Mittwoch, 21. November 2007

Irrawaddy - Delphine

In der Naehe von Kratie befindet sich einer der besten Plaetze, um die sehr seltenen Irrawaddy-Delphine zu beobachten. Wir waren uns lange nicht sicher, ob wir diesen Ausflug unternehmen sollen, denn der WWF raet davon ab. Doch im Nachhinein bereuen wir den Ausflug nicht. Denn unser Bootsfuehrer brauchte den Motor nur im Notfall und die Delphine wurden auf gar keinen Fall verfolgt. Auch waren keine weiteren Boote auf dem Wasser.

Zu sechst fuhren wir los, jeder hinten auf dem Motorrad mit eigenem Fahrer. Eigentlich wollten wir selber fahren, aber da die anderen, die mit uns von Laos nach Kratie reisten (ein Deutscher, zwei Englaender und eine Neuseelaenderin, die vier Tage spaeter zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren nach Hause reisen wird), ein Motorrad mit Fahrer mieteten, schlossen wir uns dem an.

Die Delphine sind das ganze Jahr ueber zu sehen, denn an dieser Stelle hat der Mekong Tiefwasserbecken, in denen sich die Delphine aufhalten. Als Saeugetiere kommen sie regelmaessig an die Wasseroberflaeche, um zu atmen. Sie sprangen jedoch nicht flippermaessig aus dem Wasser, sondern kamen nur kurz nach oben. So sahen wir die Tiere oefters, jedoch nie naeher als 20 m. Wir rechneten ehrlich gesagt nicht damit, die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Forscher gehen davon aus, dass noch 100 Tiere leben und davon etwa 25 hier, rund 500 km vom Meer entfernt.

Obwohl es laut Reisefuehrer unmoeglich sei, die Delphine zu fotografieren, gelang mir dies dank meiner Kamera, weil sie keine Verzoegerung beim Ausloesen hat.

Patrik

Sonntag, 18. November 2007

Einreise nach Kambodscha

Obwohl wir uns es gewoehnt sind, unsere Reise selber zu organisieren, blieb uns auf Don Det in Suedlaos nichts anderes uebrig, als die Fahrt nach Kratie (in Kambotscha) durch ein Travel Office zu organisieren. Da es weder offizielle Bootsfahrplaene aufs Festland noch einen Busfahrplan von dort Richtung Sueden an die kambotschanische Grenze gibt. Alle Gaestehaeuser auf Don Det und das einzige Travel Office vor Ort organisieren aber diese Fahrt fuer 20 $, was fuer lokale Verhaeltnisse alles andere als ein Spottpreis ist. Im Reisefuehrer ist dann nicht zu unrecht von der "kambodschanischen Transportmafia" die Rede.

Morgens fuer lokale Verhaeltnisse ziemlich punktlich um 8 Uhr brachte uns ein kleines Boot ans Festland nach Nakasang. Vom der Bootsanlegestelle mussten wir dann einige hundert Meter zu Fuss bis zur Bushaltestelle gehen. Was aber nicht mehr als ein gemauerter Unterstand war. Dort wurde uns gesagt, dass wir noch etwa 30 Minuten auf die Busse warten muessten. Waehrend wir Traveller uns die Wartezeit mit Gespraechen ueber Erlebnisse in Laos verkuerzten, verteilten die rund 5 einheimischen Maenner unsere bezahlten Dollars untereinader, was uns an eine Gant (Viehauktion) erinnerte.

Um 9 Uhr ging es dann weiter. Wobei wir in die, bereits seid 8 Uhr bereitsstehenden, Mini-Vans einstiegen. Unser Gepaeck wurde auf das Fahrzeugdach gebunden. Zuerst fuhren wir auf einer Teerstrasse Richtung Sueden. Rund 7 Kilometer vor der Grenze endete diese und wir folgten einen hoprigen und mit Schlagloecher gepickte Naturstrasse, welche durch einen recht dichten Wald fuehrte. Man stelle sich in der Fantasie eine Raeuber- und Schmugglerstrasse vor, was der Strasse so ziemlich entspricht. Einmal mussten wir anhalten, da sich Aeste im Unterbau des Autos verfingen. Bei einigen Schlagloechern glauben wir, dass die Radachse des Wagen bricht. Fuer diese sieben Kilometer benoetigten wir etwas mehr als 30 Minuten - was wohl alles ueber den Strassenzustand sagt!

Schliesslich erreichten wir eine einsame Holzhuette im Wald. Wir wurden zum Aussteigen aufgefordert und es wurde uns gesagt, dass hier nicht der Samichlaus wohnt, sondern das dies hier der laotische Grenzposten sei. Hier stempelte der Beamte gegen eine Gebuehr von 1 $ unsere Paesse ab. Danach mussten wir rund einen Kilometer bis zum kambodschanischen Grenzposten zu Fuss gehen.

Fuers Visa wurde uns ein Formular ausgehaendigt, zudem benoetigten wir ein Passfoto. Unsere Daten wurde von Major Rose Dath, laut Stempel dem Chief of Visa Service aufs Visum uebertragen und dieses schliesslich in den Pass geklebt. Wir bezahlten fuer das Visa statt den ueblichen 20 $ dann 22 $. Der Goldschmuck, welcher der Beamte an Fingern und Handgelenk trug, zeigte dann auch, dass er kein armer Mann ist! Wenn man bedenkt, dass in unseren zwei Bussen rund 20 Personen sassen und alle 2 Dollar dirket in seine eigene Tasche zahlten... Fuers Stempeln der Paesse bezahlten wir dem "Stempelbeamten"ebenfalls nochmals 1 $ extra.

Auf der kambotschanischen Seite wurde unser Gepaeck wieder auf oder bzw. in den Minibussen verstaut. Von dort wurden wir weiter suedlich gebracht. Bereits nach rund einer halben Stunde Fahrzeit sahen wir mit den zwei wichtigsten Problemen von Kambodscha konfrontiert: einerseits der Korruption und andererseits der Armut. Entlang der Strasse konnten wir kleine, sehr einfache Holzhuettendorfer sehen, die weder fliessendes Wasser in irgend einer Form noch Elektrizitaet besassen. Obwohl Laos auch ein armes Drittweltland ist, ist die Landbevoelkerung von Kambotscha noch aermer.

Nach rund einer Stunde erreichten wir Strung Treng, den ersten groesseren Ort in Kambodschas Norden. Wir stoppten am Flussufer und es wurde uns mitgeteilt, dass wir hier auf die Ueberfahrt mit einer kleinen Faehre warten muessen. Komischerweise befand sich eine Bruecke in Sichtweite. Nach einiger Wartezeit mussten wir auch unser Gepaeck aus dem Wagen nehmen und dieses mit auf die Faehre nehmen. Auf der anderen Flussseite erwartete uns Mister T. und brachte uns in sein Restaurant. Er erklaerte, dass wir hier auf das Eintreffen des Fahrzeuges warten muessen, welches uns weiter bis nach Kratie, unserem Etappenziel bringen soll. Nach einer Stunde, in der wir uns alle verpflegt hatte, traf dann das Fahrzeug ein. Es war wieder der gleiche Wagen und derselbe Fahrer wie auf der anderen Seite des Flusses!

Schliesslich erreichten wir Kratie, wo wir direkt vor einem Gaestehaus mit Restaurant abgesetzt wurden. Natuerlich erwarteten die Busfahrer, dass wir auch hier einchekten. Da das Gaestehaus in unserem Reisefueher erwaehnt war, das Preis-Leistungsverhaeltnis fuer uns stimmte, stiegen wir hier ab. Fuer rund 10 andere Traveller, welche weiter nach Phnom Penh oder nach Siem Reap wollten, begann das gleiche Spiel wieder von vorne. Sie mussten wieder eine Stunde auf einen Anschlussbus warten, konnten sich aber derweil wieder im Restaurant verpflegen...

Nach rund 8 stundiger Reise fuer laecherliche 190 Kilometer genossen wir dann umso mehr den Abend in geselliger Runde beim ersten kambodschanischen Angkor Beer (Fuer mich, die auch nach viermonatiger Reise durch Asien, mit unzaehligen verschiedenen Biersorten immer noch kein Bier trinkt, war dann der Bananen-Shake)!

Bettina